- 11.05.2012, 17:29:23
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Wiener Zeitung: Leitartikel von Reinhard Göweil: "Hilfe, Griechenland..."
Ausgabe vom 12. Mai 2012
Wien (OTS) - Wer die Griechen als undankbar erlebt, sollte sich
anschauen, was mit der Finanzhilfe bisher geschehen ist. Der
dreistellige Milliardenbetrag lief erstens in eine Umschuldung und
zweitens in die Finanzierung der griechischen Staatsschuld. In
Griechenland selbst ist - zur Ankurbelung der Wirtschaft - kein
einziger Euro angekommen. Für die Geberstaaten wie auch Österreich
ist die Griechenland-Hilfe bisher auch ein Geschäft in Form von
kassierten Zinsen.
Dass die Bürger des südeuropäischen Landes dagegen revoltieren,
sollte daher kein Wunder sein. Denn deren Perspektive liest sich an
folgenden Zahlen ab: Die Wirtschaft schrumpft heuer (das dritte Jahr
in Folge) um 5 Prozent. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 22 Prozent,
das ist fünfmal so hoch wie in Österreich. Und mehr als 35 Prozent
der Steuereinnahmen müssen für die Bedienung der Schulden aufgewendet
werden. 1,5 Millionen Griechen, das sind 15 Prozent der
Gesamtbevölkerung, wollen die großen Städte wie Athen und
Thessaloniki verlassen und in die Landwirtschaft gehen - eine
Stadtflucht, wie sie Europa lange nicht mehr gesehen hat.
Nun kann eingewendet werden, dass die Griechen zu lange Party
gefeiert haben und nun die Rechnung präsentiert bekommen. Das enthebt
Europa aber nicht der Verpflichtung, dem Land wieder auf die Beine zu
helfen. Dazu gehören auch die Bestrafung korrupter Politiker und ein
Ende des Volkssportes Steuerhinterziehung.
Vor allem aber ist massive finanzielle Hilfe nötig - und zwar als
Wirtschaftsförderung, nicht als Bankenrettungspaket. Es sollte Europa
auch nicht egal sein, dass sich China dort Häfen kauft. Diese Stunde
der Solidarität kommt, wenn Griechenland aus der Euro-Zone
"beurlaubt" wird und die Drachme wieder einführt. Dann können die
Euro-Schulden des Landes tatsächlich nur noch abgeschrieben werden.
Dann wird es jene Milliardenausfälle geben, vor denen ausgerechnet
jene Politiker warnen, die Griechenland aus der Eurozone schmeißen
wollen. Aber diese Milliarden werden dann - über das entlastete
Budget - endlich den Griechen selbst zugutekommen.
Die dritte Möglichkeit, dass Griechenland seine Euro-Schulden mit der
neuen Drachme bezahlt, ist hirnrissig. Diese Währung wird zum Euro
wenigstens 50 Prozent abwerten. Für die Griechen wäre die Rückkehr
der Drachme eine echte Hilfe, für die Eurozone allerdings ein Hammer.
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