- 28.04.2012, 09:15:41
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H.P. Martin zu EU-AKW-Stresstests: Länderberichte legen schwere Mängel offen
Brüssel (OTS) - So unzureichend die neuen AKW-Stresstest-Berichte
sind, so legen sie doch Erschreckendes offen - insbesondere in
Bulgarien, Belgien und Tschechien / EU-Kommission soll europaweites
AKW-Ausstiegsprogramm erarbeiten
Neben dem 53 Seiten starken Überblicksbericht zu den
AKW-Stresstests der EU-Kommission, der am vergangenen Donnerstag
bekannt wurde und keine Bewertungen zu einzelnen AKW enthält, haben
die Experten des "Stress Test Peer Review Board" auch 17
Länderberichte erstellt.
Dieses Gremium besteht aus 80 Fachleuten, die im Wesentlichen von
den nationalen Regulierungsbehörden für den Stresstest nominiert
wurden. Acht davon waren jeweils vor Ort, in keinem Land durfte ein
Einheimischer dabei sein.
Der unabhängige EU-Abgeordnete Hans-Peter Martin aus Österreich
hat diese Länderberichte nun ausgewertet und stieß dabei auf
Erschreckendes, obwohl die Experten Risiken wie Flugzeugabstürze und
Cyber- oder Terrorangriffe gar nicht untersucht hatten.
Martin: "Beim seit langem schon umstrittenen bulgarischen AKW
Kozloduy ist die Lage noch dramatischer als bislang bekannt.
So halten die Experten, von denen nur die wenigsten als
atomkritisch gelten, Brandmelder und Feuerbekämpfungsmaßnahmen bei
der Lagerung von Brennstäben für ungeeignet (Seite 6 des
Länderberichts).
Weiters können in Kozloduy ein Stromausfall und ein Verlust der
Kühlung nicht ausgeschlossen werden, wenn es gleichzeitig zu einem
stärkeren Erdbeben und einer Überflutung kommt (Seite 7). Die mobilen
Generatoren funktionieren nur im Falle von schwächeren Erdbeben. Für
den Fall, dass die Schutzwälle einer Überflutung nicht standhalten,
existieren keine Notfallpläne. Einige Räumlichkeiten, die unter der
Erdoberfläche liegen, sind gegen eindringendes Wasser erst gar nicht
geschützt. Beim Besuch vor Ort fanden die EU-Experten auch heraus,
dass in Kozloduy bereits Temperaturen gemessen wurden, die oberhalb
der Grenze liegen, bei dem das Kraftwerk noch als sicher gelten kann
(Seite 11).
Das belgische AKW Tihange gilt nicht als flutsicher, "obwohl es
direkt neben dem Fluss Meuse liegt" (Seite 10 des Länderberichts).
Die Notdiesel-Generatoren der zweiten Sicherheitsstufe halten nur 7,5
Stunden durch (Seite 22).
Das zweite belgische AKW in Doel verfügt in seinem Original-Design
über keinen Erdbebenschutz und im Notfall fehlt die Wasserzufuhr
(Seite 16). Beide belgischen AKW sind nicht einmal ausreichend gegen
schwere Regenfälle oder Blitzeinschlag geschützt (Seite 12).
In Tschechien kritisieren die Experten massiv, dass sich bei den
AKW in Dukovany und in Temelin der bisherige Erdbeben-Check nur auf
ein "subjektives Expertenurteil" (!) stützt. Beim Besuch der
EU-Fachleute wurde zwar versprochen, eine moderne Risikoabschätzung
vorzunehmen. Sie wurde aber noch nicht umgesetzt (Seite 6).
Bei zu heftigem Schneefall besteht in beiden tschechischen AKW die
Gefahr, dass die Generatorenhallen so in Mitleidenschaft gezogen
werden, dass das essentielle Brauchwassersystem gefährdet wäre. Auch
zu große Kälte könnte zu Problemen wie einem Blackout führen (Seite
11).
Mein Fazit: Ein europäisches Nuklearsicherheitssystem, wie
Österreichs Umweltminister Nikolaus Berlakovich dies nunmehr fordert,
ist zu wenig. Atomkraftwerke sind unverantwortlich und gehören vom
Netz. Die EU-Kommission sollte dazu ein EU-weites Ausstiegsprogramm
erarbeiten."
Weitere Details und aktuelle Informationen auf meiner neuen
Internetseite www.atomticker.eu
Hinweis: Die zum Ausdruck gebrachten Meinungen liegen in der
alleinigen Verantwortung der jeweiligen Verfasser und geben nicht
unbedingt den offiziellen Standpunkt des Europäischen Parlaments
wieder.
Rückfragehinweis:
Büro Dr. Martin
Tel 0043-664-201 80 37
[email protected]
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