- 15.05.2012, 14:50:57
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Bauchgefühl - Kampf dem Krampf
Stress und seine gesundheitlichen Auswirkungen auf Frauen
Wien (OTS) - Forschungen in der Gendermedizin haben gezeigt, dass
es mehr geschlechtsspezifische Unterschiede zwischen Männern und
Frauen in der Medizin gibt, als bisher angenommen. Viele Auslöser von
Erkrankungen werden anders verarbeitet, so auch Stress. Frauen,
insbesondere berufstätige Mütter, sind in verstärktem Ausmaß von
Stress durch Mehrfachbelastung und daraus resultierendem Zeitmangel
betroffen. Diese Faktoren sind häufig Ursache für einen Lebensstil,
der Auslöser einiger Zivilisationskrankheiten ist.
Adipositas aber auch Symptome wie häufige Bauchkrämpfe sind daher
besonders bei Frauen im Steigen begriffen.
Die Anforderungen, die das Leben heutzutage an uns alle stellt,
sind oft geprägt von Mehrfachbelastung und Zeitmangel. Das trifft
besonders auf berufstätige Mütter zu, die gleichzeitig Kinder,
Haushalt und Beruf bewältigen müssen. Wenn es sich dann auch noch um
eine Alleinerzieherin handelt, wird der Druck, dem die Frau
ausgesetzt ist, enorm: sie hat die alleinige Verantwortung für
Kinder, Haushalt und Einkommen. Der Großteil ihrer Zeit fließt in die
Aufrechterhaltung, die Organisation und die Gestaltung des
Familienlebens, ein weiterer großer Teil in die Erwerbstätigkeit und
in die Arbeiten im Haushalt. 85 Prozent der Alleinerzieher in
Österreich sind Frauen. Das sind in absoluten Zahlen 249.600
alleinerziehende Mütter. Von ihnen sind 79,3 Prozent erwerbstätig
(1).
Busy-Mums müssen funktionieren
Eine solche Busy-Mum muss ständig funktionieren. Zwischen den
täglichen Aufgaben bleibt ihr kaum Zeit für sich selbst. Wenn sie von
typisch stressbedingten Leiden, wie Bauchkrämpfen, geplagt wird, kann
sich eine alleinerziehende Mutter nur selten den Luxus gönnen, ein
entspannendes Vollbad zu nehmen. Eva Maria Marold, Kabarettistin und
Musicaldarstellerin ist selbst alleinerziehende Mutter von zwei
Kindern und kann aus eigener Erfahrung berichten, was es heißt, trotz
Schmerzen Familie, Beruf und Alltag zu bewältigen: "Ich kann es mir
nicht leisten auf der Bühne schlechte Laune oder Schmerz die Oberhand
gewinnen zu lassen. Das Publikum erwartet gute Unterhaltung, da muss
man Befindlichkeit oder Tagesverfassung schon mal zurückstellen und
mit gebrochener Zehe tanzen oder mit Bauchkrämpfen spielen, denn die
Gage zahlt die Miete für nächstes Monat und den Babysitter, damit man
überhaupt auftreten kann."
Stress macht Frauen krank
Ständige Mehrfach- und Überbelastungen, Zeitmangel und Stress
machen krank. Das geringe Zeitbudget, das berufstätige Mütter durch
diese Mehrfachbelastungen für sich selbst haben, erhöht ihre
Anfälligkeit für Krankheiten, die im Zusammenhang mit Stress und
Überforderung stehen. Univ. Prof.in Dr.in Alexandra Kautzky-Willer,
erste Professorin für Gender Medizin in Österreich an der MedUni Wien
und Fachärztin für Innere Medizin, Endokrinologie und Stoffwechsel
erklärt dazu: "Frauen führen auf Grund dieses Stress' oftmals einen
ungesunden Lebensstil, der wiederum einen Anstieg von
Zivilisationskrankheiten wie Adipositas, degenerative Erkrankungen
der Wirbelsäule und Erkrankungen aufgrund mangelnder Bewegung zur
Folge hat. Chronischer Stress kann zu einem Anstieg des Blutdrucks
und des Cholesterinspiegels führen und die Entstehung von
verschiedenen Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und
Diabetes begünstigen. Weiters können Schlafstörungen, körperliche
Symptome wie Rücken- oder Kopfschmerzen und auch das chronische
Müdigkeitssyndrom auftreten. Funktionelle Darmstörungen, das
"Reizdarmsyndrom" mit Bauchkrämpfen und -schmerzen und Veränderungen
der Stuhlgewohnheiten sind weitere typische Stress-assoziierte
Symptome bei Frauen."
Der Bauchkrampf ist weiblich
Laut einer Befragung durch das Linzer Meinungsforschungsinstitut
IMAS leiden fünf Prozent der Männer und elf Prozent der Frauen in
Österreich regelmäßig unter Bauchkrämpfen. Prim. Dr. Michael Häfner,
Vorstand Interne Abteilung am Krankenhaus St. Elisabeth in Wien ist
Facharzt für Innere Medizin, Gastroenterologie und Hepatologie und
ist häufig mit den spezifischen Folgen von Stress im
Verdauungsapparat konfrontiert: "Stress hat die unterschiedlichsten
gesundheitlichen Auswirkungen auf uns Menschen und er schlägt sich
sprichwörtlich auf den Magen. Das Verdauungssystem gerät aus dem
Gleichgewicht, Bauchschmerzen und Bauchkrämpfe sind die Folge. Sie
gehören zu den häufigsten Beschwerden, die Magen und Darm betreffen
und sind sehr oft das Ergebnis von Stressbelastung. In
Industrienationen leiden bis zu 30 Prozent der Bevölkerung unter
Bauchschmerzen. Frauen sind deutlich öfter von Bauchschmerzen und
mehr als doppelt so oft von Bauchkrämpfen betroffen als Männer. Am
Reizdarmsyndrom erkranken Frauen zwischen 25 und 50 Jahren zwei- bis
dreimal häufiger als Männer."
Vom Kampf mit dem Krampf zum guten Bauchgefühl
Um Bauchschmerzen zu begegnen gibt es eine ganze Reihe von
Möglichkeiten. Prim. Dr. Häfner dazu: "Entspannung und Wärme sind
kurzfristig oft ein guter Ansatz. Sie fördern die Durchblutung und
lassen verkrampfte Muskeln entspannen. Aber in den meisten
Lebenssituationen wird es nicht möglich sein, sich ein
Entspannungsbad zu gönnen. Wenn man am Arbeitsplatz ist, oder seine
Kinder betreuen muss, kann man sich nicht einfach mal ein Bad
einlassen. Hier kann eine Wärmflasche helfen oder, wenn es schnell
gehen muss, ein krampflösendes Mittel aus der Apotheke, ein
sogenanntes Spasmolytikum."
Um negativen Stress zu vermeiden oder besser dafür gewappnet zu
sein, kann man selbst einiges beitragen, wie beispielsweise genug
Wasser trinken und auf eine ausgewogene Ernährung achten. Bei immer
wiederkehrenden Beschwerden sollte auch an relativ häufige
Veränderungen, wie Milchzuckerunverträglichkeit, gedacht werden. Eva
Maria Marold rät: "Seien Sie nicht perfekt. Viele Frauen neigen zum
Perfektionismus und können sich erst dann entspannen, wenn alles nach
ihren Vorstellungen läuft und wenn es nicht perfekt läuft gibt's
Bauchweh. Ich rate dazu, die Dinge, die einem so groß und wichtig
erscheinen und Stress verursachen in Relation zu etwas wirklich
Bedeutsamen zu setzen, wie beispielsweise Zeit mit den eigenen
Kindern verbringen. Dann werden die meisten vermeintlich wichtigen
Dinge sehr schnell recht klein."
Der Stress hat System
Der Stress, und seine gesundheitlichen Folgen, denen berufstätige
Mütter durch die Mehrfachbelastungen und den chronischen Zeitmangel
ausgesetzt sind, haben ihren Ursprung zum Teil in der Tatsache, dass
die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Österreich immer noch als
ein Frauenproblem wahrgenommen wird. Univ.Prof.in Kautzky-Willer
meint dazu abschließend: "Die Emanzipation hat den Frauen zwar das
Recht auf Arbeit gebracht, hat aber die Pflichten bei
Haushaltsführung und Kindererziehung nicht neu und paritätisch
aufgeteilt. Ein Anfang für einen Ausweg aus dieser Situation würde
eine konsequente Angleichung der Gehälter von Frauen an die der
Männer sein, sowie der weitere Ausbau von
Kinderbetreuungseinrichtungen und flexibleren Arbeitszeitmodellen.
Ein konsequenter nächster Schritt wäre die Emanzipation der Männer
bei der Inanspruchnahme von Karenzzeit und der Übernahme von
Pflichten in Haushalt und Kindererziehung."
Die vollständige Pressemappe und Fotos des Pressegesprächs stehen für
Sie zum download unter folgendem Link bereit:
http://www.publichealth.at/p-62133.html
O-Töne vom Pressegespräch stehen für Sie unter folgendem Link zum
download bereit:
http://www.o-ton.at/
(1) Familien- und Haushaltsstatistik 2009, Statistik Austria
Rückfragehinweis:
Public Health PR
Thomas Braunstorfer
Tel.: 0699/19258677
Mail: [email protected]
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