OTS0189   11. Apr. 2012, 16:05

Sauer: Skandalöse und unmenschliche Abschiebepraxis

Superintendent und Diakonie kritisieren Umgang mit tschetschenischer Familie


"Tief erschüttert und mit Entsetzen habe ich gestern die dramatische Abschiebung der Familie G. mitverfolgt", erklärt der evangelisch-lutherische Superintendent von Kärnten und Ost-Tirol, Manfred Sauer gegenüber dem Evangelischen Pressedienst. Ein Familienvater aus Tschetschenien hat sich am Dienstagvormittag im Gebäude der Bezirkshauptmannschaft Villach selbst mit einem Messer am linken Unterarm verletzt. Er sollte am selben Tag mit seiner Frau und den vier Kindern nach Wien zur Abschiebung gebracht werden. In der Zwischenzeit befindet sich die Frau und die Kinder im Familienabschiebezentrum in der Bundeshauptstadt, der Vater soll laut Bezirkshauptmannschaft "nach erfolgter Behandlung im LKH Villach" folgen.

"Nach allem, was gestern passiert ist, bin ich, offen gestanden, geschockt und entsetzt, wie rücksichtslos und unbarmherzig die zuständigen Behörden vorgegangen sind und 'ihre Pflicht' getan haben", so Sauer weiter. Er sei beeindruckt, wie sehr sich die Familie in Österreich integriert habe und berührend, wie besorgt und liebevoll die Eltern mit ihren Kindern umgehen würden, erzählt der Superintendent. Vor wenigen Tagen habe alles noch "sehr verheißungsvoll" ausgesehen. So sei es gelungen, Paten für die Familie zu gewinnen und eine Wohnung in Villach anzumieten. "Trotz der scheinbaren momentanen Aussichtslosigkeit, verbunden mit der Auskunft sämtlicher Verantwortlicher, dass man da nichts mehr machen könne, sollten alle, die nach wie vor nicht bereit sind, sich mit einer derartig unmenschlichen Abschiebepraxis abzufinden, ein sichtbares Zeichen des Protestes und Widerstandes setzen", fordert Sauer.

Auch die Diakonie und der Verein Aspis, der in Kärnten Flüchtlinge betreut, schlagen Alarm. "Alles spricht dafür, dass dieser Familie ein humanitäres Aufenthaltsrecht eingeräumt werden muss. Denn die Frage kann nun nicht mehr sein, ob die Familie alle Gründe für Asyl erfüllen kann, sondern eher, ob die Familie im Falle ihrer erzwungenen Rückkehr nach Tschetschenien ein Leben in Würde und Sicherheit erwartet. Wenn es daran nur den geringsten Zweifel gibt, hat die Republik die humanitäre Verantwortung, Familie G. eine sichere Zukunft in Österreich zu ermöglichen ", so Christoph Riedl, Leiter des Diakonie Flüchtlingsdienstes.

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OTS0189 2012-04-11 16:05 111605 Apr 12 EPD0001 0347




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