- 23.05.2012, 16:58:17
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Neue Ergebnisse zur Schlaganfalltherapie
Weltgrößte Schlaganfallstudie mit Blutgerinnsel auflösendem Medikament zeigt Nutzen für PatientInnen
Krems (OTS/kpr) - PatientInnen, die das Blutgerinnsel auflösende
Medikament rt-PA innerhalb von sechs Stunden nach einem Schlaganfall
erhalten, haben eine höhere Chance, weniger neurologische
Folgeschäden zu erleiden, als ohne diese Behandlung. Dies zeigt die
internationale Studie IST-3 (International Stroke Trial 3) der
Universität Edinburgh, die heute im Fachmagazin "The Lancet"
veröffentlicht und zeitgleich bei der "European Stroke Conference" in
Lissabon vorgestellt wird. An der Studie beteiligt ist auch die
Donau-Universität Krems.
Die aktuellen Ergebnisse belegen, dass nach der Behandlung mit
rt-PA Überlebende eines Schlaganfalls häufiger in der Lage sind, für
sich selbst zu sorgen. Auch die Chancen auf eine vollständige
Genesung innerhalb von sechs Monaten nach dem Schlaganfall wurden
erhöht. Pro 1.000 Behandlungen mit rt-PA innerhalb von drei Stunden
nach einem Schlaganfall überleben 80 PatientInnen mehr und können
ohne fremde Hilfe weiterleben, als ohne diese Therapie. rt-PA hat
aber auch negative Wirkungen, sagen die ForscherInnen. Die
PatientInnen besitzen ein höheres Risiko, innerhalb der ersten sieben
Tage zu versterben, weil das Medikament eine sekundäre Blutung im
Gehirn verursachen kann. Die AutorInnen kommen aber zu dem Schluss,
dass trotz der Risiken die Vorteile bei einer Vielzahl von
PatientInnen überwiegen. Aufgrund des Gesamtrisikos - ohne Behandlung
verstirbt ein Drittel der PatientInnen und ein weiteres Drittel
bleibt auf Dauer auf fremde Hilfe angewiesen und behindert - wären
viele Personen bereit, das höhere Frührisiko unter Behandlung mit
rt-PA in Kauf zu nehmen. Insgesamt unterstreichen die
Studienergebnisse die Vorteile der möglichst frühzeitigen Behandlung
mit rt-PA und rechtfertigen auch die Behandlung der Altersgruppe 80
Jahre und älter (etwa die Hälfte der untersuchten PatientInnen war
über 80 Jahre alt).
Mit mehr als 3.000 PatientInnen ist die "International Stroke
Trial 3" die weltweit größte jemals durchgeführte Untersuchung mit
dem Medikament rt-PA, das PatientInnen mit akutem ischämischen
Schlaganfall intravenös verabreicht wird. Die Studie untersuchte
zwischen den Jahren 2000 und 2011 Schlaganfall-PatientInnen aus zwölf
Ländern - die Hälfte von ihnen wurde mit rt-PA behandelt, die andere
Hälfte nicht. An der Studie nahmen auch österreichische
Schlaganfallzentren teil. Das Department für Klinische
Neurowissenschaften und Präventionsmedizin der Donau-Universität
Krems unter Leitung des renommierten Schlaganfallexperten Univ.-Prof.
Dr. Michael Brainin war für die Durchführung der Studie in Österreich
verantwortlich. Nationaler Koordinator von IST-3 Österreich ist Dr.
Karl Matz, ebenfalls Mitarbeiter des Departments für Klinische
Neurowissenschaften und Präventionsmedizin der Donau-Universität
Krems.
Ein ischämischer Schlaganfall tritt auf, wenn im Gehirn die
Blutversorgung durch ein Gerinnsel (Thrombus) in einem Blutgefäß
unterbrochen wird. Die dadurch hervorgerufenen Schäden können
dauerhaft oder sogar lebensbedrohlich sein. Das Blutgerinnsel
auflösende Medikament rt-PA (auch bekannt als Alteplase) wird häufig
zur Behandlung des Herzinfarkts eingesetzt und seit den 1990er Jahren
bei ischämischem Schlaganfall getestet. Im Jahr 2002 erhielt rt-PA
eine EU-Lizenz für den Einsatz bei PatientInnen unter 80 Jahren
innerhalb von drei Stunden nach Auftreten eines ischämischen
Schlaganfalls. Seit damals haben Forschungsergebnisse gezeigt, dass
PatientInnen unter 80 Jahren von rt-PA profitieren, wenn sie
innerhalb von viereinhalb Stunden nach einem Schlaganfall behandelt
werden. Die aktuelle Studie versuchte nun zu klären, ob die
Behandlung mit rt-PA bis zu sechs Stunden nach einem Schlaganfall bei
über 80-Jährigen ebenso wirksam ist wie bei jüngeren Menschen.
Nähere Informationen unter www.ist3.com
Die Originalarbeit kann abgerufen werden unter:
http://press.thelancet.com/alteplase.pdf
Rückfragehinweis:
Dr. Karl Matz Department für Klinische Neurowissenschaften und Präventionsmedizin Donau-Universität Krems Tel.: +43 (0)2732 893-4810 Mail: [email protected] www.donau-uni.ac.at/kmp
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