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Wiener Zeitung: Leitartikel von Reinhard Göweil: "Und wer rettet uns?"
Ausgabe vom 7. April 2012
Wien (OTS) - Die Karwoche ist vorüber. Es bleibt die bange Frage:
Wird es nächste Woche besser? Erraten, die Rede ist von der
heimischen Innenpolitik. Das BZÖ wollte diese Woche die EU-Beiträge
Österreichs senken, wie originell. Die FPÖ wettert garantiert
folgenlos gegen den "Spritpreiswahnsinn". (Wer hat dieses grauenhafte
Wort eigentlich erfunden?) Die Grünen haben erstaunlicherweise
entdeckt, dass der Postenschacher im ORF einfach weitergeht. Die SPÖ
versüßte uns die Woche mit "Breitband-Honig" von Herrn Gartlehner.
Die ÖVP war auch nicht schlecht: "Berlakovich rettet Käsekrainer".
Wer, bitte, rettet uns? Die Qualität der heimischen Politik schlägt
die der Boulevard-Medien um Längen. Sachkenntnis, kluge Analyse und
Gestaltungswillen muss man mit der Lupe suchen. Die politischen
Parteien beschweren sich immer wieder bei Journalisten, dass die
Politik so schlecht dastehe, weil die Medien negativ, manchmal
gehässig über sie berichten. Mag sein. Umso wichtiger wäre es, mit
Sachkenntnis, kluger Analyse und Gestaltungswillen dagegenzuhalten.
Österreich ist beim Klimaschutz weit vom Weg abgekommen, und der
zuständige Minister rettet die Käsekrainer. Die Opposition gefällt
sich mit Forderungen, die gesellschaftspolitisch so relevant sind wie
das Niesen einer Zwergkatze für die Erdbebenforschung.
Das Hauptproblem der "Politik-wie-wir-sie-kennen" besteht darin, dass
ihre öffentlichen Debatten mit dem wirklichen Leben immer weniger zu
tun haben. Viele Menschen, die in einer immer künstlicheren Welt nach
Authentizität suchen, wenden sich eben deshalb von der Politik ab.
Diese ist nämlich genauso künstlich wie die oft mit Schadstoffen
angereicherten Eierfarben.
Es ist der Erfolg von Menschen wie Joachim Gauck in Deutschland, dass
sie echt sind. Sie leben vor, was sie sagen. Und sie überlegen
vorher, was sie sagen. Viele Polit-Funktionäre dagegen produzieren,
um zu übertünchen, dass sie keine Ahnung haben, wohin diese
Gesellschaft steuern soll, bloßen Wortmüll. Sie entwerten damit das
wichtigste Instrument einer demokratischen Debatte: die Sprache.
Die Karwoche ist vorüber. Am Dienstag nach Ostern ist Sondersitzung
des Nationalrates zum Korruptions-U-Ausschuss. Wird es besser?
Wer weiß, aber es gilt der Satz: Die Hoffnung stirbt zuletzt.
www.wienerzeitung.at/leitartikel
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Tel.: +43 1 206 99-474
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