"KURIER"-Kommentar von Helmut Brandstätter: "Auf der Suche nach gerechten Steuern"
Steuersünder sehen sich in einer Notwehrsituation. Das sollte zu denken geben.
Wien (OTS) - Im Donnerstag-KURIER wurde an dieser Stelle dazu
aufgerufen, nicht immer nur auf die Politiker zu zeigen, sondern sich
auch mal die alltägliche Korruption und Steuerhinterziehung
anzusehen. Die Reaktionen auf kurier.at und per eMail waren zahlreich
und in der Tendenz eindeutig. Die wichtigsten Thesen:
- Kleine Unternehmen sind so stark steuerlich belastet, dass viele
gar nicht anders können als schwarz zu arbeiten.
- Pfusch ist verständliche Notwehr gegen die horrenden Stundensätze
der Handwerker.
- Wenn es einen Ex-Finanzminister gibt, der von der Homepage bis zu
Auslandskonten Steuern "vermeidet", dann dürfen das die kleinen Leute
doch auch.
Ein interessanter Hinweis kam von einem Leser, der argumentierte,
dass in unseren hohen Steuersätzen das Pfuschen sozusagen eingepreist
sei. Die Finanz wisse, wie viel schwarz gemacht werde,
dementsprechend viel müssen wir offiziell an Steuern zahlen.
Es gibt also kein Unrechtsbewusstsein, wenn der Nachhilfelehrer
oder der Installateur ohne Rechnung gezahlt wird. Dass dem Staat
dabei nicht nur die Mehrwertsteuer, sondern auch die Einkommenssteuer
vorenthalten wird, überlegt sich niemand. Schuld seien wieder die
Politiker, die ja einerseits die hohen Steuern beschließen und
andererseits stets noch mehr Geld zu ihrer eigenen Selbstdarstellung
brauchen. So sieht das die Mehrheit in unserer Heimat. Ist da was
dran?
Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein hat gemeint, Steueroasen
gebe es nur, weil es Steuerwüsten gibt. Dass er damit auch
Österreich gemeint hat, ist klar, weil es ja auch hier Vermögende
gibt, die in Vaduzer Stiftungen einen idealen Fluchtweg für ihr -
eher nicht ordentlich versteuertes - Vermögen sehen.
Einen Ausweg aus dieser Wüstenei gibt es wohl nur, wenn zumindest
in Europa die Systeme angeglichen und die Einkommenssteuern gesenkt
werden. Ein Steuersatz von 50 Prozent für jeden Euro über 60.000 ist
natürlich extrem leistungsfeindlich. Dazu kommt, dass die
Bestimmungen so kompliziert sind, dass oft sogar Steuerberater
überfordert sind. Der frühere deutsche Kanzler Gerhard Schröder hat
einmal darauf hingewiesen, dass 90 Prozent aller Fachliteratur
weltweit zum Steuerrecht in deutscher Sprache verfasst sind. Es ist
also überall anders einfacher als in unserem Sprachraum.
Und wir brauchen eine grundsätzliche Debatte darüber, wer wie viel
zur Allgemeinheit beiträgt. Dass Einkommen extrem hoch, Vermögen aber
im internationalen Vergleich niedrig besteuert werden, ist natürlich
leistungsfeindlich.
Es ist gut, dass Finanzministerin Maria Fekter jetzt Steuern auf
Vermögen, das in die Schweiz verschwunden ist, eintreiben kann. Dass
der Steuersatz niedriger als im deutsch-schweizerischen Abkommen
ausgefallen ist, tut aber schon weh. Es hätte keine Armen getroffen.
Jetzt aber müssen wir die EU dabei unterstützen, die Steueroasen
wenigstens in Europa trockenzulegen.
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