• 04.04.2012, 18:15:31
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WirtshaftsBlatt-Leitartikel: Compliance, oder wie man die Weste reinwäscht - von Ingrid Krawarik

Eigentlich geht es schlicht und einfach um Transparenz

Wien (OTS) - Grundsätzlich ist es ja so, dass erst einmal etwas
Schlimmes passieren muss, bevor überhaupt über Änderungen nachgedacht
wird. Bei Siemens war es vor einigen Jahren die größte
Korruptionsaffäre der Geschichte Deutschlands, die den Konzern zum
Umdenken veranlasste. 1,3 Milliarden Euro Schmiergeld waren zwischen
den Jahren 1999 und 2006 geflossen, bevor der Skandal publik wurde
und Siemens in die Knie zwang. 2,5 Milliarden Euro kosteten die
Aufräumarbeiten - die sich gelohnt haben, denn der Konzern steht
heute international als Musterbeispiel eines geläuterten Schuldigen
da.

Das Stichwort heißt Compliance. Schade nur, dass sich mit dem Wort an
sich so wenig anfangen lässt. Und dann auch wieder nicht. Denn
eigentlich geht es schlicht und einfach um Transparenz. Das hat auch
die Telekom Austria erkannt, die gerade dabei ist, sich von ihrer
Zwielichtigkeit zu befreien. Besonders börsenotierte Unternehmen sind
in den vergangenen Jahren auf den Geschmack gekommen, dass es
durchaus Vorteile hat, transparent zu sein. Bei KMU ist dieser
Gedanke zum Teil noch nicht angekommen. Genauso wenig wie in der
Politik. Bestes Beispiel ist der Korruptions-Untersuchungsausschuss,
der schon längst zu einer Posse verkommen ist - und noch ein
Schäuflein dazu beigetragen hat, dass Österreichs internationaler Ruf
schwer beschädigt ist. Gestritten wird aber vor allem darüber, wer
wen vorladen darf, vom "Reinigungsprozess" ist nichts zu sehen. Dass
die Lernfähigkeit der Politik gleich null ist, überrascht zwar nicht,
hilft aber auch nicht weiter, das Ansehen des Landes sauberzuwaschen.

Compliance fängt übrigens bei jedem Einzelnen an. Diskutiert wird
meist auf niedriger Ebene. Da geht es dann um Blumensträuße,
Einladungen zum Abendessen oder auch Reiseeinladungen, wo jeder
selbst oder das Unternehmen entscheiden sollte, was angemessen ist.
Den echten Tango Korrupti spielt's aber ganz woanders. Das fängt in
den Graubereichen von Lobbying und Co. an und führt über
Preisabsprachen, Bestechung im großen Stil und Schmiergelder in den
Dunstkreis der Kriminalität. Wichtig ist, dass jede Verfehlung
Konsequenzen haben muss. Hier scheint Deutschland schon erwachsener:
Immerhin treten beim Nachbarn Politiker zurück, wenn ihre weiße Weste
angepatzt ist - ein Entschluss, den österreichische Politiker aus
Prinzip nicht fassen würden. Ein erster Schritt hierzulande wäre,
politisch besetzte Ressorts, Aufsichtsräte oder Chefetagen der
Vergangenheit zu überantworten und lieber auf unabhängige Profis zu
setzen.

Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]

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