- 02.05.2012, 11:22:16
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Die Welt braucht Hebammen, heute mehr denn je!
Unter diesem Motto machen Österreichs Hebammen am 5. Mai, dem internationalen Hebammentag, auf Versorgungsdefizite aufmerksam.
Maria Enzersdorf (OTS) - In Österreich arbeiten rund 1.900
Hebammen, im Krankenhaus und in der freien Praxis. Sie sehen es als
ihre Aufgabe, einen würdevollen Start ins Leben zu ermöglichen. "Die
Frauen sollen das Freudige, das Einzigartige an diesem besonderen
Lebensabschnitt auskosten dürfen, und sich nicht wegen aller
möglichen Risiken verunsichern lassen", betont Petra Welskop,
Präsidentin des Österreichischen Hebammengremiums, "Ständig steigende
Kaiserschnittraten und eine immer intensivere Pränataldiagnostik
bringen uns diesem Ziel nicht näher."
Österreichs Hebammen nutzen den Hebammentag am 5. Mai heuer, um
auf die Defizite in der Versorgung von Frauen in Österreich während
der Schwangerschaft, der Geburt und in der ersten Zeit mit dem Baby
hinzuweisen. In Wien wird das Österreichische Hebammengremium auf der
BabyExpo in der Wiener Stadthalle (4. bis 6. Mai) vertreten sein.
Interessierte können dort alle relevanten Informationen bekommen, mit
Hebammen sprechen usw.
Prekäre Situation im Wochenbett
"Die Frauen werden immer früher nach der Geburt aus dem
Krankenhaus entlassen. War es bei unseren Müttern noch der fünfte
oder sechste Tag, so ist es heute der dritte oder vierte Tag. Das
Krankenhaus schickt eine Frau nach Kaiserschnitt mit ihren
neugeborenen Zwillingen am fünften Tag nach der Entbindung nach Hause
und dort ist sie mit all ihren Fragen und den auftretenden Problemen
allein.", berichtet die Wiener Hebamme Johanna Sengschmid. Die Frau
hätte Anspruch auf Hebammen-Hausbesuche, aber allzu oft weiß sie das
nicht. Außerdem gibt es z.B. in Wien viel zu wenige Hebammen mit
Kassenvertrag, und nicht alle Frauen sind in der Lage, sich eine
Wahlhebamme leisten zu können.
Sengschmid: "Ich meine, die Krankenkassen müssen hier schnell
reagieren. Wir brauchen in Wien mehr Kassenverträge, um die Frauen in
der ersten Zeit nach der Geburt besser betreuen und begleiten zu
können. Es geht um die Sicherheit, dass alles gut läuft, um
Unterstützung bei der Babypflege, beim Stillen und darum, für Fragen
und bei Problemen rasch eine kompetente Ansprechpartnerin zu haben."
Die Situation sei aber nicht nur für die Frauen prekär, sondern auch
für die Kassenhebammen. "35 Euro brutto für einen Hausbesuch, das ist
einfach zu wenig. Wir Hebammen stehen ja für eine hohe Qualität in
der Betreuung der Frau und des Neugeborenen und tragen große
Verantwortung."
Im europäischen Vergleich steht die Wochenbett-Situation in
Österreich nicht gut da. In der Schweiz nimmt z.B. jede zweite Frau
die Wochenbettbetreuung durch eine Hebamme in Anspruch . Auch in
Deutschland ist Hebammenbetreuung nach der Geburt zu Hause für sehr
viele Frauen eine Selbstverständlichkeit. Für Österreich gibt es dazu
keine verlässlichen Zahlen, die Hebammen erleben jedoch in ihrer
täglichen Praxis, dass der Zugang zur Wochenbettbetreuung in
Österreich z.B. durch die Krankenkassen viel stärker eingeschränkt
wird als in der Schweiz und in Deutschland und dass die meisten
Frauen von dieser Möglichkeit nicht einmal wissen. Für Wien geht
Hebamme Sengschmid von "vielleicht fünf Prozent der Frauen aus", die
die Hebamme zur Nachbetreuung zu sich nach Hause holen.
Hebammen in den Mutter-Kind-Pass
"Hebammen sehen Schwangerschaft und Geburt als Teil der Biografie,
nicht als Risikofall.", sagt Petra Welskop und fügt hinzu: "Leider
ist heute die ständige Suche nach "Fehlern", nach Problemen sehr
stark im Vordergrund, und das verunsichert viele Frauen."
Österreichs Hebammen fordern, in die
Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen miteinbezogen zu werden, ähnlich wie
es z.B. in Deutschland, Schweden oder Holland bereits praktiziert
wird. Die Hebamme hat in diesen Ländern eine ganz zentrale Rolle in
der Schwangerenvorsorge. Sobald feststeht, dass es sich um eine
gesunde, normal verlaufende Schwangerschaft handelt, erfolgt die
Betreuung durch die Hebamme. Das ist genau so sicher, führt zu
größerer Zufriedenheit der werdenden Mütter und zu weniger
Komplikationen während der Geburt. Außerdem ist dieses Modell
effizienter und kostengünstiger.
Einer Studie des Ludwig-Boltzmann-Instituts zufolge ist
Österreich das einzige von 15 untersuchten EU-Ländern, das Hebammen
nicht in die Schwangerenvorsorge einbezieht. Welskop: "Wenn in
Österreich eine Frau sich entscheiden möchte, Untersuchungen im
Mutter-Kind-Pass, die in den Kompetenzbereich der Hebamme fallen,
auch tatsächlich mit ihrer Hebamme zu machen, dann muss sie eine
Reduzierung des Kinderbetreuungsgeldes in Kauf nehmen. Sie muss auch
diese Untersuchungen von einem Arzt machen lassen." Diese Situation
wollen Österreichs Hebammen ändern, und sie weisen darauf hin, dass
Hebammenarbeit den Frauen die nötige Sicherheit im Umgang mit der
neuen Lebenssituation und mit eventuell auftretenden Problemen gibt,
und zwar zu einem sehr frühen Zeitpunkt. Das beugt größeren Problemen
vor, macht diese wichtige Lebensphase für alle Beteiligten freudiger
und hilft nicht zuletzt auch Gesundheitskosten sparen.
Quellen:
Medienmitteilung des Schweizerischen Hebammenverbandes SHV, Mai 2011,
www.hebamme.ch
Mutter-Kind-Pass, Ein internationaler Vergleich zu den Untersuchungen
an schwangeren Frauen, Ludwig Boltzmann Institut, Decision Support
Document Nr. 33, Wien, Mai 2009
Österreichisches Hebammengremium
www.hebammen.at
Präsidentin: Petra Welskop
Tel.: 0512 260135 18
Mobil: 0650 6334751
E-Mail: [email protected]
Rückfragehinweis:
Xtratour Communication
Mag. Elli Schlintl
Tel.: 02236-29924, Mobil: 0699-15050700
mailto:[email protected]
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