- 24.05.2012, 08:00:31
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"profil": Mohammed El-Baradei: "Israel muss sich Sorgen machen"
Friedensnobelpreisträger bezweifelt, dass Friedensvertrag mit Israel hält - "immenser Druck der Bevölkerung, eine härtere Haltung gegenüber Israel einzunehmen"
Wien (OTS) - In einem Interview in der Freitag erscheinenden
Ausgabe des Nachrichtenmagazins "profil" bezweifelt Mohammed
El-Baradei, der Friedensnobelpreisträger und ehemalige
Generaldirektor der UN-Atomenergiebehörde IAEA, dass der
Friedensvertrag zwischen Ägypten und Israel hält. "Israel muss sich
Sorgen machen, und ehrlich gesagt: zu Recht", so El-Baradei: "Es kann
nicht einfach weiterhin palästinensisches Land besetzen und dort mit
dem Siedlungsbau fortfahren. Das geht nicht. Jeder gewählte
ägyptische Präsident, wer immer das auch sein wird, steht unter
immensem Druck der Bevölkerung, eine härtere Haltung gegenüber Israel
einzunehmen." Die Israelis "können nicht an ihrer Politik der
Unterdrückung der Palästinenser festhalten und gleichzeitig davon
ausgehen, dass in der Region Frieden herrscht", so El-Baradei weiter.
Die Situation in seiner Heimat Ägypten beurteilt El-Baradei im
"profil"-Interview skeptisch: "Im Moment herrscht einfach das Chaos.
Es ist unklar, wer das Land regiert. Die geltende Übergangsverfassung
funktioniert nicht weil sie keinen Machtausgleich schafft. Das
Parlament hat nicht die Befugnisse, die es haben sollte, der
Präsident wird sie auch nicht haben. Deshalb sollten sich die
Menschen auch keine allzu große Hoffnungen machen, dass nach der Wahl
alles anders wird." Problematisch sei vor allem die Rolle des
Militärs, das sich "mit allen Mitteln an seine Macht klammert. Es
will kein bisschen von seiner Autorität abgeben, sondern sie im
Gegenteil sogar noch ausweiten."
Die Gefahr, dass sich radikal-islamische Forderungen wie jene nach
einem Bikini- und Alkoholverbot in Ägypten durchsetzen könnten, sieht
El-Baradei nicht: "In diesem Fall würden wir viele Urlauber aus
Österreich verlieren. Nein, dafür sind die Muslimbrüder viel zu klug
und zu pragmatisch. Sie wissen, dass sie erfolgreich sein müssen,
wenn sie das Land führen wollen - und das geht nicht, indem man
Touristen und ausländische Investoren aussperrt. Das gilt auch für
die meisten Salafisten, die ja für die freie Marktwirtschaft
eintreten."
Rückfragehinweis:
"profil"-Redaktion, Tel.: (01) 534 70 DW 3501 und 3502
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