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Wiener Zeitung: Leitartikel von Reinhard Göweil: "Über Gebühr strapaziert..."

Ausgabe vom 10. Mai 2012

Wien (OTS) - Die Technische Universität Wien führt keine
Studiengebühren ein, jene in Graz schon. Die Universität Wien führt
welche ein, stundet aber bis zur höchstgerichtlichen Klärung der
Frage ihrer Zulässigkeit. Langzeit-Studierende und solche aus
Nicht-EU-Ländern sollen welche bezahlen, die anderen nicht -
vielleicht. Es hat schon einmal klügere Vorgangsweisen gegeben, und
die Verantwortung dafür trägt die Politik.

Das Bildungsvolksbegehren lässt grüßen, denn auch bei den höheren
Schulen gibt es Debatten. Die Bildungsministerin will in die Neue
Mittelschule investieren, nicht in die Gymnasien: Die Volkspartei
wettert dagegen.

Rund um das Bildungs-Volksbegehren wurde mehrfach gemahnt, das Thema
Bildung aus der Partei-Debatte herauszulösen, und einen nationalen
Konsens zu erreichen. Der öffentliche Druck darob wurde so stark,
dass es eine Zeit lang aussah, als ob die beiden Koalitionsparteien
(vor allem die bremsende Volkspartei) Zukunft über Zank stellen
würden.

Nun hat der öffentliche Druck nachgelassen, und schwuppdiwupps fallen
die politischen Parteien ins alte Fahrwasser zurück. Eine gemeinsame
Schule für die bis 14-Jährigen verblasst in der politischen
Wahrnehmung zusehends.

Der Streit um die Studiengebühren hat dazu geführt, dass im
Wesentlichen jede Universität entscheiden kann, wie sie will. Das
wird natürlich auch Auswirkungen auf den Zustrom zu den jeweiligen
Unis haben, den allerdings keiner geplant hat.

Welchen Sinn das haben soll, erschließt sich dem Betrachter nicht,
und es gibt auch keinen. Die Regierung sollte sich - wie beim
Stabilitätspakt und dem Konsolidierungsmaßnahmen bis 2016 -
schleunigst hinsetzen und eine bundesweite Lösung finden.

Immerhin bekommen die öffentlich finanzierten Universitäten
zusätzliches Geld aus dem Budget. Wenn sie Studiengebühren einheben
wollen, dann sollten sie eigentlich die Verantwortung für das gesamte
Budget übernehmen - ein bisserl schwanger geht ja auch nicht.

Davor scheuen die durchwegs Gebühr-affinen Rektoren der Unis aber
zurück, zu bequem ist das derzeitige System. Ob sich begabte junge
Menschen, deren Elternhaus finanziell nicht helfen kann, dann noch
einen Hochabschlussabschluss leisten können, ist den
Universitäts-Gremien dagegen kaum eine Diskussion wert.

www.wienerzeitung.at/leitartikel

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Wiener Zeitung
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Tel.: +43 1 206 99-474
mailto:[email protected]
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