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Gesundheit als Religion

Beim DiskussionsFORUM des Haus der Barmherzigkeit diskutierten Bankhofer, Faber, Karmasin, Wippersberg, Gisinger und Milborn über Genuss und Irrglaube der neuen Gesundheits"religion".

Wien (OTS) - Bereits Platon wusste, dass die ständige Sorge um die Gesundheit auch eine Krankheit ist. Es vergeht kein Tag, an dem uns Fitnesspäpste, Wellnessgurus und GesundheitsexpertInnen mit mehr oder weniger seriösen Tipps zu einem gesünderen Lebensstil verhelfen wollen. Gesundheit ist ein zentraler Begriff in unserer Gesellschaft, der viele Anleihen und Rituale aus der Religion nimmt. Aber haben in unserer gesunden Welt Menschen mit chronischen Krankheiten und Behinderungen noch Platz? Darüber diskutierten gestern abend im Studio 44 der Österreichischen Lotterien der Gesundheits-Publizist und Autor Hademar Bankhofer, Dompfarrer Toni Faber, die Motivforscherin Helene Karmasin, der Schriftsteller und Filmemacher Walter Wippersberg und der Institutsdirektor vom Haus der Barmherzigkeit Christoph Gisinger. Corinna Milborn moderierte. Pfizer Austria und die Österreichischen Lotterien unterstützten die Veranstaltung.

Krankenhäuser statt Kathedralen, Marathons statt Prozessionen, Diäten statt Fastenzeiten, und Olympiasieger, die statt Heiligen verehrt werden. - Christoph Gisinger, Institutsdirektor vom Haus der Barmherzigkeit und selber Arzt, fand viele Beispiele, um in der Gesundheit eine neue Religion zu sehen. Dennoch ist für ihn die Gesundheit nicht das Wichtigste: "Vielmehr ist das höchste Gut die Beziehung zum Mitmenschen: Respekt, liebevolle Begegnung, Verantwortung, Sorge und Hilfe." Wie der deutsche Autor Manfred Lütz in seinem Buch "Lebenslust" glaubt er an die Gefahr, dass Menschen mit chronischen Erkrankungen oder Behinderungen als Menschen 2. oder 3. Klasse gesehen werden.

Der Wunsch nach dem perfekten Körper und der Irrglaube

Für die Motivforscherin Helene Karmasin nimmt die Gesundheit zwar Anleihen an Ritualen und religiösen Bezeichnungen ist aber keine Religion. "Gesundheit ist ein zentraler Begriff in unserer Gesellschaft: Es gilt: "Gesund ist schön." Es gibt den Wunsch nach dem perfekten Körper. Er ist unser soziales Kapital und jeder ist als Individuum dafür selbst verantwortlich. Wir sind immer leistungsbereit, diszipliniert und jung. Alle, die dem nicht entsprechen wie zB. dicke Menschen, werden sozial sanktioniert." Ganz anderer Meinung ist der Schriftsteller und Filmemacher Walter Wippersberg, für den die neue Gesundheitsreligion bereits eine gesellschaftsbildende Kraft ist: "Ähnlich wie die Gesellschaft vor 100 Jahren vom Christentum geprägt war und man sich anpassen musste, muss man sich heute auch anpassen: Es gibt einen Zwang zum Gesundsein. Dabei ist es ein Irrglaube, Gesundheit sei herstellbar -nur max. 10% sind durch unseren Lebensstil beeinflusst." Ihm fällt auf, dass der Sündenbegriff von der Religion in die Gesundheit gewandert ist. Heute bedeutet sündigen, dass einer zuviel gegessen oder getrunken hat.

Wohlfühlen und genießen

Dompfarrer Toni Faber ist überzeugt, dass die katholische Religion mittlerweile viel lustvoller ist als viele Forderungen der "Gesundheitsaposteln". Diese haben für andere Menschen keinen Platz in ihrem Leben und das sei völlig diametral zum christlichen Weltbild. "Wichtig ist, dass wir genießen lernen und gesunde Bewegung und Ernährung schaden nicht. Wir sollten auch den Respekt vermehren gegenüber kranken und behinderten Menschen." Hademar Bankhofer, Gesundheitspublizist und Autor sprach sich gegen jeglichen Gesundheitsfanatismus aus: "Die wirklich gesunden Menschen, die sich wohlfühlen, gehen einen mittleren Weg und genießen auch. Manchmal muss man sündigen, um zu wissen, wovon man spricht."

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