• 02.05.2012, 18:15:31
  • /
  • OTS0251 OTW0251

WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Nein zu Drachme zeigt Wert des Rettungsschirms - Hans Weitmayr

Vielleicht polemisch, aber wahr: Europa hält eine Drachme nach wie vor nicht aus

Wien (OTS) - Die Rückkehr zu einzelstaatlichen Währungen bietet im
Rahmen der nationalen und regionalen Wahlkämpfe in Griechenland und
Italien vor allem einer Politikergruppe einen gewaltigen Spielplatz:
den Populisten. Schade am Populismus ist, dass man, so man zu seinen
Anwendern gehört, schnell ins Schmuddeleck gestellt wird. Schön am
Populismus ist, dass er Spaß machen kann. Im Rahmen dieser Zeilen
wollen wir diesmal genau das ein wenig haben: Spaß. Deshalb also hier
die Frage: Warum sollte Griechenland eigentlich nicht zur Drachme
zurückkehren? Ausgeblendet seien alle Gegenargumente wie schwache
Exportkraft, Enteignung der Sparer etc. Warum? Weil Populisten das
dürfen. Stattdessen wollen wir uns dem Hauptargument der
Austrittsgegner widmen: den Kontaminierungseffekten. Träte
Griechenland aus, zöge das demnach schwer kalkulierbare
Ansteckungsrisiken nach sich, die Spekulanten würden das als Signal
zum Angriff auf die anderen Peripherieländer verstehen. Denn der
Schritt zur Drachme würde zwingend eine Staatspleite des Landes nach
sich ziehen.

Dass diese Argumentationslinie offiziell bislang noch nicht revidiert
wurde, verblüfft einigermaßen. Denn seit einigen Wochen verfügt die
Eurozone doch über den Eine-Billion-$-Schild, der laut offizieller
Diktion mächtig genug ist, um die Eurozone endgültig gegen jedwede
Spekulation zu schützen. Dazu kommen die Milliarden des IWF. Nimmt
man die Aussagen der EU-Spitzen ernst, dürfe es in der Eurozone also
keine Kontaminierungsrisiken mehr geben. Wenn das stimmt, bliebe die
Drachme im Fall der Fälle ein isoliertes und somit kontrollierbares
Problem - also das Gegenteil dessen, was an der EU-Spitze behauptet
wird. Nachdem die Aussagen "Der Rettungsschirm hält" und "Die Drachme
gefährdet Europa" nicht zusammenpassen, wird bei einem der beiden
Sätze geflunkert. Wir alle wissen: Es handelt sich hierbei um Satz
eins. Offensichtlich halten die kombinierten Rettungsschirme einen
italienischen oder spanischen Marktkollaps nicht aus, offensichtlich
bleibt deshalb also auch die Angst vor einer Pleite Griechenlands zu
Recht bestehen.

Es wird also weiter polemisiert statt diskutiert werden. Was wiederum
im Interesse aller Beteiligten liegt. Die Populisten werden billig
auf Wahlfang gehen und die Barrosos dieser Welt werden die
Drachme-Befürworter weiter der Desinformiertheit zeihen. Warum auch
die verantwortlichen Politiker auf dieser Ebene agieren? Weil sie in
einer sachlichen Diskussion zugeben müssten: Europa hält eine Drachme
nicht aus.

Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PWB

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel