- 05.04.2012, 18:15:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Wir sind vor lauter Angst gelähmt - von Esther Mitterstieler
Der Feind sitzt jedenfalls immer fern der österreichischen Heimat
Wien (OTS) - Es ist schon ein seltsames Bild, das dieses
Österreich im April 2012 hergibt: Wir haben einen U-Ausschuss des
Parlaments zum Thema Korruption, und keiner will dabei gewesen sein
oder die seltsamen und bisweilen enormen Geldflüsse als
Bestechungsgelder erkannt haben. Schon gar nicht will man in
irgendeiner Form in Zusammenhang mit Korruption genannt werden. Egal
ob ÖVP, SPÖ, BZÖ/FPÖ: Ein bisschen mitpartizipiert haben sie alle bei
fröhlichen Einladungen. Da muss den Herrschaften geradezu angst und
bange werden, weil das System erodiert und plötzlich nicht mehr sein
darf, was mal selbstverständlich war: ein kleiner Jagdausflug da und
eine günstige Mietwohnung dort. So etwas muss Angst machen.
Umfragen zeigen, dass Österreicherinnen und Österreicher mehr Unmut
über die Korruption empfinden als Angst etwa vor einer gröberen
Eurokrise zu haben. Darauf muss die Politik natürlich reagieren.
Jetzt gibt es wieder einige bezeichnende Kampagnen gegen die Höhe des
Benzinpreises, gegen genmanipulierte Lebensmittel, gegen die böse
Macht der Atomkraft. Das sind alles nicht zu vernachlässigende
Bereiche, die aber eines gemein haben: Sie sind derart unkonkret
formuliert, dass man das Volk einfach und schnell auf die Barrikaden
treiben kann. Der Feind sitzt jedenfalls immer fern der
österreichischen Heimat und ist meist in Brüssel zu finden.
Die Ölmultis für die vor Ostern konstatierte Treibstofferhöhung
abzuwatschen, ist zu billig, nascht doch die Finanzministerin kräftig
mit. Abgesehen davon, dass eine Erhöhung des Benzinpreises sozial
gerechter ist als manch andere Steuer. Ohne genmanipulierte
Lebensmittel wäre der Hunger in der Welt noch ärger. Ohne Atomkraft
wären in vielen Teilen Europas die Lichter aus.
Es geht nicht darum, ob wir dafür oder dagegen sind: Der
Wirtschaftsstandort Österreich ist in Gefahr, wenn man nur den
Per-se-Neinsagern das Wort überlässt. Im Nichtlebensmittelbereich ist
Genmanipulation doch allemal begrüßenswert. Forschung trägt einen
bedeutenden Teil für das Wachstum einer Gesellschaft bei. Aber wir
tun uns sogar damit schwer, gute Forscher ins Land zu lassen, vor
lauter behördlichen Beschränkungen. Nur weil früher alles so war,
muss es heute und morgen nicht so bleiben. Lassen wir uns doch von
der Angst nicht lähmen!
Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]
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