• 18.04.2012, 15:08:30
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Zellstoff- und Papierindustrie: erfolgreich durch schwieriges konjunkturelles Fahrwasser, Kurs auf neue Ziele

2011 war ein Jahr mit zwei Gesichtern: Umsatz gestiegen, Produktion leicht rückläufig - Mit über 50% erneuerbarer Energie Leitbranche der "low carbon bio-economy"

Wien (OTS/PWK254) - Die heimische Zellstoff- und
Papierindustrie bekam 2011 wenig vom Aufschwung zu spüren. "Unsere
Einschätzung für 2011 hat sich als richtig erwiesen - die Unternehmen
mussten der neuerlichen Eintrübung des internationalen
Konjunkturumfeldes und der damit verbundenen rückläufigen Nachfrage
vor allem im zweiten Halbjahr Tribut zollen. Zusätzlich hinterlassen
hohe Rohstoff-und Energiekosten deutliche Spuren und ließen die
Ergebnisse der Unternehmen kaum vorankommen.

Pfarl: Dynamik des Aufschwungs erlahmt - 2012 warten neue
Herausforderungen
Die schwungvolle Dynamik des Aufschwungs 2010 setzte sich im Vorjahr
nicht fort, und auch im schwierigen Jahr 2012 sehen wir große
Herausforderungen und keinen Grund zur Euphorie, allenfalls im
zweiten Halbjahr eine leichte Verbesserung des gesamtwirtschaftlichen
Umfeldes. Erhebliche Risiken bleiben vor allem die hohe
Staatsverschuldung in der Eurozone und der steigenden Ölpreis, auch
die Budgetsanierungspakete werden sich dämpfend auswirken. Dennoch
stehen viele Betriebe auf Grund ihrer ökonomischen Leistungsfähigkeit
und ihrer unternehmerischen Exzellenz besser da als in vielen anderen
Ländern. Dies hilft ihnen dabei, das schwierige konjunkturelle
Fahrwasser unbeschadet zu durchkreuzen und Kurs auf neue Ziele zu
setzen. Sie sind dabei weiterhin auf rigoroses Kostenmanagement
angewiesen und benötigen möglichst flexible Arbeitszeitmodelle",
beschrieb Dkfm. Wolfgang Pfarl, Präsident der Austropapier -
Vereinigung der Österreichischen Papierindustrie, den langen Weg der
Branche zum Aufschwung.

Skilich: 2011 Jahr mit zwei Gesichtern - Investitionsquote
verharrt auf niedrigem Niveau
Auch in der Umsatz- und Mengenentwicklung zeigte sich 2011 als Jahr
mit zwei Gesichtern. "Die Branche steigerte zwar auf Grund teils
verbesserter Erlöse ihren Gesamtumsatz um über 6 Prozent auf 4,02
Milliarden Euro und erzielte damit einen neuen Höchstwert. Da aber
wichtige Vorkosten - vor allem die Rohstoffe Zellstoff, Altpapier und
Holz - deutlich anstiegen und preisliche "all-time-highs" erreichten,
konnten die Ergebnisse vieler Unternehmen mit der positiven
Umsatzentwicklung nicht Schritt halten. Die Betriebe hielten sich
daher mit ihren Investitionen im Inland neuerlich stark zurück, diese
lagen 2011 mit 110 Millionen Euro zum siebenten Mal in Folge deutlich
unter dem Durchschnitt der letzten zwanzig Jahre. Krisenjahre,
Überkapazitäten und unsichere Rahmenbedingungen, etwa in der
Energiepolitik, haben sich deutlich negativ auf die Investitionsquote
ausgewirkt. Auch 2012 wird der in Europa mittelfristig schwache
Papiermarkt keine großen neuen Impulse setzen.
Investitionsschwerpunkte der Branche in Österreich bleiben vorerst
die Rohstoff- und Energieversorgung", erklärte
Austropapier-Vizepräsident DI Christian Skilich, Operations Director
von Mondi Europe & International.

Oberhumer: Schwierige Marktbedingungen beschleunigen
Restrukturierung im grafischen Bereich

Die Gesamtproduktion an Papier, Karton und Pappe ging 2011, analog
zur europäischen Entwicklung, mit einem Minus von 2,2 Prozent leicht
zurück und lag mit 4,9 Millionen Tonnen deutlich unter dem Rekordjahr
2006. Positiv entwickelten sich Zeitungsdruckpapier mit einem Plus
von 3,6 Prozent und Dünn- und Spezialpapiere mit plus 1,1 Prozent,
die anderen Sortimente verzeichneten Rückgänge: Druck- und
Schreibpapiere (-3,5%), Kraftpapiere (-3,6%), andere
Verpackungspapiere (-0,9%), Faltschachtelkarton(-1,9%) sowie
Wickel-und Spezialpappe(-0,6%). Die Kapazitätsauslastung sank von 92
auf 90 Prozent. "Die Produktion im grafischen Sektor ist - nicht
zuletzt auch durch die Schließung der Papierproduktion in Hallein
2009 - weiterhin rückläufig. Anhaltend schwierige Marktbedingungen
beschleunigen in diesem Sektor den Restrukturierungs-prozess.
Europaweit lag Österreich 2011 exakt im EU-Schnitt - während
Portugal, Großbritannien, Polen, Italien, Spanien, Belgien und
Schweden ihre Produktion gesteigert haben, mussten Deutschland, die
Niederlande, Frankreich, Finnland, Norwegen und einige andere Länder
vergleichbare oder sogar größere Rückgänge in Kauf nehmen. Sehr
erfreulich ist allerdings die auf 85,8 Prozent gestiegene Exportquote
unserer Produktion. Trotz schwierigen Umfelds und hohen
Produktionskosten können sich heimische Papierfabriken erfolgreich am
Weltmarkt behaupten. Größte Abnehmermärkte waren, neben dem
Inlandsmarkt, Deutschland und Italien. Der Export in mittel- und
osteuropäische Staaten, wie etwa Polen, Tschechien und Rumänien,
konnte gesteigert werden. Nach Übersee wurden immerhin fast 800.000
Tonnen Papier verschifft, doch umgekehrt drängt in zunehmendem Ausmaß
Papier aus Fernost auf den europäischen Markt. Importregulierungen
auf EU-Ebene sind hier voraussichtlich nur eine Zwischenlösung",
beschrieb Dr. Max Oberhumer, Geschäftsführer von Sappi Austria und
Austropapier-Energiesprecher, die starke internationale Verflechtung
des Papiermarktes.

Pfarl, Skilich, Oberhumer: Rohstoff- und Energiepolitik bleiben
wichtige Standortfaktoren

Mit einem Anteil von bereits über 50 Prozent erneuerbarer Energie,
gemessen am Gesamtenergieeinsatz, ist die Zellstoff- und
Papierindustrie eine Leitbranche, ein "frontrunner" der low-carbon
bio-economy, also der CO2-armen Wirtschaft, die als gesellschafts-
und wirtschaftspolitisches Ziel der EU formuliert wurde. Holz- und
Papierprodukte speichern CO2 und tragen zum Klimaschutz bei,
innovative und umweltfreundliche Technologien eröffnen den
Unternehmen neue Perspektiven.
Eines der Schlüsselthemen der Branche bleibt die Herausforderung der
nachhaltigen Versorgungssicherheit mit Rohstoffen. "Im Rahmen von
FHP, der Kooperationsplattform Forst Holz Papier, arbeiten wir
gemeinsam mit der gesamten Wertschöpfungskette an Lösungsansätzen,
wie etwa der Forcierung der Bewirtschaftung durch Hof-ferne
Waldbesitzer, und dem Anbau von schnell wachsenden Energiehölzern.
Die Frage nach der gesicherten langfristigen Verfügbarkeit von Holz
zur stofflichen und energetischen Verwertung können wir nur gemeinsam
erfolgreich beantworten. Dabei steht die kaskadische Nutzung im
Vordergrund, nur sie ermöglicht höchste Ressourceneffizienz und
Wertschöpfung", waren sich Pfarl, Skilich und Oberhumer einig. Auch
beim Altpapier zeichnet sich Handlungsbedarf zur verbesserten
Rohstoffsicherung ab, da es ansonsten zur Gefährdung von
Ressourceneffizienz- und Klimaschutzzielen kommen könnte.
Klare Worte gab es auch zu heißen standortpolitischen Themen, wie
etwa dem EU-Emissionshandel. "Energie- und Klimaschutzpolitik ist ein
entscheidender Faktor im internationalen Standortwettbewerb. Nicht
regionale oder nationale Energieautarkie, sondern eine stabile
europäische Energieversorgung mit harmonisierten Regeln und
funktionierendem Wettbewerb muss unser Ziel sein. Energiekosten
machen in manchen österreichischen Papierfabriken trotz des hohen
Eigenversorgungsgrades bei Strom und der im internationalen Vergleich
ausgezeichneten Energieeffizienz oft bereits ein Viertel der
Produktionskosten aus. Ab 2013 kommen Kosten in Millionenhöhe für den
verpflichtenden Ankauf von CO2-Zertifikaten dazu. Politische
Eingriffe in diesen Markt, wie etwa das set-aside von Zertifikaten
zur künstlichen Verteuerung der CO2-Preise, oder die Streichung der
Carbon-Leakage-Regelung ohne verbindliches internationales
Klimaabkommen, sind strikt abzulehnen", so die Branchensprecher im
Rahmen des Austropapier-Jahrespressegespräches.

Dworak: Nachhaltigkeitsbericht dokumentiert Fortschritte -
Zukunftsthema Roadmap 2050

Mit dem neunten Austropapier-Nachhaltigkeitsbericht dokumentiert die
Branche ihre Fortschritte, Herausforderungen und Beiträge zur
nachhaltigen Entwicklung. "Papier ist ein Evergreen, dessen
Erzeugung, Nutzung und Wiederverwertung von Kreisläufen geprägt ist",
beschrieb Austropapier-Geschäftsführer DI Oliver Dworak die
Erfolgsfaktoren der Branche. "Unser Nachhaltigkeitsbericht, der von
plenum, der Gesellschaft für ganzheitlich nachhaltige Entwicklung,
gemäß den Kriterien der Global Reporting Initiative (GRI) geprüft
wurde, fasst die Entwicklungen der Branche in den drei Dimensionen
Gesellschaft, Umwelt und Wirtschaft kompakt zusammen und verknüpft
sie mit unserem Branchenleitbild. Darüber hinaus sprechen wir im
Bericht auch neue Themen an - heuer sind dies insbesondere die
Frauenbeschäftigung, sowie einige neue ökologische Parameter. Weiters
haben wir ein Nachhaltigkeits-Managementprogramm erarbeitet, das wir
konsequent weiterentwickeln wollen. Ein Roundtable zum Zukunftsthema
"2050 Roadmap to a low-carbon bio-economy" sowie detaillierte
Informationen über unsere Partner in der Wertschöpfungskette, von der
Kooperationsplattform Forst Holz Papier bis zu den Bereichen Druck,
Medien und Papierverarbeitung, runden unseren Nachhaltigkeitsbericht
ab", so Dworak abschließend. (JR)

Rückfragehinweis:
Austropapier - Vereinigung der Österreichischen Papierindustrie
DI Oliver Dworak
Tel: 01 - 588 86

234 
   Fax: 01 - 588 86

222
E-Mail: [email protected]

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