• 15.05.2012, 18:15:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Viele Kleine sind gleich wichtig wie wenige Große - von Oliver Jaindl

Der heimische Mittelstand ist krisenresistenter geworden

Wien (OTS) - Sie haben keine PR-Abteilungen, die schicke
Sommerfeste mit Cocktailempfang ausrichten. Sie residieren nicht in
gläsernen Wolkenkratzern in futuristischen Stadtvierteln. Sie können
nicht am Anleihenmarkt billig eigene Schulden "zurückkaufen". Es ist
für sie nicht eine emotionslose Entscheidung am Papier, Mitarbeiter
aufzunehmen (bzw. zu kündigen) oder eine größere Investition zu
wagen. Der heimische Mittelstand hat oftmals nicht jene Bühne mit
spektakulären Inszenierungen für sich, die sich die großen,
börsenotierten Unternehmen (oder deren Vertreter) gönnen. Zu Unrecht.
Gerade der Mittelstand als "Rückgrat" der heimischen Wirtschaft hat
mehr Aufmerksamkeit und Wertschätzung verdient. Die
Konjunkturindikatoren zeigen, dass die heimischen KMU gar nicht so
schlecht unterwegs sind. Sie erweisen sich nach dem Schock der
Krisenjahre 2008/2009 als erfreulich stabil und haben seither noch an
Eigenkapital zugelegt- was bedeutet: Die Krisenresistenz steigt. Das
ist ein Faktum, das nach der konjunkturellen Aufhellung nach 2009 und
den noch immer unsicheren Aussichten für die nächsten Jahre nicht
unwichtig erscheint.

Gerade der Blick zurück in die Zeit unmittelbar nach 2008 zeigt aber,
dass stabile Verhältnisse in einem großen Teil der Wirtschaft sehr
wertvoll sein können. Denn es ist unbestreitbar, dass ein relativ
stabiler Konsum, der zum Teil durch Arbeitsmarktprogramme teuer
erkauft werden musste, in der Krise 2008/2009 vor Schlimmerem bewahrt
hat. Die Sorge, dass der private Konsum zurückgeht, war damals bei
den Börsianern groß. Doch wer sprach vom Mittelstand? Hier zeigt
sich, dass dieser als Indikator sicher genauso wichtig ist wie der
private Konsum.

Wenn Beobachtern des Kapitalmarkts angesichts schlechter Werte im
Konsumentenvertrauen oder ähnlicher Indikatoren ein kalter Schauer
über den Rücken läuft, dann sollte bei negativen KMU-Daten dasselbe
passieren - oder es sollte sich Optimismus einstellen, wenn die Daten
trotz allgemeiner Verunsicherung (vielleicht bloß der "Großen"?) dann
doch nicht so schlecht sind. Vielleicht gibt es nämlich heute nicht
mehr die Zweiteilung zwischen "Wirtschaft" da und "Konsumenten" dort,
sondern eine Dreiteilung: Konsumenten - KMU - Konzerne. Und
vielleicht hätten sich zweitgenannte auch - wie Konsumenten oder
Konzerne - in Anerkennung ihrer Stellung im ökonomischen Gesamtgefüge
ein paar maßgeschneiderte rechtliche Rahmenbedingungen mehr verdient.

Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]

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