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OTS0229   16. Apr. 2012, 15:45

Öffentlich-rechtliche Medien im digitalen Zeitalter

Studientag von ORF-Publikumsrat und -Public-Value-Kompetenzzentrum


Die neue Studie "Die Rolle öffentlich-rechtlicher Medien im Internet" des renommierten Medienwissenschafters Viktor Mayer-Schönberger (Oxford University) stand im Mittelpunkt eines Studientages von ORF-Public-Value-Kompetenzzentrum und ORF-Publikumsrat am 16. April 2012 im Wiener RadioKulturhaus. Die Studie kommt insgesamt zu dem Schluss, dass öffentlich-rechtlichen Medien wie dem ORF eine deutlich andere und offensivere Rolle zukommen müsse, als das internationale Vorgaben und nationale Gesetze erlauben.

Nach einer Begrüßung von ORF-Publikumsrat Univ.-Prof. Roman Hummel diskutierten dazu unter der Leitung von Klaus Unterberger, Leiter des ORF-Public-Value-Kompetenzzentrums, zwei international besetzte Fachrunden. Konsens: Die aktuellen gesetzlichen Rahmenbedingungen für Internetauftritte öffentlich-rechtlicher Medien in vielen europäischen Staaten, so auch in Deutschland und Österreich, seien kontraproduktiv. Im Sinne von Demokratie und Medienkompetenz sei vielmehr ein offensiver Zugang öffentlich-rechtlicher Medien zum Internet von großer Bedeutung.

Hans Preinfalk, Vorsitzender des ORF-Publikumsrats: "Die hochkarätige Diskussion des heutigen Tages zeigt, welch große und ständig weiter wachsende Bedeutung der Onlinebereich auch und gerade für die öffentlich-rechtlichen Medienunternehmen hat. Im Internet wie auch in den anderen Bereichen müssen natürlich klare Regeln gelten, die Öffentlich-Rechtlichen brauchen aber andererseits auch Rahmenbedingungen, die es ihnen ermöglichen, ihren Auftrag in diesem Zukunftsbereich zu erfüllen!"

In der ersten Runde diskutierten Medienwissenschafter aus Großbritannien, Österreich, Deutschland und der Schweiz. Als Erstes wurde die aktuelle Situation im Internet analysiert. Studienautor Mayer-Schöneberger von der Oxford University: "Entgegen ursprünglichen Erwartungen dreht das Internet informelle Machtverhältnisse nicht, sondern bestätig diese. Zwar kann beispielsweise jede und jeder Internetbeiträge erstellen, das große Publikum nutzt aber nur 'Großanbieter' mit zumeist kommerziellen Interessen." Gerade deswegen seien hier mehr statt weniger öffentlich-rechtliche Inhalte gefragt. Kurt Imhof von der Universität Zürich: "Wenn uns die Demokratie lieb ist, müssen wir medienpolitische Wege finden, Qualitätsorientierung auch im Internet zu fördern und dürfen öffentlich-rechtliche Medien nicht mit Bleikugeln beschwert ins Meer des Internets entlassen." Auch Roberto Suárez Candel vom Hamburger Hans-Bredow-Institut unterstreicht demokratiepolitische Aspekte: "Niemand käme auf die Idee, öffentliche Gesundheitssysteme zurückzufahren, damit Privatkliniken bessere Geschäfte machen können. Im Bereich der Medien passiert leider genau das." Reinhold Christl von der FH Wien: "Es ist eine absurde Situation, dass - vor allem junge - Menschen mit ihren ORF-Gebühren hochwertige Informationsbeschaffung finanzieren, der ORF ihnen diese aber dann nicht dort zugänglich machen darf, wo sie sich bewegen: im Internet."

In der zweiten Runde diskutierten Online-Verantwortliche öffentlicher-rechtlicher Rundfunkanstalten aus Deutschland, Slowenien und Österreich sowie der britische Top-Blogger Christian Payne, der sich ebenfalls klar gegen Limitierungen ausspricht: "Die Öffentlich-Rechtlichen sollten sich nicht beschneiden lassen, sondern im Gegenteil die Rolle als Qualitätsfilter im Internet übernehmen und den Menschen Orientierung über die Glaubwürdigkeit von Informationen geben." Zvezdan Martic, Leiter der Onlineredaktion des öffentlich-rechtlichen RTV in Slowenien, das keinen Beschränkungen unterliegt: "Das Internet hat für uns hervorragende Möglichkeiten eröffnet, mit unserem Publikum in Kontakt zu treten und das Vertrauen der Menschen auch in unsere Radio- und Fernsehprogramme zu stärken." Heidi Schmidt von der ARD, die ähnlichen Beschränkungen wie der ORF unterliegt: "Wir arbeiten jetzt daran, multimediale Angebote zu schaffen - kürzlich etwa eine Miniserie, die aus TV-Sendungen, Hörspielen und einem interaktiven Webauftritt zusammengesetzt war." Karl Pachner, Leiter von ORF.at: "ORF.at ist eines der erfolgreichsten öffentlich-rechtlichen Onlineangebote in Europa und bewegt sich natürlich ganz eindeutig innerhalb der gesetzlichen Rahmenbedingungen. Die Erfahrung in Österreich zeigt, dass, was dem ORF verboten ist, großteils nicht durch kommerzielle Medien bereitgestellt wird. Für die Zukunft muss der ORF im Onlinebereich alle Werkzeuge und Formate nutzen können, die genuin online sind wie z. B. Web 2.0-Funktionalitäten."

OTS-Originaltext Presseaussendung unter ausschließlicher inhaltlicher Verantwortung des Aussenders.
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Birgit Kohlmaier-Schacht
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