• 18.04.2012, 08:00:31
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ÖGfE-Schmidt: 1 Jahr Arbeitsmarktöffnung - Österreicher ziehen gelassen Bilanz

58 Prozent sehen keinen starken Zuzug - 81 Prozent ohne Arbeitsplatzsorgen - Jugend erkennt Chancen - Umfrage

Wien (OTS) - "Die Österreicherinnen und Österreicher sehen die
Auswirkungen der Arbeitsmarktliberalisierung durchaus gelassen",
fasst Paul Schmidt, Leiter der Österreichischen Gesellschaft für
Europapolitik (ÖGfE), die Hauptergebnisse einer aktuellen
ÖGfE-Umfrage zusammen. "Eine Mehrheit sieht, ein Jahr nach der
Öffnung des österreichischen Arbeitsmarkts, keinen starken Zuzug von
Arbeitskräften aus unseren Nachbarländern. Lediglich eine Minderheit
sorgt sich um den eigenen Arbeitsplatz. Die Wirksamkeit des
Lohndumping-Gesetzes wird positiv beurteilt."

Bilanz positiver als erwartet

58 Prozent der Befragten meinen, dass es seit der
Arbeitsmarktöffnung keinen starken Zuzug von Arbeitskräften aus der
Slowakei, der Tschechischen Republik und Ungarn gegeben hat. 34
Prozent sind gegenteiliger Ansicht ("starker Zuzug"). Vor der
Arbeitsmarktöffnung waren es 49 Prozent ("kein starker Zuzug
erwartet") gegenüber 47 Prozent ("starker Zuzug befürchtet") der
Befragten (ÖGfE-Umfrage, Jänner 2011).

"Tatsächlich sind mit Ende Februar, gegenüber dem Vorjahr,
lediglich 24.187 Arbeitnehmer aus jenen 8 EU-Ländern zusätzlich zu
uns gekommen, für die sich der heimische Arbeitsmarkt mit 1. Mai 2011
geöffnet hat", verweist Schmidt auf die offiziellen Zahlen des
Bundesministeriums für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz.
Der stärkste Zuwachs ist auf Arbeitnehmer aus Ungarn zurückzuführen
(plus 11.097) - vgl. Slowakei (plus 4.631) und Tschechische Republik
(plus 1.444).

"Die Tendenz stimmt - der Arbeitskräftezuzug wird heute
realistischer eingeschätzt. Manche, vor dem 1. Mai 2011, geäußerten
Bedenken hinterlassen aber nach wie vor ihre Spuren. Diese
Wahrnehmung ist in so kurzer Zeit, auch durch die tatsächlichen
Arbeitsmarktdaten, nicht vollständig auszuräumen."

Eigener Arbeitsplatz nicht gefährdet

81 Prozent der Befragten, die zurzeit einer Beschäftigung
nachgehen, sehen heute durch die Arbeitsmarktöffnung keine Gefährdung
ihres eigenen Arbeitsplatzes (2011: 89 Prozent). 13 Prozent sind
gegenteiliger Ansicht (2011: 8 Prozent).
Schmidt: "Das Ergebnis ist positiv. Dass jedoch nach wie vor
Arbeitnehmer mit Sorge auf die Arbeitsmarktöffnung blicken, sollte
jedenfalls berücksichtigt werden."

Erste Bilanz zum Lohndumping-Gesetz

51 Prozent sind mit der bisherigen Wirkung des 2011 in Kraft
getretenen Lohndumping-Gesetzes zufrieden. Für 32 Prozent ist dies
jedoch noch nicht der Fall. Die Erwartungen an das neue Gesetz waren
im Jänner 2011 hoch: 68 Prozent hatten mit positiven Auswirkungen auf
die Eindämmung von Lohndumping gerechnet, 23 Prozent waren damals
skeptisch.

"Das Lohndumping-Gesetz war und ist eine entscheidende
Begleitmaßnahme. Wichtig ist, dass Kontrollen auch rigide
weitergeführt und die Information über die Wirkung des Gesetzes
verstärkt werden", meint Schmidt.

Jeder zweite Jugendliche sieht Chancen

53 Prozent der Befragten bis 25 Jahre könnten sich vorstellen,
jenseits der Grenze zu arbeiten. (2011: 51 Prozent). Insgesamt wäre
das jedoch nur für 16 Prozent der befragten Österreicherinnen und
Österreicher denkbar (2011: 23 Prozent); 56 Prozent schließen es aus,
in einem unserer "östlichen" Nachbarländer zu arbeiten (2011: 53
Prozent).

Arbeitsplätze für Österreicher in den Nachbarländern

58 Prozent der Befragten glauben, dass durch die
Arbeitsmarktöffnung auch Arbeitsplätze für Österreicher in den
Nachbarländern entstehen (2011: 51 Prozent). 34 Prozent sind
skeptisch (2011: 44 Prozent).

Auch hier nehmen die Befragten bis 25 Jahre mit 70 Prozent eine
sehr positive Sicht ein (2011: 61 Prozent).

Arbeitsmarkt für Rumänien und Bulgarien weiter beschränken
Kaum verändert hat sich das Meinungsbild hinsichtlich der
Beschränkung des österreichischen Arbeitsmarktes für Arbeitskräfte
aus Rumänien und Bulgarien bis Ende 2013: 77 Prozent plädieren dafür,
sie beizubehalten (2011: 75 Prozent), 14 Prozent sind für eine
frühere Öffnung (2011: 18 Prozent).

"Ein Jahr nach der Arbeitsmarktöffnung haben sich die
Befürchtungen eines massiven Zuzugs von ausländischen Arbeitskräften
nicht bestätigt. Eine Mehrheit der Österreicherinnen und Österreicher
sieht diesen Liberalisierungsschritt jedenfalls entspannt", so
Schmidt abschließend.

Die Umfrage wurde von der Sozialwissenschaftlichen
Studiengesellschaft im Auftrag der ÖGfE durchgeführt. Befragt wurden
insgesamt 514 ÖsterreicherInnen per Telefon im April 2012.

Rückfragehinweis:

Mag. Paul Schmidt
   Österreichische Gesellschaft für Europapolitik (ÖGfE)
   Rotenhausgasse 6 8-9, 
   A-1090 Wien
   Tel.: (+43-1) 533 49 99 - 11
   Fax.: (+43-1)533 49 99 40
   www.oegfe.at
   www.oegfe.at/facebook

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