• 18.04.2012, 17:00:35
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"KURIER"-Kommentar von Martina Salomon: "Politik neu denken"

Ideen und Persönlichkeiten werden gegenüber Parteien an Bedeutung gewinnen.

Wien (OTS) - Politische Parteien sind unten durch. Jeder skurrile
Pirat hat derzeit bessere Chancen, Gehör zu finden als das etablierte
Polit-Personal. Die wissen das auch, deshalb wird nervös über eine
Wahlrechtsreform nachgedacht. Wer jetzt nicht visionär denkt, hat
seine (politische) Zukunft verspielt. Persönlichkeiten, Ideen,
zeitlich begrenzte, lose Interessenverbände zur Durchsetzung eines
einzelnen Themas werden in der stark fragmentierten
Wohlstandsgesellschaft an Bedeutung gewinnen. Je weniger
Parteiengeruch den Botschaften und ihren Verkündern anhaftet, desto
mehr werden sie gehört. Das wird die festgefügte Parteienlandschaft
verändern, birgt aber auch die Gefahr, dass Gruppen gegeneinander
ausgespielt werden.
Rot und Schwarz wünschen sich einen Hauch von Schweizer
Verhältnissen, das Volk soll mehr eingebunden werden: SP-Klubchef
Josef Cap will mehr Volksabstimmungen; ÖVP-Zukunftshoffnung Sebastian
Kurz möchte mehr als die Hälfte der Nationalratsabgeordneten direkt
vom Volk wählen lassen. Noch radikalere Reformen - wie die Streichung
des Bundesrates und ein Mehrheitswahlrecht - werden (leider) nicht
gewagt. Doch ein sicher wirksames Rezept gegen die grassierende
Politikverdrossenheit ist das alles noch nicht.

Rückfragehinweis:
KURIER, Chefredaktion
Tel.: (01) 52 100/2601

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