• 03.05.2012, 13:36:56
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MEMOBIL - die Innovation für Alten- und Pflegeheime

Erstes Kommunikations- und Erinnerungsmöbel für Menschen mit Demenz

Wien (OTS) - Das MEMOBIL, ein in Österreich entwickeltes
innovatives Kommunikations- und Erinnerungsmöbel, bietet neue
Möglichkeiten der Kontaktaufnahme mit von Demenz betroffenen
Menschen. Bei Vorliegen einer Demenz kommt es zum Abbau und Verlust
kognitiver, emotionaler und sozialer Fähigkeiten. Das Vermögen und
die Bereitschaft zur Kontaktaufnahme sind stark eingeschränkt,
Kommunikation funktioniert oft nur schwer oder wird unmöglich. Es
entstehen immer wieder für beide Seiten belastende Situationen der
Sprach- und Ratlosigkeit. Anreize und Werkzeuge für eine gelungene
Interaktion fehlen. Diese Lücke wird nun durch das MEMOBIL
geschlossen, dessen Prototyp von einem heimischen, interdisziplinären
Expertenteam aus Gesundheitswesen und Design entworfen und realisiert
wurde.

Das MEMOBIL ist ein Erinnerungs- und Kommunikationsmöbel für
Menschen mit Demenz und deren Umfeld in Pflegeheimen. Es besteht aus
einer Basis, in die ein Tisch- und ein Couchelement integriert sind
und einer Vielzahl von Aufbewahrungselementen wie Schubladen, Klappen
oder Kästchen. Ausgestattet ist das Möbel mit verschiedensten
Materialien, die zum Erinnern anregen und Gespräche fördern, wie
beispielsweise ein Nähkästchen samt Inhalt oder eine eigens
produzierte Illustrierte, in der Highlights aus mehreren Jahrzehnten
zusammengefasst sind. Damit unterstützt es Kontaktaufnahme und
Kommunikation und hilft, Erinnerungen des Langzeitgedächtnisses
aufzurufen und so Gemeinsamkeit zu erzeugen und entspannte Momente zu
schaffen.

Persönliche Betroffenheit als Motor

Impulsgeber zur Entwicklung des MEMOBIL war das persönliche
Erleben der Hilflosigkeit als Angehörige von Menschen mit Demenz und
die Erkenntnis, dass es keine adäquaten Werkzeuge gibt, um die
Kontaktaufnahme mit ihnen zu erleichtern. Mag.a Alexandra Feichtner
von section.a, einem Kunst und Design Consulting Unternehmen aus
Wien, ist Projektleiterin bei MEMOBIL: "Im Zentrum unserer Idee steht
der Anspruch, die Begegnung zwischen Menschen mit Demenz und all
jenen, die beruflich oder privat mit ihnen Zeit verbringen,
freudvoller zu gestalten", und Prof.in Lotte Tobisch-Labotyn,
Ehrenmitglied der österreichischen Alzheimer Gesellschaft ergänzt:
"Mit dem MEMOBIL steht nun eine Hilfe für Kontaktaufnahme und
Kommunikation zur Verfügung, die auf einem wertschätzenden und
respektvollen Umgang mit Menschen, die an einer Demenz leiden,
basiert. Und alles, was man tut, um den Betroffenen das Leben zu
erleichtern, hilft letztlich auch den Angehörigen."

Wertschätzung und Respekt statt Defizitorientierung

Durch eine Demenz werden zwar kognitive Fähigkeiten stark
beeinträchtigt, aber das Langzeitgedächtnis bleibt oft relativ
intakt. Daher sind Biographie- und Erinnerungsarbeit Methoden, die
heute in der Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz breite
Anwendung finden. Auch das MEMOBIL verfolgt diesen Ansatz. Es gibt
viele Hilfsmittel zur Unterstützung von Erinnerungsarbeit, aber die
meisten davon orientieren sich an den Defiziten der Betroffenen. So
sind Dinge beispielsweise größer als normal, damit sie von den meist
älteren Menschen besser gesehen und in die Hand genommen werden
können. Mit dem MEMOBIL wurde bewusst ein anderer Weg eingeschlagen.
Die Erinnerungsarbeit wurde in verschiedene Themengebiete zerlegt und
für diese Gebiete wurden exemplarisch Gegenstände herausgearbeitet,
wie etwa eine alte Schultasche aus Leder für das Themengebiet Schule.
Barbara Schwarzmann, Pflegedienstleiterin im CS Pflege- und
Sozialzentrum Rennweg erklärt: "Wir haben zu vielen bekannten
Materialien neue Zugänge gewählt. Sie wurden sorgfältig aus dem
realen Leben der BewohnerInnen ausgewählt und stellen keine
Spielzeugvariante eines Alltagsgegenstandes dar. Die Betroffenen
werden mit ihrer Lebensgeschichte wahr- und ernstgenommen. Es geht
darum, sie in ihrer Welt zu akzeptieren, damit leben zu lernen, sich
darauf einzulassen. Nicht darum, ständig zu versuchen sie in die
"normale" Welt zu holen. Das entspricht dem Ansatz der Validation,
einem der wichtigsten Kommunikationsprinzipien im Umgang mit dementen
Menschen."

Wissenschaftliche Fundierung

Das MEMOBIL folgt in seiner Funktion den Erkenntnissen aus der
Demenzforschung, und stellt die Kompetenz und das Wissen der
Betroffenen in den Mittelpunkt und nicht die Defizite. Prim. Dr.
Georg Psota, Chefarzt, Psychiater und Neurologe erklärt die Vorteile
dieses Ansatzes: "Wir brauchen neue Zugänge zur Begleitung
Demenzkranker. Gerade deshalb gefällt mir das MEMOBIL so gut, weil es
einen wirklich neuen Zugang eröffnet, mit dem bei Demenzkranken etwas
angestoßen wird, das noch durchaus vorhandene
Erinnerungsmöglichkeiten nutzt. Für Demenzkranke, die häufig ältere
Menschen sind, sind Angebote, die an das eigene Leben erinnern, sehr
wichtig und genau diese Angebote macht das MEMOBIL. Damit wird auf
vorhandenen Möglichkeiten der Demenzkranken aufgebaut. Das ist ein
ungleich besserer Zugang als sich an Defiziten zu orientieren."

Starkes Design

Das MEMOBIL wurde gemeinsam von section.a und dem Architektur- und
Designbüro gaupenraub in enger Zusammenarbeit mit ExpertInnen aus dem
angewandten Pflegebereich und dem Institut für Pflegewissenschaften
der MedUni Wien entwickelt. Das Design ist dabei ein Schlüsselaspekt,
wie Mag. Alexander Hagner, Architekt und Geschäftsführer von
gaupenraub erläutert: "Der Anspruch an das Design des MEMOBIL ist,
dass es nicht nur die Betroffenen anspricht, sondern auch das
Interesse der Angehörigen weckt, sich mit dem Möbel und seinen
Angeboten gemeinsam mit den Betroffenen auseinanderzusetzen." Auch
die Ähnlichkeit des MEMOBIL mit alten Küchenkredenzen ist kein
Zufall, sondern das Ergebnis analytischer Betrachtung. Hagner:
"Kommunikation innerhalb der Familie findet heute wie damals oft in
der Küche bzw. am Küchentisch statt. Daher wurde bei der Entwicklung
des Designs sehr stark Bezug auf Küchenmöbel genommen. Dieses, für
sehr viele Menschen unterschiedlichster Generationen, vertraute Bild,
löst sowohl bei Betroffenen als auch bei Angehörigen und Betreuenden
Erinnerungen und Assoziationen aus und erfüllt damit seine
eigentliche Funktion: Kommunikation von Angehörigen und pflegenden
Personen mit demenzkranken Menschen zu initiieren und unterstützen."

Interdisziplinarität als Erfolgsrezept

Der Prototyp des MEMOBIL wurde mit einer Förderung von der
Wirtschaftsförderungsstelle für Unternehmen der Creative Industries,
departure - Die Kreativagentur der Stadt Wien, finanziert. Mag.a
Bettina Leidl, Geschäftsführerin von departure zum Projekt MEMOBIL:
"Uns überzeugte der Ansatz, die im Projekt vorhandene starke
Designkompetenz mit dem Know-how von Expertinnen und Experten aus dem
Gesundheitswesen zu verbinden. Gerade im Gesundheitsbereich gibt es
ein breites Betätigungsfeld für ganzheitliche Modelle zwischen
Kreativwirtschaft, Wirtschaft und Forschung. MEMOBIL ist ein
erfolgreiches Beispiel für diese Interdisziplinarität, die Innovation
ermöglicht und neue Perspektiven eröffnet."

Alle Unterlagen inkl. Bildmaterial zur heutigen Präsentation
stehen für Sie zum download bereit unter:
http://www.publichealth.at/p-61813.html

Rückfragehinweis:
Public Health PR
Thomas Braunstorfer
Tel.: 0699/19258677
Mail: [email protected]

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