- 08.05.2012, 10:08:01
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Huainigg: Herr Bürgermeister, stellen Sie die Julius-Tandler-Medaille der Stadt Wien ein!
Sozialpreis kann nicht den Namen eines Vernichtungsideologen tragen
Wien (OTS/ÖVP-PK) - "Es ist gut und wichtig, dass die Stadt Wien
soziales Engagement mit einem Preis würdigt. Aber es ist eine
gewaltige Ohrfeige für sozial engagierte Personen, wenn sie eine
Medaille bekommen, dessen Namensträger für die Vernichtung von
unwertem, behindertem Leben eingetreten ist", meint der ÖVP-Sprecher
für Menschen mit Behinderung, Abg. Dr. Franz-Joseph Huainigg,
angesichts der Tatsache, dass die Stadt Wien seit 1960 die
Professor-Dr.-Julius-Tandler-Medaille regelmäßig vergibt. Die Ehrung
wird an Personen verliehen, die sich auf sozialem Gebiet Verdienste
erworben haben, oder - wie es in der Umschrift der Medaille heißt -
"für Verdienste um die Menschlichkeit". Und das trifft auf Julius
Tandler trotz seiner Verdienste um die Jugendwohlfahrt am wenigsten
zu.
Huainigg erinnert an die menschenverachtenden Theorien des ehemaligen
sozialdemokratischen Stadtrates und Unterstaatssekretärs für
Volksgesundheit. Tandler vertrat in Aufsätzen und Vorträgen mehrfach
die Forderung nach der Vernichtung bzw. Sterilisierung von "unwertem
Leben" und war damit ideologischer Wegbereiter der
NS-Massenvernichtung an "lebensunwertem Leben" auf Schloss Hartheim
in Oberösterreich. In einer Rede vom Februar 1923 und in einem in der
Wiener Medizinischen Wochenschau vom 19. Jänner 1924 abgedruckten
Vortrag stellte er etwa die Forderung nach der "Vernichtung
lebensunwerten Lebens". Überdies war er ein Theoretiker der
"Aufzuchtsoptimierung" als Hauptpunkt sozialer Bevölkerungspolitik.
Umgesetzt wurden seine Ideen mitunter in der nationalsozialistischen
Euthanasiestation Hartheim.
"Es ist unerträglich, sollte dieser blinde Fleck der Geschichte
weiterhin weggeleugnet werden", meint Huainigg angesichts der
Schilderungen in der parlamentarischen Gedenksitzung vergangenen
Freitag. 30.000 behinderte Menschen wurden auf Schloss Hartheim
aufgrund ihrer Behinderung ermordet, 800 behinderte Kinder wurden
weiters am Wiener Spiegelgrund gequält und danach umgebracht. Daher
fordert Huainigg, die bereits bestehende Historikerkommission zur
wissenschaftlichen Überprüfung sämtlicher personenbezogener
Straßenbezeichnungen in Wien möge sich dringend mit der Person Julius
Tandler auseinandersetzen. "Es besteht dringender politischer
Handlungsbedarf", mahnt der Abgeordnete und fordert abschließend:
"Herr Bürgermeister Häupl, machen Sie den Julius-Tandler-Platz zu
einer Mahn- und Gedenkstätte und setzen Sie die Vergabe der
Julius-Tandler-Medaille bis zu Klärung aus!"
(Schluss)
Rückfragehinweis:
Pressestelle des ÖVP-Parlamentsklubs
Tel.: 01/40110/4436
http://www.oevpklub.at
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