- 23.04.2012, 10:02:20
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Eurokrise: Diese Runde kommt früher als gehofft - von Hans Weitmayr
Europas Finanzminister haben sich mit Rechentricks lächerlich gemacht
Wien (OTS) - Wir sind wieder voll im Krisenmodus, erklärte ein
Händler lakonisch die auf sechs Prozent gestiegenen Renditen auf
spanische Anleihen mit zehnjährigen Laufzeiten. Dass der Trader dabei
das Wort "Modus" verwendet hat, ist bedenklich, leider aber auch
korrekt. Denn in Wirklichkeit war die Krise in Europa zu keiner
Sekunde überwunden. Die EZB hat Europa nur - wie an dieser Stelle des
Öfteren bemerkt und gewarnt wurde - Zeit erkauft. Und zwar mit einer
Billion Euro, die sie den Banken an Krediten mit ungewöhnlich langen
Laufzeiten zur Verfügung gestellt hat.
Dadurch war der eingangs erwähnte Modus bis zuletzt auf "Off".
Überraschend ist hingegen, nach welch kurzer Zeit der Schalter wieder
auf "On" gekippt ist. Denn die Einschätzung, dass die EZB mit ihrem
Vorgehen einen richtigen und wichtigen Schritt gesetzt hat, steht und
fällt mit der Frage, ob sie es denn schafft, der Politik genug
Handlungsspielraum zu verschaffen. Das zum einen. Zum Zweiten jedoch
auch davon, ob die Politik es vermag, diese Gelegenheit zu nützen.
Und genau das ist nicht ausreichend geschehen.
Tatsächlich sind strukturell und operativ wichtige Projekte auf den
Weg gebracht worden, doch in letzter Konsequenz ist man wieder einmal
zurückgezuckt. Denn die Billion, mit der die
Rettungsschirm-Einrichtungen hätten ausgestattet werden sollen, ist
nicht gekommen.
Schlimmer noch: Anstatt das so auszusprechen und zu argumentieren,
hat man sich auf eine Dumme-Jungen-Rechnung zurückgezogen, wonach man
die Billion zwar nicht in Euro, dafür aber in Dollar erreicht hätte.
Mit solchen Augenauswischereien kann man vielleicht sein Wahlvolk
täuschen, nicht aber Analysten, Trader und deren Software, die
Rundungsfehler in der fünfundachtzigsten Stelle hinter dem Komma
auswerten und darauf basierend gegebenenfalls eine Kauf- oder
Verkaufsentscheidung treffen. Bestenfalls wurde die Rechenmagie der
europäischen Finanzminister ignoriert, schlimmstenfalls hat man sich
darüber lustig gemacht, was wiederum auf Kosten einer Eigenschaft
geht: der Glaubwürdigkeit.
Als Konsequenz ist die Krise schneller in unser aller Bewusstsein
zurückgekehrt, als wir gehofft hatten. Damit werden auch die unter
heftigem gegenseitigen Schulterklopfen auf den Weg gebrachten
Rettungsschirme früher getestet werden als gedacht - es sei denn, die
EZB tritt nochmals entschlossen auf den Plan. Fragt sich nur, wozu?
Damit die Politik auf Kosten von Wirtschaft und Konsumenten eine
Chance mehr in den Sand setzt?
Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]
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