• 13.04.2012, 09:00:38
  • /
  • OTS0014 OTW0014

Gesundheitsreform: Rating für Spitäler gefordert

Wien (OTS) - Ordensspitäler: Mehr Transparenz bei Qualität und
Effizienz als Voraussetzung für Erhalt des AAA des Gesundheitswesens
- Leistungsorientierte Finanzierung und sinnvolle Investitionen
notwendig - Bewertung durch unabhängigen Dritten

Ein "Rating" für die Leistungen im Gesundheitsbereich fordern die
österreichischen Ordensspitäler. Besonders bei den Krankenanstalten
sei ein solches Benchmarking notwendig, um endlich mehr Transparenz
in das Spitalsangebot zu bekommen, erklärte Pater Leonhard Gregotsch,
Leiter der Arbeitsgemeinschaft der Ordensspitäler Österreichs, bei
einem Pressegespräch am 13. April in Wien. Dies sei eine der
wesentlichen Forderungen an die Politik im Rahmen der bevorstehenden
Gesundheitsreform.

"Nur so können wir den hohen Standard des heimischen
Gesundheits-wesens erhalten. Mehr Transparenz bedeutet eine
Absicherung unseres AAA im Gesundheitsbereich", so Pater Gregotsch.
Eine sinnvolle Spitalsreform müsse überdies auch die Angebotsvielfalt
für die Patienten erhalten. "Dies soll endlich durch eine
Gleichbehandlung der Ordensspitäler mit den öffentlich-rechtlichen
Krankenhäusern durch die Bundesländer garantiert werden."

Pater Gregotsch betonte, dass in einer Spitalsreform auch die
Finanzierung aus einer Hand enthalten sein müsse, um das derzeitige
System von undurchsichtigen Geldströmen mit diversen Förderungen,
Zuschüssen etc. zu optimieren.

"Effizienz = Verhältnis von Kosten und Nutzen" - auch und gerade im
Gesundheitssystem

"Das Gesundheitswesen ist neben den Bereichen Pensionen und
öffentliche Verwaltung einer der drei Kernbereiche bei der
Budgetkonsolidierung in Österreich", betonte Univ.-Prof. Dr.
Gottfried Haber, Alpen-Adria-Universität Klagenfurt sowie
designierter Leiter des Zentrums für Management im Gesundheitswesen
an der Donau-Universität Krems. "Auch hier gilt: Effizienz ergibt
sich aus dem Verhältnis von Kosten und Nutzen.

Der Nutzen muss sowohl in Hinblick auf die Qualität der
medizinischen Leistung als auch unter dem gesamtwirtschaftlichen
Aspekt, also Wertschöpfung und Arbeitsplätze, gesehen werden." Daher
sei für sinnvolle Entscheidungen im Gesundheitssystem vollkommene
Transparenz bei Kosten, Qualität und regionalökonomischer Wirkung
notwendig.

Im Sinne von Transparenz müsse daher die medizinische Leistung für
alle Krankenhäuser gleich bezahlt werden. Ein
LKF(Leistungsorientierte Krankenhausfinanzierung)-Punkt müsse also
überall gleich viel wert sein. Haber: "Selbstverständlich gibt es
aber regionale Unterschiede in den Kosten der Leistungserstellung,
die berücksichtigt werden sollen. Allerdings nicht in Form
unterschiedlicher Werte der LKF-Punkte, sondern über klare
zusätzliche Leistungsvereinbarungen der öffentlichen Hand mit den
Krankenhäusern für besondere Versorgungsaufgaben."

Eine generelle Subventionspolitik mit jeweils unterschiedlichen
LKF-Werten und Zuschüssen mache die Steuerung des Systems fast
unmöglich. "Wir müssen weg von Systemen, die fast die Hälfte der
Gesamtkosten über systematische Abgangsdeckungen finanzieren, hin zu
echten leistungsorientierten Finanzierungssystemen", so Prof. Haber.
Gegen undifferenzierte Sparpolitik - für sinnvolle Investitionen
"Will man die Finanzierbarkeit und die Qualität des österreichischen
Gesundheitswesens auf Dauer sichern, wird man investieren müssen -
und zwar konsequent in Qualität und Effizienz", erklärte Dr. Michael
Heinisch, Geschäftsführer der Vinzenz Gruppe und Mitglied der
Bundesgesundheitskommission. "Undifferenzierte Ausgabenkürzungen
werden jedoch medizinische Leistungs- und Qualitätseinbußen nach sich
ziehen."

Um konsequent in Qualität und Effizienz investieren zu können,
müsse, so Heinisch, eine nachhaltige Gesundheitsreform zuerst
Transparenz hinsichtlich der erbrachten medizinischen Qualität und
des Effizienz-niveaus der einzelnen Gesundheitseinrichtungen
schaffen. Derzeit werden bereits Qualitätserfassungssysteme auf
nationaler Ebene vorbereitet. "Die Ergebnisse von Erhebungen
hinsichtlich medizinischer Qualität und Patientenzufriedenheit müssen
ausschlaggebend für künftige Investitionsentscheidungen sein",
betonte Heinisch. Überdies liegen für sämtliche Krankenanstalten
Kosten- und Effizienzvergleiche des Gesundheitsministeriums vor, die
zu berücksichtigen sind.

Heinisch: "Die Forderung nach mehr Transparenz im Gesundheitswesen
ist auch ein Akt der Wertschätzung gegenüber dem Engagement und dem
Einsatz der Mitarbeiter in den Gesundheitseinrichtungen."

Rating durch unabhängigen Dritten

Kennzahlen für einen objektiven Vergleich der Krankenanstalten
müssten auch laut Rechtsanwalt Dr. Christian Kuhn, Mitglied der
Bundesgesundheitskommission, die Qualität und die Effizienz der
Spitalsleistungen sowie die Patientenzufriedenheit umfassen. Die
Objektivierung bei einem solchen Rating sollte durch unabhängige
Dritte erfolgen und nicht durch Personen, die von einem der
Leistungsanbieter bezahlt werden. Überdies müsse im Spitalsbereich
dem Dogma der Einsparungen eine Offenheit für sinnvolle Investitionen
weichen.

Rückfragehinweis:
P. Leonhard Gregotsch
Arbeitsgemeinschaft der Ordensspitäler Österreichs
1010 Wien, Freyung 6/1/2/3, E-Mail: [email protected]

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | AGO

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel