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"Die Presse am Sonntag" - Leitartikel: Wenn sich Rudas um die ÖVP sorgt, von Rainer Nowak
Ausgabe vom 15.04.2012
Wien (OTS) - Die SPÖ-Geschäftsführerin demütigt mit Mitleid die
ÖVP. Bisher gelingt die SPÖ-Taktik des Dolcefarniente. Der Versuch,
sich von mitverantworteten Problemen zu distanzieren, sollte es
nicht.
Laura Rudas hat eine Doppelgängerin. In der vorerst verschwundenen
ORF-Sendung "Wir Staatskünstler" hatte Claudia Kottal ihre ersten
grandiosen Auftritte als Bundesgeschäftsführerin mit endlos rollendem
"R". Seither gibt die Schauspielerin mit dem kabarettistischen Talent
offenbar auch Interviews als Laura Rudas, das vorläufig letzte war
demnach am Samstag im "Standard" zu lesen, bei dem die Komödie auf
die Spitze getrieben wurde, indem die Aussagen mit gespieltem
Bierernst als Aufmacher auf Seite eins gedruckt wurden. "ÖVP kommt im
U-Ausschuss viel zu hart dran", vergoss da die vermeintliche Rudas
Krokodilstränen über das Schicksal des Koalitionspartners angesichts
des Falles Telekom Austria. Das, was sich die FPÖ geleistet habe, sei
viel "grausiger" gewesen, die ÖVP wäre harmloser, komme aber medial
viel härter dran, so die Interviewte sinngemäß.
Mitleid für die ÖVP? Infamer kann man die Partei von Michael
Spindelegger nicht demütigen. Das ist großes Kabarett. Und ganz real.
Denn natürlich war es die echte Rudas. Sie kann nicht anders. So sehr
sich die Sozialdemokraten bemühen, die Genugtuung über den Fall des
Ex-Gegners ist nicht zu übersehen. Dazu gesellt sich die
Selbstzufriedenheit, strategisch im Vorteil zu sein.
Die alte Methode hat wieder einmal funktioniert: nichts sagen, nichts
tun, nicht ablenken. Wochenlang hielten sich fast alle SPÖ-Politiker
an die ausgegebene Devise, nichts zu unternehmen, um der politischen
Berichterstattung über die ÖVP-Korruption irgendwie Konkurrenz zu
machen. Nach dem Prinzip "Untertauchen" arbeiteten die Grünen schon
unter Alexander Van der Bellen. Erfolgreich sind sie damit mit Eva
Glawischnig zwar nicht mehr, aber wenn man einen Grün-Politiker
darauf anspricht, erntet man nur süffisantes Lächeln. Es folgt der
Hinweis auf den größten Inquisitor aller Zeiten (Peter Pilz) sowie
die Erklärung, dass Meinungsumfragen eine Erfindung der Medien seien
und die Grünen im Netz längst eine völlig neue Kommunikation
betrieben, die an der Urne bald große Wirkung zeigen werde. Nur
komisch, dass es die Piraten gibt.
Die FPÖ sagt mangels Inhalten (oder aus Vernunft?) wenig bis nichts.
Für das BZÖ redet Josef Bucher zwar ständig, nur ohne Zuhörer. Nur
der, der die Rolle des unauffälligen Arbeiters im Hintergrund
glaubwürdig spielen könnte, darf nicht: Spindelegger muss die Krise
seiner Partei (er)klären.
Schützenhilfe leistet ihm nur noch der stets präsente Staatssekretär
für Integration und Wahlkampf. Bei genauerem Hinsehen agiert der
nicht unähnlich wie Laura Rudas. In dieser Zeitung nennt der junge,
aber dafür schon lange dienende JVP-Funktionär das aktuelle Wahlrecht
"ein kaputtes System". Und Rudas glaubt: "Das spezielle Problem in
Österreich ist aber die Intransparenz des politischen Systems." So
spricht die Geschäftsführerin der Kanzlerpartei. Fehlt nur noch, dass
sich Werner Faymann vom System der Boulevard-Finanzierung distanziert
und Spindelegger von Niederösterreich.
Aber auch so wurde das Kabarett bereits endgültig zur Tragikomödie.
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