• 25.04.2012, 11:14:25
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AK Tumpel: Krankenstände gehen zurück, viel zu viele gehen krank in die Arbeit

Wien (OTS) - "Es ist ein Zynismus der Wirtschaft gegenüber den
kranken Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen." So bewertet AK
Präsident Tumpel in seiner Rede auf der 157. Vollversammlung der AK
Wien den neuerlichen Vorstoß von Wirtschaftsvertretern,
ArbeitnehmerInnen Krankenstände oder deren Bezahlung kürzen zu
wollen. "Die Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen machen nicht blau,
das Gegenteil ist wahr", so Tumpel. "Die Krankenstände gehen zurück,
und viel zu viele Menschen gehen krank in die Arbeit. Die Ursachen
sind die Sorge um den Arbeitsplatz und der Druck auf die
Beschäftigten. Das gehört geändert", sagt Tumpel und weist den
Vorschlag der Wirtschaftskammer von Teilkrankenständen als "grotesk"
zurück. Es sei schäbig, auf Kosten der Gesundheit der Menschen
Gewinne machen zu wollen. Als dramatisch bezeichnet Tumpel die
Zunahme der psychischen Belastungen in der Arbeit, der AK Präsident
bekräftigte seine Forderungen nach einer verpflichtenden Evaluierung
von psychischen Arbeitsbelastungen durch Fachleute und nach mehr
Prävention. Die Reaktion von Wirtschaftsvertretern, die diese
Belastungen einfach leugneten, bezeichnete Tumpel als
menschenverachtend.

Die Fakten sind:

+ Tatsächlich sind die Krankenstände seit Jahren zurückgegangen: 2000
waren ArbeitnehmerInnen durchschnittlich 14,4 Tage im Jahr in
Krankenstand, 10 Jahre später sind es nur mehr 12,9.
+ Viel zu viele gehen krank in die Arbeit: Der
Arbeitsgesundheitsmonitor 2009 belegt: Über 40 Prozent geben an, im
vergangenen Halbjahr zumindest ein Mal krank zur Arbeit gegangen zu
sein. Fast 60 Prozent sagen, dass die Ursache dafür bei ihrem
Vorgesetzten liegt.

Es gibt die Krankschreibung durch den Arzt, und es gibt die Einladung
zur Kontrolle durch die Krankenkasse. Viele bekommen diese Einladung
erst, nachdem sie sich bereits wieder gesundschreiben haben lassen.
Dass bei den Einladungen zu den Kontrollen ArbeitnehmerInnen bereits
gesundgeschrieben werden oder schon wieder arbeiten gehen, sei normal
und heißt nicht, dass sie nicht vorher krank gewesen sind. Was man
vor allem sieht, ist dass die ArbeitnehmerInnen so früh wie möglich,
viele sogar krank wieder zur Arbeit gehen. Krankenstände beginnen in
der Regel auch nicht am Montag, erst an diesem erfolgt die
Krankschreibung. Das zeigt der Fehlzeitenreport des Wifo eindeutig.

Dramatisch sei die Zunahme der psychischen Belastungen als
Krankmacher, so Tumpel: "Die Krankenstandstage durch psychische
Belastungen haben sich in den letzten 20 Jahren verdreifacht. Was wir
brauchen, ist die verflichtende Einschätzung der Ursachen von
psychischen Belastungen durch Arbeits- und Organisationspsychologen,
die in die Betriebe gehen. Wir brauchen mehr Prävention und die
Verankerung dieser Maßnahmen im ArbeitnehmerInnenschutzgesetz."

Rückfragehinweis:
AK Wien Kommunikation
Thomas Angerer
Tel.: +43-1 501 65-2578
mailto:[email protected]
http://wien.arbeiterkammer.at

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