• 19.05.2012, 12:22:08
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Kräutler: Nur mehr wenige NGOs wagen Kritik an Energiepolitik

Bischof Altamira-Xingu warnt in ORF-Sendung erneut vor Megastaudamm Belo Monte - "Es ist aber noch nie ein Vertreter des Andritz-Konzerns hierher gekommen, um sich selbst ein Bild zu machen"

Feldkirch, 19.05.12 (KAP) Im Konflikt um die umweltzerstörenden
Kraftwerksbauten sind Brasiliens Bischofskonferenz (CNBB) und der
Indianermissionsrat (CIMI) zwei der wenigen verbliebenen regionalen
Nichtregierungsorganisationen, die es wagen, frei Kritik an der
staatlichen Energiepolitik zu äußern: Das hat Bischof Erwind
Kräutler am Freitagabend im ORF-Vorarlberg festgestellt. CNBB und
CIMI seien nämlich - anders als viele andere NGOs - nicht von
finanziellen Zuwendungen des Staates abhängig.

Kräutler, der dem CIMI als Präsident vorsteht, erneuerte in der
Sendung seine Kritik am Megastaudammprojekt Belo Monte, das am
Xingu-Fluss entsteht. Daran beteiligt ist u.a. der österreichische
"Andritz"-Konzern. Der Staudammbau bringe Massenabsiedlungen,
Zerbrechen gewachsener Gemeinschaften, Arbeitslosigkeit von
Kleinbauern und Fischern sowie Tausende künftige Sozialfälle mit
sich.

Die "Andritz AG", die Turbinen liefern wolle, erkläre im Blick auf
das Projekt immer nur, Brasilien sei ja ein Rechtsstaat, und alle
Maßnahmen liefen gesetzeskonform ab, kritisierte der Bischof von
Altamira-Xingu: "Es ist aber noch nie ein Vertreter des Konzerns
hierher gekommen, um sich selbst ein Bild zu machen. Denn das könnte
gefährlich werden. Er würde sehen, dass Menschen aus ihrer Heimat
regelrecht rausgeschmissen werden. Man könnte mitschuldig an Unrecht
werden."

Der austro-brasilianische Bischof verwies auf die globale
wirtschaftliche Problematik der Profitmaximierung. Europäische und
asiatische Konzerne bemühten sich, in Entwicklungs- und
Schwellenländer zu gehen, um dort mit wenig Aufwand möglichst viel
herauszuholen. Das gelte eben auch für das Belo Monte-Projekt, das
einmal das drittgrößte Hydrokraftwerk der Welt sein soll.

In europäischen Länder sei oft die Rede vom aufstrebenden
Schwellenland Brasilien, das keine Auslandshilfe mehr nötig habe -
was zu einem gewissen Grad auch stimme, so Kräutler: "Es gibt die
Meinung: Brasilien hat genug Geld und die Möglichkeit, für alles zu
sorgen und den Armen und Ausgegrenzten ein schönes Heim und einen
guten Unterhalt zu bieten." Doch die Rechnung gehe nicht auf; das
Geld wäre zwar vorhanden, dass aber alles "schön aufgeteilt wird",
funktioniere nicht: "Der Kuchen ist groß, aber nur wenige haben das
Recht, sich etwas von diesem Kuchen abzuschneiden."

In Belo Monte, 50 Kilometer vom Bischofssitz Altamira entfernt,
hätten die Konzerne vor mehreren Monaten "wie eine Furie" mit den
Bauarbeiten begonnen. Das Projekt werde rücksichtslos vorangetrieben
- "rund um die Uhr, es gibt keinen Sonn- und Feiertag".

Mehr auf www.kathpress.at (ende) fam/

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