• 23.05.2012, 12:45:04
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Diabetes: Erblindung muss nicht sein

Fortschritte in Diagnostik und Therapie der diabetischen Netzhauterkrankungen

Wien (OTS) - Diabetes mellitus, die häufigste
Stoffwechselerkrankung in den Industrieländern, wird häufig
unterschätzt, bringt jedoch unbehandelt zahlreiche gefährliche
Folgeschäden mit sich. So kann ein schlecht eingestellter Diabetes
mellitus Gefäßveränderungen zur Folge haben. Ein Organ, das besonders
unter diesen Gefäßveränderungen leidet, ist das Auge, konkret die
Netzhaut. Zuckerkranke Menschen entwickeln oftmals
Sehverschlechterungen, die auch zur Erblindung führen können. "In
Europa ist Blindheit, die durch Diabetes verursacht wurde, die
dritthäufigste Ursache nach der altersabhängigen Makuladegeneration
und dem grünen Star (Glaukom). Weltweit sind rund 2,4 Millionen
Menschen durch Diabetes erblindet", so Univ.-Prof. Dr. Anton Luger,
Leiter der Klinischen Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel,
Medizinische Universität Wien, Vorstandsmitglied der Österreichischen
Diabetesgesellschaft (ÖDG).

Diabetische Retinopathie

Bevor es jedoch zu einer Blindheit kommt, gehen mehrere Stadien
der Netzhautveränderungen (diabetische Retinopathie) voran, in denen
der weitere Verlauf ganz entscheidend beeinflusst werden kann.
Manchmal liegt jedoch leider bereits bei der Diagnose Diabetes
mellitus Typ 2 eine diabetische Retinopathie vor, da Typ 2 Diabetes
oftmals erst nach einigen Jahren erkannt wird. Dabei kommt es zu
Veränderungen und Neubildung von Blutgefäßen, die die Netzhaut
versorgen. Glaskörper-Blutungen, Abheben der Netzhaut und die
Erhöhung des Augen-Innendrucks können schließlich zur Erblindung
führen.

Luger: "Dem Entstehen, aber auch dem Fortschreiten der
diabetischen Netzhautveränderungen, kann durch optimale
Blutzuckereinstellung sowie konsequentes Anstreben der vorgegebenen
Blutdruck- und Blutfett-Zielwerte entgegengewirkt werden. Unbehandelt
führt die Augenerkrankung im Stadium der so genannten proliferativen
Retinopathie, wenn es also schon zu Gefäß-Neubildungen gekommen ist,
zu schweren Folgen: jeder zweite Patient wird innerhalb von fünf
Jahren blind."

Jährliche Augenkontrollen sind für Diabetiker ein Muss

Daher stellt die frühzeitige Erkennung und Behandlung einer
diabetischen Augenerkrankung die Basis zur Verhinderung von Blindheit
infolge von Diabetes dar. Dazu empfiehlt die ÖDG allen Diabetikern
regelmäßige, d.h. jährliche Kontrollen des Augenhintergrundes beim
Augenarzt. Werden bei den Kontrollen Veränderungen festgestellt, sind
auch schon in frühen Stadien kürzere Kontrollintervalle erforderlich,
um rechtzeitig mit gezielten Therapien gegensteuern zu können.
"Augen-Kontrollen sind aber auch bei vollkommener Beschwerdefreiheit
erforderlich, weil die diabetische Retinopathie anfangs meist
symptomlos verläuft", erklärt Luger.

Enorme Fortschritte in Diagnose und Therapie

Sowohl was die Diagnose, als auch was die Behandlung diabetischer
Augenerkrankungen betrifft, gab es in den letzten zehn Jahren enorme
Fortschritte. So kann dem Patienten bei einem rechtzeitigen Besuch
beim Augenarzt ein gutes Sehvermögen und somit eine entsprechende
Lebensqualität über Jahrzehnte hinweg erhalten bleiben. Eine moderne
Diagnosemethode zur Erkennung der diabetischen Retinopathie ist
beispielsweise die Optische Kohärenztomographie (OCT). Dabei handelt
es sich um eine auf Laserlicht basierende, berührungsfreie
Untersuchungstechnik, bei der das Netzhautzentrum gescannt und
dreidimensional dargestellt werden kann. "Diese Technologie, die aus
Wien stammt und sich international etabliert hat, gibt Augenärzten
völlige neue Einblicke in den Ablauf der Netzhauterkrankung und die
Effekte einer Therapie", erzählt Priv.-Doz. Dr. Matthias Bolz,
Universitätsklinik für Augenheilkunde und Optometrie, Medizinische
Universität Wien.

Revolution in der Therapie

Auch in der Therapie von diabetischen Augenerkrankungen hat sich
in den letzten Jahren viel getan. So genannte monoklonale Antikörper,
die direkt in das Auge mit einer Spritze injiziert werden, haben die
Behandlung diabetischer Netzhauterkrankungen revolutioniert. Bolz:
"Ursprünglich war diese Therapie für die Behandlung der feuchten
altersbedingten Makuladegeneration erfolgreich entwickelt worden.
Aber auch bei Vorliegen einer Schwellung der Netzhaut im Rahmen der
Zuckerkrankheit kann nach Injektion dieser Medikamente bei
Diabetikern eine deutliche Befundverbesserung, sowie eine
entsprechende Verbesserung des Sehvermögens verzeichnet werden."
Daneben zeigten auch Kortisoninjektionen in das Auge von Diabetikern
einen positiven Effekt auf Netzhautveränderungen, wenn auch - ebenso
wie die monoklonalen Antikörper - nur zeitlich begrenzt. Bis vor
wenigen Jahren war man ausschließlich auf die Lasertherapie zur
Behandlung diabetischer Augenerkrankungen angewiesen. Die neuen
Therapieansätze stellen inzwischen wesentliche Alternativen zur
Lasertherapie dar und haben diese zu einem großen Teil in den
Hintergrund gedrängt. Lasertherapie wird inzwischen zumeist in
Kombination mit den neuen Therapien verwendet.

Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG)

Die Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG) ist die
ärztlich-wissenschaftliche Fachgesellschaft der österreichischen
Diabetes-ExpertInnen. Ihre zentrale Aufgabe ist die Forschung und
Förderung des wissenschaftlichen Austausches aller auf dem Gebiet der
Diabetologie tätigen ForscherInnen und ÄrztInnen. Die ÖDG engagiert
sich für die Sicherstellung einer Betreuung der DiabetikerInnen in
Österreich, die den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen
entspricht. Ordentliche Mitglieder der Gesellschaft sind ÄrztInnen
und wissenschaftlich einschlägig orientierte AkademikerInnen.
Assoziierte Mitglieder sind DiabetesberaterInnen und DiaetologInnen.

Fotos der Experten und ein Beispiel eines OCT-Scans
finden Sie unter http://www.publichealth.at/p-62288.html

Rückfragehinweis:
Public Health PR
Mag. Michael Leitner, MAS
Tel.: 0699/155 244 31
Mail: [email protected]

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