• 12.04.2012, 14:39:26
  • /
  • OTS0195 OTW0195

AKNÖ-Haneder: Niederösterreich, Land der zwei Geschwindigkeiten

Wien (OTS/AKNÖ) - Die Niederösterreichische Arbeiterkammer stellte
heute, Donnerstag, in St. Pölten die neue Broschüre "Niederösterreich
und seine Regionen vor". Damit gibt es erstmals eine objektive
Datensammlung, die über die Bevölkerungsentwicklung, die
Einkommenssituation, die SchülerInnen- und Lehrlingszahlen sowie den
Arbeitsmarkt und die Entwicklung bei den PendlerInnenzahlen Auskunft
gibt.
AKNÖ-Präsident Hermann Haneder warnte auf Grund der vorliegenden
Studie vor "einer wachsenden Kluft zwischen den Landesteilen". So
gehen im Waldviertel die SchülerInnenzahlen dramatisch und die
Einkommen kontinuierlich zurück. "Das Mostviertel hat sich zum neuen
Boom-Viertel entwickelt", sagte Hermann Haneder, "andere Regionen
dürfen von dieser Entwicklung nicht abgehängt werden". "Die
Lohnunterschiede im Land sind zu groß. Es muss mehr für ein besseres
Bildungsangebot und qualifizierte Arbeitsplätze im Wein- und
Waldviertel getan werden. Sonst zerfällt Niederösterreich in ein Land
der zwei Geschwindigkeiten über und unter der Donau", forderte der
AKNÖ-Präsident.

Schulen und SchülerInnen: Im Waldviertel erstmals weniger als
10.000 PflichtschülerInnen

In den vier Waldviertler Bezirken (Horn, Waidhofen, Gmünd und Zwettl)
gibt es im laufenden Schuljahr nur noch 9.942 PflichtschülerInnen.
Damit wurde die 10.000er-Grenze erstmals unterschritten. In nur fünf
Jahren kam dem Waldviertel jede/r 5. PflichtschülerIn abhanden.
Bei den SchulanfängerInnen konnte das Industrieviertel mit einem Plus
von 3,6 % (im Fünfjahresvergleich) als einziger Landesteil zulegen.
Dem Waldviertel gehen mit minus 10,3 % langsam die Kinder aus. Im
aktuellen Schuljahr verzeichnet das Weinviertel einen Zuwachs bei den
1.-Klasslern um 3, 6 %.

: Allen Appellen zum Trotz: Wieder 116 Betriebe weniger, die
Lehrlinge ausbilden

Das AKNÖ-Nachschlagewerk erlaubt einen Blick um 30 Jahre zurück.
Seither hat sich die Zahl der Ausbildungsbetriebe halbiert. Der
Rückgang kann allen Appellen der Sozialpartner zum Trotz nicht
aufgehalten werden. Auch im laufenden Ausbildungsjahr verabschiedeten
sich 116 Unternehmen von der Facharbeiterausbildung. Im Waldviertel
allein 20. In ganz Niederösterreich ergreifen 19.407 Jugendliche
einen Lehrberuf. Diese Zahl ist im 10-Jahres-Vergleich im Most-,
Wein- und Waldviertel stark rückläufig, im Zentralraum und im
Industrieviertel sogar steigend.

Industrieviertel bleibt das wirtschaftliche Herz
Niederösterreichs

In Niederösterreich gibt es 573.305 Arbeitsplätze. Aktuell leben
nicht weniger als 221.258 Beschäftigte im Industrieviertel. Die
meisten Arbeitsplätze im Industrieviertel bietet allerdings die
öffentliche Hand (40.679), gefolgt von der Gruppe Handel und
Kfz-Reparaturen (39.488), erst an dritter Stelle folgt die
klassische Herstellung von Waren (34.836). Auf den Rängen 2 bis 5
folgen der Zentralraum mit 152.000, das Weinviertel mit 126.000, das
Mostviertel mit 100.000 und das Waldviertel mit 50.000 hier wohnenden
Beschäftigten.
Die Niederösterreicherinnen sind überwiegend im öffentlichen Dienst
(63.853), im Handel (51.263), sowie in der Warenherstellung und im
Gesundheitswesen (21.163) beschäftigt. Die Männer
arbeiten in der Herstellung von Waren (75.002), im
(Kfz-)Handel/Reparatur (47.489), im öffentlichen Dienst (46.818)
sowie im Bauwesen (39.062).

Einkommen: Nur das Mostviertel konnte leicht zulegen, sonst
Einkommensverluste

Im Süden gibt es viel Arbeit, im Westen kann man gut verdienen, im
Nord-Osten wohnt man gerne und im Waldviertel ist die Zukunft
ungewiss. Die Datensammlung der AKNÖ-ExpertInnen zeigt, wie sich die
Landesteile differenzieren. Nur im Mostviertel konnten die Einkommen
bei Männern und bei Frauen im Vorjahr zulegen.

Das allgemeine Klima: Trübe Zukunftsaussichten im Weinviertel,
im Industrieviertel top

Die Broschüre bezieht sich auch auf den neuesten Arbeitsklimaindex.
Er misst die Zufriedenheit mit der Arbeit, die Zukunftsaussichten und
die Einkommenssituation auf einer Skala von 1 bis 100 als Ergebnis
von über 800 Interviews des Instituts IFES. Danach liegt die
Zufriedenheit mit dem eigenen Arbeitsplatz in Niederösterreich mit 72
von 100 Punkten (wobei 80 Punkte als ausgezeichneter Wert gilt) über
dem Österreich-Durchschnitt (69). Auch hier zeigt sich das Bundesland
als ein Land der zwei Gesichter: Im Industrieviertel vergeben die
ArbeitnehmerInnen 75 Punkte für ihren Arbeitsplatz, im Waldviertel
nur 66. Die Zukunftserwartungen liegen im Industrieviertel mit 61
Punkten mit sehr großem Abstand vor dem Weinviertel mit nur 45
Punkten, was als sehr schlechter Wert gilt. AKNÖ-Wirtschaftsexperte
Dr. Jürgen Figerl: "Im Weinviertel haben die ArbeitnehmerInnen die
Hoffnung auf gut bezahlte Arbeitsplätze in der Wohnregion nach einem
Jobverlust praktisch aufgegeben. Sogar das Waldviertel schneidet hier
mit 52 Punkten besser ab."

Pendeln ist NiederösterreicherInnen in die Wiege gelegt

Ob zur - mittleren/höheren - Schule oder zum Arbeitsplatz:
NiederösterreicherIn sein, heißt PendlerIn sein. Von 543.797 im Land
wohnenden ArbeitnehmerInnen (ohne Beamte) pendeln 266.902 in einen
anderen Bezirk aus, wobei das Industrieviertel die größte Zahl an
PendlerInnen stellt, das Weinviertel jedoch den größten Anteil an
AuspendlerInnnen hat. Das Waldviertel gilt nach dieser Definition als
relativ geschlossene Region mit wenigen Ein- und AuspendlerInnen über
die Region hinaus.

Niederösterreich und seine Regionen, 60-seitige Broschüre der
Niederösterreichischen Arbeiterkammer, 2012.

Download unter: http://noe.arbeiterkammer.at/broschueren
Kostenlose Bestelllungen unter: 05-7171-1212.

Rückfragen: Dr. Jürgen Figerl, Tel. 05-7171-1638.

Rückfragehinweis:
AKNÖ Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: (01) 58883-1247
mailto:[email protected]
http://noe.arbeiterkammer.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | AKN

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel