- 10.05.2012, 11:30:36
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Österreichs Zementindustrie Impulsgeber der Bauwirtschaft Jahresbilanz 2011 und Einschätzung 2012
Wien (OTS) - Die Österreichische Zementindustrie steigerte 2011
ihre Zementproduktion um 4,1 Prozent auf 4,43 Millionen Tonnen, liegt
damit aber noch immer unter dem Wert von 2009. "Für das laufende
Jahr", so Mag. Rudolf Zrost, Vorstandsvorsitzender der Vereinigung
der Österreichischen Zementindustrie, "wagen wir noch keine seriöse
Prognose abzugeben." Denn im ersten Quartal 2012 verzeichnet die
Zementindustrie einen deutlichen Rückgang von 17 Prozent gegenüber
dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Eine gedämpfte Baunachfrage,
der Rückgang des Wohnbaus und die Verzögerung von Infrastrukturbauten
stellen die Zementindustrie vor große Herausforderungen. Aus ihrem
Forschungslabor und der Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern
kommen jedoch richtungsweisende Neuerungen. So werden mit dem Einsatz
von Beton als Energiespeicher innovative Lösungen entwickelt um
Energieverbrauch und Nutzungskosten von Gebäuden gegenüber
herkömmlichen Systemen auf einen Bruchteil zu senken.
Die Zementproduktion im Inland verzeichnete 2011 mit 4,43
Millionen Tonnen einen Zuwachs von 4,1 Prozent im Vergleich zum
Vorjahr. Der Jahresumsatz erhöhte sich in diesem Zeitraum auf 394
Millionen Euro, das sind vier Prozent. Die Bruttowertschöpfung
schrumpfte mit 154 Millionen Euro um 6,1 Prozent.
Die akuten Risiken einer Rezession der Wirtschaft im Euroraum sind
seit Frühjahr 2012 laut Euroconstruct deutlich gesunken, der Ausblick
für die Konjunktur ist dennoch verhalten. Für die Bauproduktion wird
für 2012 ein weiterer Rückgang um 0,3% erwartet. Für Österreich wird
ein mäßiges Wachstum der Bauwirtschaft von 0,7% prognostiziert. Das
Wifo sieht eine Reduktion der Baubewilligungen von 1% auf rund 42.700
Einheiten gegenüber 2011. Für 2013 droht ein weiterer Rückgang um 3%
auf 41.400 Einheiten. Für die rückläufige Entwicklung im Tiefbau
waren laut Statistik Austria der Einbruch im Tunnelbau mit minus 25%,
Bahnverkehrsstrecken mit minus 16% sowie Straßen mit minus 5,2%
verantwortlich. Im Vergleich zur gesamten Wirtschaft wird das
Bauwesen in Österreich noch bis 2013 nachhinken
Weltweit spielt die Zementproduktion innerhalb der
Baustoffindustrie eine wichtige Rolle und wuchs gegenüber 2010 um
5,6%. Die EU-27 Mitgliedsstaaten haben am globalen Markt einen Anteil
von sechs Prozent. Während einige Staaten rezessionsbedingt an einem
Rückgang leiden, zeigt sich unter den EU-27 ein durchschnittliches
Wachstum von 2,3% auf 195,3 Millionen Tonnen.
Österreichs internationale Vorreiterrolle im Umweltschutz
Ab dem Jahr 2012 - so besagt die freiwillige Verpflichtung der
Zementindustrie gegenüber dem Lebens- und Wirtschaftsministerium -
werden die NOx-Emissionen mit 395 Milligramm pro Normkubikmeter
(mg/Nm3) unter den gesetzlichen Wert von 500 mg/Nm3 gesenkt. Um
diesen Wert erreichen zu können wurde das Forschungsprojekt
"Selektive katalytische Reduktion", kurz SCR genannt, ins Leben
gerufen. "Bereits 2011 konnten wir 389 mg/Nm3 erreichen und damit
unseren freiwilligen Zielwert unterschreiten", resümiert Zrost. Die
Zementwerke Wopfing und Kirchdorf hatten bis Ende 2011 dazu
Pilotanlagen installiert. Mit Evaluierung der Ergebnisse geht derzeit
im Lafarge-Werk Mannersdorf eine großtechnische SCR-Anlage in
Betrieb, die international eine Vorreiterrolle einnehmen wird. Allein
2011 wurden 22,9 Millionen Euro in Umweltschutzmaßnahmen investiert.
Zrost verweist auf die Erhöhung des Anteils der alternativen Brenn-
und Rohstoffe um jeweils 4 bzw. 3,8% zur Herstellung des Klinkers.
"Gerade die Erhöhung an Sekundärstoffen ist ein wichtiger Faktor zur
Ressourcenschonung." Die Erhöhung der Ressourceneffizienz führte zur
Reduktion der spezifischen CO2-Emissionen um 2,9%. Weitere
Umweltschutzmaßnahmen führten 2011 zur Senkung der staubförmigen
Emissionen um 24,8 Prozent, der Stickstoffoxide um 2,3% sowie der
Schwefeldioxide um 22,2% gegenüber dem Jahr 2010 .
Entwurf zum Energieeffizienzgesetz: Keine Einsparung, mehr
Kosten, mehr Bürokratie
Kürzlich hat das Wirtschaftsministerium ein
Bundesenergieeffizienz-gesetz vorgeschlagen, obwohl eine
entsprechende EU-Richtlinie gerade in Vorbereitung ist. Der
Gesetzesentwurf sieht eine neu zu schaffende nationale
Monitoringstelle für Energieeffizienzmaßnahmen, ein neues
Zertifikatesystem und eine Abwicklungsstelle für die Verwaltung von
Fördermitteln vor. "Natürlich sollen wirtschaftlich sinnvolle
Einsparungspotenziale im Rahmen von Audits oder
Energiemanagementsystemen aufgezeigt werden. Aber Unternehmen zu
Investitionen zu verpflichten, ohne auf deren individuelle Situation
einzugehen, ist ein absolut unzulässiger, planwirtschaftlicher
Eingriff in die unternehmerische Freiheit. Es ist auch
unverständlich, warum die Regierung nicht die EU-Richtlinie abwartet
die gerade in Vorbereitung ist", äußert Zrost kritisch. Weiters ist
die Einhebung eines sogenannten Energieeffizienzförderbeitrages von
allen Endverbrauchern für alle Energieträger geplant.
Spektakuläre Immobilienprojekte
Mit dem Einsatz von Beton als Energiespeicher wird ein angenehmes
Raumklima geschaffen. Dies wird durch das Heizen und Kühlen über
thermisch aktivierte Betonbauteile sanft und besonders energiesparend
erreicht. In Bauteile eines Gebäudes wie Decken oder Wände wird ein
Leitungssystem eingebaut, durch welches je nach Jahreszeit warmes
oder kühles Wasser geleitet wird. Mit dieser Temperierung wird die
Decke bzw. Wand zur Flächenheizung oder -kühlung. Heimwerker- und
Supermärkte setzen beim Neubau von Handelsstandorten auf Beton als
Energiespeicher. Andere spektakuläre Immobilienprojekte sind das
Zentraldepot des Kunsthistorischen Museums in Himberg (NÖ), der neue
Zuckersilo in Tulln (NÖ), der Unipark Nonntal (S) und die
Landwirtschaftliche Fachschule in Bruck an der Glocknerstraße (S).
Ressourcen- und energieeffiziente Einfamilienhäuser
"Die thermische Bauteilaktivierung des Energiespeicher Beton wird
bereits in wenigen Jahren zum Stand der Technik gehören und damit
einen eindrucksvollen Beitrag zur Energieeffizienz leisten", ist DI
Felix Friembichler, Geschäftsführer der Vereinigung der
Österreichischen Zementindustrie, überzeugt. Ein Beispiel für den
Einsatz von Beton als Energiespeicher im privaten Hausbau ist das im
November 2011 fertiggestellte "Haus T" der ArchitektInnen Maria
Flöckner und Hermann Schnöll in der Gemeinde Hallwang.
Investment für Know-how in Österreich
Mit dem Bau des ersten bauteilaktivierten Simulationsraumes an der
Bauakademie Salzburg wurde ein weiteres großes Investment zur Nutzung
des Energiespeichers Beton für neue Baukonzepte getätigt. Begleitend
dazu wurden erfolgreich die ersten Schritte der Lehrlings- und
Lehrerausbildung gesetzt. Eine perfekte Abstimmung und eine
Zusammenarbeit der Gewerke ist Vorrausetzung für eine erfolgreiche
Umsetzung dieser neuen Technologie. Zrost: "Wissenschaft wird
zunehmend aus Europa ausgelagert, europäische Entwicklungen in Asien
produziert. Wir gehen daher bewusst diesen Weg, um das Know-how in
Österreich zu implementieren. Die Qualifikation von Mitarbeitern
entscheidet den Qualitätslevel eines Unternehmens und dieser über den
Standort in Österreich."
Das Gesamtprojekt wird wissenschaftlich bei der Errichtung und
Validierung von Gebäuden begleitet. Als Projektpartner konnten die
Fachhochschule Technikum-Wien, das AIT (Austrian Institute of
Technology) und die Fachhochschule Pinkafeld gewonnen werden. Alle
raumbildenden Teile des Simulationsraums sind bauteilaktiviert, jede
einzelne Fläche wie Boden, Decke oder Wand kann individuell gesteuert
werden um unterschiedlichste Varianten der thermischen
Bewirtschaftung zu simulieren.
Morphologi forscht für neue Zemente
Klinkerarme Zemente eignen sich für die meisten Anwendungsgebiete
und weisen eine wesentlich bessere Ökobilanz auf. Je geringer der
Klinkeranteil, desto geringer ist der CO2-Ausstoß und die
Inanspruchnahme von natürlichen Ressourcen. Konnte mit dem
Flow-Particle-Analyser im Rahmen des Forschungsprojektes eine
CO2-Ersparnis von über zehn Prozent erreicht werden, so hat die
österreichische Zementindustrie für die nächste Forschungsphase ein
Analysegerät zur Feinteilcharakterisierung der Korngrößen und
-eigenschaften gekauft. Das Morphologi genannte Gerät liefert Bilder
in Mikroskopqualität und statistisch signifikante Daten durch die
Analyse mit wenig bzw. ohne Intervention des Anwenders. "Von diesem
hochauflösenden Mikroskop sind weltweit insgesamt nur zwei Exemplare
im Einsatz. Das verleiht unseren intensiven Forschungen weiterhin
größtes Potential", erklärt Friembichler.
Sicherheit im Tunnel
Die Griffigkeit der Fahrbahndecke im Tunnel sowie die Funktion der
Innenschale in Bezug auf Helligkeit und Energiekosten stellen einen
wichtigen Beitrag des Forschungsinstitutes zur Sicherheit,
Verfügbarkeit und somit nachhaltigen Entwicklung der
Verkehrsinfrastruktur dar. Ein bisher ungeklärtes Phänomen stellt die
unterschiedliche Fahrbahngriffigkeit zwischen Tunnel- und
Freilandstrecke dar, so dass dazu ein umfangreiches Forschungsprojekt
initiiert wurde. Friembichler: "Wir haben auf den Fahrbahnen der
Tunnelbereiche eine deutlich erhöhte Konzentration langkettiger
Kohlenstoffverbindungen festgestellt, die auf den Freilandstrecken
durch die natürliche UV-Strahlung zerstört werden, auf den
Tunnelstrecken aber nicht. Die Forschungsergebnisse liefern eine
völlig neue Grundlage zur Verbesserung und Erhöhung der Griffigkeit
in Tunneln."
Neues vom Beton-Straßenbau
Großes wirtschaftliches Potential, sowohl für die Landwirtschaft
als auch für die Investoren von Infrastrukturbauten, hat die
Entwicklung und Herausgabe eines Regelwerks für Spurwege aus Beton.
Richtig hergestellte Spurwege weisen auch bei intensiver Belastung,
selbst nach 35 Jahren, keinerlei Verschleißspuren auf. Auf
europäischer Ebene wurden unter Mitwirkung des Forschungsinstituts
mehrere Studien zum Treibstoffverbrauch von Schwerfahrzeugen auf
Betonfahrbahnen zusammengefasst. Das Ergebnis zeigt beim LKW-Verkehr
Einsparungen von bis zu sechs Prozent gegenüber Fahrbahnen mit
bituminösen Bindemitteln. Auch zur Sanierung in die Jahre gekommener
Fahrbahnen weiß Friembichler Erfreuliches zu berichten.
Unterrichtsmaterialien
Die Vereinigung der Zementindustrie gestaltet seit langem Arbeits-
und Lehrunterlagen für Schulen unterschiedlicher Schulstufen und
Universitäten, für Weiterbildung oder als Nachschlagewerk für Planer
und Ausführende. Die Unterrichtsmaterialien werden zum Teil auch als
Schulbuch geführt und sind dann auch im Buchhandel erhältlich.
Infos unter: www.zement.at
Rückfragehinweis:
Pressestelle der Österreichischen Zementindustrie
Andrea Baidinger
andrea.baidinger bauen wohnen immobilien Kommunikationsberatung GmbH
Tel +43 1 904 21 55-0
[email protected]
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