OTS0181   30. Apr. 2012, 17:00

"KURIER"-Kommentar von Daniela Kittner: "Schande Europas"

Der 1.Mai sollte ein Tag des Aufschreis über die Jugendarbeitslosigkeit sein.


Man versetze sich in die Lage eines Jugendlichen:
Er/sie arbeitet sich durch die Schule, vielleicht bis zur Matura;
er/sie absolviert eine Berufsausbildung oder kämpft sich unter
widrigen Umständen durch ein Studium. Und dann, wenn es endlich so
weit ist, selbstständig ins Leben zu treten, hallt es aus der
Gesellschaft zurück: Wir brauchen dich nicht.
Es ist eine Schande, wie viele Jugendliche in Europa diese
traurige Erfahrung machen müssen: Jeder Zweite in Spanien und
Griechenland, jeder Dritte in Italien und Portugal, jeder Vierte in
Frankreich, jeder Fünfte EU-weit und immerhin noch fast jeder Zehnte
in Österreich. Ohne Job keine eigene Wohnung, keine
Familiengründung, kein selbstbestimmtes Leben. Keine Anerkennung in
einer Gesellschaft, die ihre Mitglieder in hohem Maß über Leistung
beurteilt.
Viele Jugendliche sind bewusste Europäer, sie kennen nichts
anderes als die EU und den Euro. Aber Europa rechtfertigt das
Vertrauen seiner Jugend derzeit nicht. Dem Kampf gegen
Jugendarbeitslosigkeit müsste alles untergeordnet werden - wenn schon
nicht aus Empathie, dann wenigstens aus Selbstschutz: Eine Jugend
ohne Arbeit ist das Ende des europäischen Wohlfahrtsmodells.

OTS-Originaltext Presseaussendung unter ausschließlicher inhaltlicher Verantwortung des Aussenders.
OTS0181 2012-04-30 17:00 301700 Apr 12 PKU0004 0202




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