- 11.05.2012, 17:12:16
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AK Präsident Erwin Zangerl: Jetzt Tirol für Beschäftigte zukunftsfähig machen!
Soziale Schieflage stoppen - Einkommen und Lebenskosten der Arbeitnehmer müssen wieder zusammenpassen!
Innsbruck (OTS) - Tirols AK Präsident Erwin Zangerl verlangt bei
der AK Vollversammlung Gerechtigkeit bei den Einkommen, bei Grund und
Boden, beim Wohnen, den Lebenshaltungskosten, beim Pendeln und bei
den steuerlichen Vorteilen, die andere Gruppen in üppigem Maße
genießen.
"Niedrigste Einkommen und höchste Lebenshaltungskosten in Tirol sind
die schlechteste Mischung", kritisierte AK Präsident Erwin Zangerl
die dramatische Lage im Land im Rahmen seiner Rede vor der
AK-Vollversammlung. "Die Einkommen und die Lebenskosten müssen wieder
zusammenpassen, um Tirol zukunftsfähig zu machen. Dazu kommen noch
explodierende Wohn- und Betriebskosten, die immer mehr Familien an
den Rand der finanziellen Leistungsfähigkeit bringen. Hier müssen wir
die Landespolitik in die Pflicht nehmen. Die Schmerzgrenze für immer
mehr aktive und ehemalige Arbeitnehmer und ihre Familien ist
erreicht.
Wenn aus Arbeit kein Eigentum mehr geschaffen werden kann und bei
immer mehr Arbeitnehmerhaushalten mit dieser harten Arbeit gerade
noch das tägliche Leben bestritten werden kann, ist das Land
gefordert, dieses Ungleichgewicht auszugleichen.
Wohnen ein Grundrecht
Noch nie war Wohnen so teuer. Für eine 70-m2 große Mietwohnung muss
man heute um fast 40 Prozent mehr bezahlen als vor zehn Jahren! Galt
vor 25 Jahren noch als Faustregel ein Viertel eines
Familieneinkommens geht für die Miete drauf, so sind es jetzt im
Schnitt knapp 50 Prozent. Wohnen ist nicht nur ein Grundbedürfnis,
sondern ein Grundrecht! Es kann nicht sein, dass die Miete das halbe
Gehalt auffrisst! Wir fordern mehr Bau von leistbaren Wohnungen. Wir
brauchen mehr günstigen Baugrund für förderbare Wohnungen. Heute
treiben die Grundstückspreise die Wohnpreise in die Höhe: früher lag
der Anteil von Grund und Boden bei rund zehn Prozent des Wohnpreises,
heute ist er oft viermal so hoch!"
Zangerl: "Wie beim Wohnen verlangen wir auch Gerechtigkeit bei den
Einkommen, den Lebenshaltungskosten, beim Pendeln und bei den
steuerlichen Vorteilen, die andere Gruppen in üppigem Maße genießen.
Tiroler Beschäftigte brauchen Ausgleichszahlung
Für die Zukunftsfähigkeit des Landes braucht es Ausgleichszahlungen
für jene Lasten, die die Tiroler Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer
durch das teure Wohnen, die hohen Preise bei Verkehrsmitteln und
Sprit sowie die überdurchschnittlich teureren Lebenshaltungskosten
tragen müssen.
Dieser Ausgleich funktioniert seit Jahren in der Landwirtschaft. Auch
hier wurde erkannt, dass es bei den landwirtschaftlichen Siedlungs-
und Bewirtschaftungsräumen Gunst- und Ungunstlagen gibt. Das Leben
und Bewirtschaften in Ungunstlagen wird durch Ausgleichszahlungen
gemildert, weil die Arbeit viel höher ist und der Ertrag dennoch viel
geringer ausfällt.
Auch bei den Tiroler Beschäftigten fällt der Lohn für gleiche Arbeit
und damit der Ertrag weitaus geringer aus als bei den Arbeitnehmern
in Gunstlagen anderer Regionen. Es gibt darüber hinaus noch weitere
Ungleichbehandlungen: Seien es moderne Anbindungen beim öffentlichen
Verkehr in der Ostregion (Schnellbahn, U-Bahn etc.), die den Betrieb
eines oder sogar zweier Pkws sparen oder aber Grundstückspreise, die
vielfach ein Zehntel der Quadratmeterpreise in Tirol ausmachen oder
aber die Kosten für den täglichen Einkauf oder die Konsumation in
einem Gasthaus. Stichwort: Schnitzelpreis.
Nicht außer Acht zu lassen sind die Steuerbelastungen (Mehrwert-,
Mineralöl-, Grunderwerb-, Verkehrssteuern etc.), die durch die
Sonderlage in Tirol für hiesige Arbeitnehmerhaushalte durch höhere
Preise und Gebühren nochmals höher ausfallen.
Aus allen österreichweiten Erhebungen und Vergleichen ist abzulesen,
dass die Tiroler Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und ihre Familien
somit doppelt und dreifach belastet werden.
Tiroler verdienen um 3.200 Euro weniger
Seit Jahren zeigen die laufenden Lohn- und Einkommensstatistiken das
gleiche Bild: Tirols Beschäftigte verdienen im Vergleich zu ihren
Kolleginnen und Kollegen aus den anderen Bundesländern um 3.200 Euro
netto pro Jahr weniger. Es zeigen sich auch beim Vergleich über
längere Zeiträume hinweg kaum Verbesserungen bei diesen eklatanten
Einkommensunterschieden zwischen Tirol und den übrigen Bundesländern.
Dabei macht es keinen Unterschied, ob die Männer- oder
Fraueneinkommen in Tirol betrachtet werden, beide liegen im
Bundesländervergleich an letzter Stelle.
Männer in Tirol verdienen mit 21.700 Euro netto im Jahr um 7,5
Prozent weniger als im österreichischen Durchschnitt. Tiroler Frauen
liegen mit einem Nettoeinkommen von 13.589 Euro gleich um 13 Prozent
unter dem Durchschnittsverdienst der Frauen in Österreich.
Selbst wenn die Saisonbeschäftigung herausgerechnet wird, verbessert
sich die Einkommenssituation Tirols kaum. Auch bei ganzjähriger
Vollzeitbeschäftigung liegen Tirols Männer um 6 Prozent unter dem
österreichischen Durchschnittsverdienst und damit an letzter Stelle
im Bundesländervergleich. Die Frauen ordnen knapp vor Vorarlberg an
vorletzter Stelle ein und liegen um 8 Prozent zurück.
Die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer. Fast 40 Prozent
der Menschen in Tirol verdienen weniger als 1.000 Euro netto im
Monat. Das sind rund 100.500 Mitbürger! 80 Prozent dieses Lohns
fließen in Wohnen, Energie oder Kleidung. Vom Rest zu leben ist
schwierig.
Realer Einkommensverlust
Dazu kommt noch die hohe Inflation, die sogar zu einem
Reallohnverlust geführt hat. Zwar stieg das Jahresnettoeinkommen in
Tirol von 2009 auf 2010 um durchschnittlich 155 Euro, das ist eine
Zunahme von 0,88 Prozent. Da aber im selben Zeitraum die Inflation
1,9 Prozent betrug, kam es in Tirol zu einem realen Einkommensverlust
von 1 Prozent!
Die tatsächliche Inflation und damit die Einkommensverluste liegen
allerdings noch deutlich höher, da gerade die Güter des täglichen
Bedarfs überdurchschnittlich teurer wurden. Der wöchentliche Einkauf
(vor allem Wohnen, Lebensmittel und Treibstoff) wurde um 3,4 Prozent
teurer, Energie um 3,2 Prozent.
"Dazu kommen absurde Treibstoffpreise", so Zangerl weiter. "Eine
Tankfüllung hat sich innerhalb eines Jahres um 5 bis 7 Euro
verteuert. Für jene, die aufs Auto angewiesen sind, kommen monatlich
zum Beispiel für das Pendeln auf der Strecke Schwaz - Innsbruck
Mehrkosten von rund 39 Euro zusammen. Geht man von 3 Prozent Erhöhung
des Nettodurchschnittslohns aus, dann fressen die hohen Benzinpreise
in diesem Fall sogar mehr als den gesamten monatlichen
Einkommenszuwachs auf. Ein Pendler gibt sein zusätzliches Geld gleich
wieder an der Zapfsäule ab. Die Politik muss handeln: Insbesondere
bei den Wohn- und Treibstoffkosten. Es gilt Spekulation auf
Grundbedürfnisse wie Wohnen aber auch auf Treibstoffe und Heizöl zu
bekämpfen und leistbare Versorgungsangebote zu schaffen. Zum Beispiel
durch stärkeres Einwirken auf Grundstückspreise und mehr geförderten
Wohnbau."
Andere haben großzügige Pauschalierungen - und die Arbeitnehmer?
Von Arbeit, also von Löhnen und Gehältern, sind viele Steuern zu
zahlen, von Kapital also von Gewinnen und Vermögen wenig. Nichts wird
in Österreich so hoch besteuert wie Arbeit. Während Kapital und
Unternehmens-Erträgen alle möglichen Steuerschlupflöcher offen
stehen, werden arbeitende Menschen bestraft. Das ist nicht mehr
weiter zu akzeptieren! Während die Arbeitnehmer mit höchster
Steuerbelastung zu kämpfen haben, gibt es für andere Gruppen
großzügige Pauschalierungen. Ich finde diesen Aspekt ganz besonders
ungerecht, denn die Beschäftigten stemmen bereits zwei Drittel aller
Steuerleistungen in Österreich!
So gibt es etwa Steuerpauschalen für Gastronomie und Hotelgewerbe, es
gibt auch Pauschalen für den Einzelhandel. Der eklatanteste Fall ist
jedoch weiterhin die Pauschalierung in der Landwirtschaft. Trotz der
letzten Novelle im Zuge des Stabilitätspakts können
landwirtschaftliche Einkommen nach wie vor bis zu 7.000 Euro pro
Monat steuerfrei beziehen. Das ist gesetzes- und verfassungswidrig.
Rückfragehinweis:
Kammer für Arbeiter und Angestellte für Tirol, Pressestelle
Dr. Elmar Schiffkorn
Tel.: 0512/5340 - 1280
mailto:[email protected]
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