- 26.04.2012, 16:19:59
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Wenn wir nicht normen, werden wir genormt
Wien (OTS) - Bei einer Pressekonferenz in der Wiener Börse stellte
gestern eine hochkarätige Expertenrunde, bestehend aus Vertretern der
Industrie, KMUs und Verwaltung, den Nutzen der Normung in den
Mittelpunkt und appellierte zur Mitarbeit in der österreichischen,
europäischen und internationalen Normung. Sich auf österreichischer
Ebene einzubringen, um die Rahmenbedingungen in einem globalisierten
Markt mitzugestalten, ist wichtiger denn je.
Für große Unternehmen, wie Siemens AG, ist Normung Teil der
Unternehmensstrategie. Denn die Konkurrenz, die künftig
beispielsweise Standards für Produkte bestimmen könnte, kommt
vorwiegend aus Asien. Für Ing. Werner Fischer, der bei Siemens die
Zentralstelle für "Standardization & Regulation Management" leitet,
ist der Grund für die Mitarbeit in der Normung klar: "Wenn wir nicht
normen, dann werden wir genormt", verweist er auf die
Wirtschaftsmacht China, die sich immer stärker im weltweiten
Normungsgeschehen engagiert. Die österreichische Siemens AG bringt
ihre "getesteten Erfahrungen" in den Normungsgremien ein, um die
Marktregeln frühzeitig mitgestalten zu können.
Normen vereinfachen die Verwaltung
Normen wirken nicht nur auf Märkten, sondern auch zwischen Staat
und Bürger. Deshalb weiß Sektionschef Dr. Manfred Matzka, Leiter der
Sektion I "Präsidium" im Bundeskanzleramt, gutes Regelwerk zu
schätzen. Normen würden die Gesetzgebung enorm entlasten, die
Verwaltung vereinfachen. Auch im Hinblick auf EU-Richtlinien, die nur
mit Hilfe von Normen in den Mitgliedsländern umgesetzt werden
könnten. "Mit Normen erreicht man einen Grad an Detailliertheit, der
sich nicht für Gesetze eignet." Normen verhinderten, dass man im
Nachhinein aufwändige Verfahren mit Sachverständigen und langen
Instanzenwegen in Kauf nehmen müsse. Verwaltungsexperte Matzka führt
als Beispiel die Einführung neuer Technologien an: "Gäbe es nicht
klare Standards bei Schnittstellen im IT-Bereich, wäre es heute
beispielsweise unmöglich, eine App für Handys zur Verfügung zu
stellen."
Speziell für die Länder ergänzen Normen die Rechtsbestimmungen
sinnvoll, betont Dipl.-Ing. Peter Morwitzer, Landesbaudirektor von
Niederösterreich. "Der Gesetzgeber legt die Schutzbestimmungen fest,
und die Normen sagen uns, wie man das in der Praxis macht", verweist
der Experte auf die Wichtigkeit von Normen im Bauwesen. Er plädiert
dabei für "Bodenhaftung" bei der Gestaltung dieser Normen und
relativiert das Schlagwort von der "Normenflut": Normen sollen nicht
überfrachtet werden, müssen aber dennoch der Komplexität der Vorhaben
Rechnung tragen.
Normen als Chance für KMUs
90 % der österreichischen Unternehmen sind Klein- und
Mittelbetriebe (KMUs). Es heiße immer, sie hätten keine Chance
gegenüber den Großen und keinen Zugang zur Normung. "Gemeinsam mit
engagierten Interessensvertretern können KMUs aber sehr viel
erreichen", erklärt Kommerzialrat Harald Schinnerl,
Bundesinnungsmeister Metalltechnik. "Normen sind wichtig, wenn man
Qualität anbieten will. Denn sie regeln die qualitative
Vergleichbarkeit der Produkte und stellen eine wesentliche Sicherheit
für die Kunden und die Produzenten im Wirtschaftsleben dar."
Die Metallbranche sei klein strukturiert und viele KMUs hätten
Mühe, sich zurechtzufinden, welche Normen anzuwenden sind. So habe
man gemeinsam mit Austrian Standards die Branchenlösung
"MeinNormenPaket" entwickelt, mit der die wichtigsten Normen für
Metallbetriebe einfach und kostengünstig zu beziehen sind. "Für den
Preis einer Arbeitsstunde pro Jahr", wie Schinnerl ergänzt.
Normen bieten Orientierung für alle
Doch wenn es um Normen geht, dann gibt es häufig viele
Missverständnisse", sagt Univ.Prof. DDr. Walter Barfuß, Präsident von
Austrian Standards, dem Kompetenzzentrum für Normen in Wien. Das
Missverständnis liege etwa darin, dass Normen vermeintlich von
Behörden vorgegeben werden. "Doch Fachleute und Betroffene selbst
entwickeln diese Normen, die sie brauchen und die unser Zusammenleben
erleichtern", räumt Präsident Barfuß mit dem Vorurteil auf. Austrian
Standards ist hier ein wichtiger Partner, denn es bietet die
Infrastruktur für die Normung und achtet darauf, dass die Spielregeln
eingehalten werden; diese seien Neutralität, Konsens, Transparenz und
Kohärenz. Insgesamt gibt es in Österreich 187 Fachgremien und
Komitees, in denen sich rund 6.000 Experten aus unterschiedlichen
Berufen und Branchen einbringen.
Normung als Sprungbrett zum Weltmarkt
In einem globalisierten Markt und nicht zuletzt aufgrund der
Dominanz der Wirtschaftsmacht China ist es wichtig, dass sich Europa
und seine Staaten in der internationalen Normung behaupten. Aufgrund
des intensiven Engagements - österreichische Fachleute arbeiten in 78
Prozent der europäischen (CEN) und 89 Prozent der internationalen
(ISO) Komitees mit - ist Österreichs Einfluss auf den europäischen
Markt deutlich spürbar. Eine Rolle, die Vizedirektorin DDr. Elisabeth
Stampfl-Blaha - seit Jahresanfang auch Vizepräsidentin der
Internationalen Normungsorganisation, ISO, - gerne weiter gestärkt
sehen möchte.
Austrian Standards steht für Austrian Standards Institute sowie
für die Austrian Standards plus GmbH. Austrian Standards managt ein
einzigartiges Netzwerk von 5.900 Experten und Expertinnen, um deren
vielfältiges Wissen und Erfahrungen zusammenzubringen. Austrian
Standards Institute ermöglicht damit die Entwicklung allgemein
akzeptierter Standards/Normen. Dieses Know-how macht Austrian
Standards plus durch Publikationen, Trainings und weitere Services
zugänglich.
Präsident ist Univ.Prof. DDr. Walter Barfuß, Direktor Ing. Dr.
Gerhard Hartmann, Vizedirektoren sind DDr. Elisabeth Stampfl-Blaha
und Mag. Wolfgang Steigenberger. Austrian Standards Institute ist das
österreichische Mitglied in der International Organization for
Standardization ISO und im Europäischen Komitee für Normung CEN.
Nähere Informationen: www.austrian-standards.at;
www.as-institute.at; www.as-plus.at
Rückfragehinweis:
Austrian Standards Dr. Johannes Stern, Director Public Relations & Media, Tel.: +43 1 213 00-317, [email protected] comm:unications - Agentur für PR, Events & Marketing Sabine Pöhacker Tel.: +43 1 315 14 11-0, [email protected]
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