• 04.04.2012, 11:36:25
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Industrie kämpft mit konjunkturellen Unsicherheiten

Gleichbleibende Einschätzung der künftigen Geschäftsentwicklung - Fragezeichen im Export - Rückgang der Auftragseingänge zum Ende des Vorjahrs - Deutliches Plus bei Lehranfängern

Wien (OTS/PWK228) - "Wir haben es aktuell mit einer schwierigen
Situation zu tun. Gesamtwirtschaftlich gesehen wird mit einem
Wachstum von bis zu 0,8 Prozent für 2012 gerechnet. Für die Eurozone
selbst, in der sich die größten Exportpartner der Industrie befinden,
wird aber kein Wachstum prognostiziert", betonte heute, Mittwoch, der
Geschäftsführer der Bundessparte Industrie, Manfred Engelmann.
Gleichzeitig kämpfe die Industrie - durch die bereits im Vorjahr
beschlossenen Budgeteinsparungen sämtlicher Gebietskörper-schaften -
mit rückläufigen Aufträgen von Infrastrukturprojekten.
Hauptbetroffen: Die heimische Bauwirtschaft und baunahen Branchen. In
der Folge verliefen die Inlandsaufträge der heimischen Industrie seit
Jahresmitte 2011 schleppend und zu Jahresende waren sie sogar leicht
rückläufig. Durch die in der Zwischenzeit mit dem Stabilitätsgesetz
2012 beschlossenen Budgeteinsparungsmaßnahmen ist auch für heuer
wenig "Besserung" zu erwarten.

So zeigt die von der Bundessparte Industrie durchgeführte
Konjunktureinschätzung der Industriefachverbände betreffend die
Merkmale "Produktion", "Auftragseingänge" sowie "Beschäftigte" für
das Startquartal 2012 eine mehr oder weniger gleichbleibende
Entwicklung der Industriekonjunktur. Bei der Produktion rechnen zwei
Drittel der Betriebe mit einer gleichbleibenden Entwicklung, die
beiden Fachverbände Papier sowie Stein/Keramik einen geringen
Rückgang sowie drei Branchen - Holz, Maschinen/Metallwaren und
Textil/Bekleidung/Schuh/Leder - erwarten einen leichten Anstieg. Die
Einschätzung der Auftragseingänge für das 1. Quartal 2012 fällt bei
über 80 % gleichbleibend aus. Rund 70 % der Branchen erwarten zudem
eine gleichbleibende Beschäftigtenentwicklung, drei Fachverbände -
NE-Metall, Bergwerke/Stahl sowie Maschinen/Metallwaren - rechnen mit
einem Beschäftigtenanstieg hingegen ein Fachverband - Glas - mit
einem Beschäftigtenrückgang.

Unklare Exportentwicklung auf den Hoffnungsmärkten

"Die Industriekonjunktur entscheidet sich am Exportmarkt", so
Engelmann. Dreiviertel der industriellen Auftragseingänge kommen aus
dem Ausland. Die durchschnittliche Exportquote der Industrie liegt
bei knapp unter 60 %, wobei einzelne Branchen, wie bei-spielsweise
Fahrzeuge, Gießereien und Papier zwischen 75 % und 90 % ihrer
Herstellung weltweit exportieren. In der Einschätzung der
Auslandsaufträge stoße man jedoch gerade in den nächsten Monaten auf
mehr oder weniger große "Unsicherheiten".

Während die nordamerikanische Wirtschaft und auch die asiatischen
Märkte, in die immerhin je 6 % unserer Exporte gehen, nach wie vor
als Hoffnungsmärkte der heimischen Industrie angesehen werden können,
sind die wirtschaftlichen Entwicklungen und in der Folge die
Exportaufträge der heimischen Betriebe in Ländern wie Italien,
Spanien, Portugal, aber auch Ungarn, von Griechenland ganz zu
schweigen, durch deren Budgetkonsolidierungen als äußerst schwierig
einzustufen. Alleine in diese oben erwähnten EU-Länder gehen jedoch
14 % der österreichischen Exporte!

Industrielehre: 10 % mehr Lehranfänger

Ein deutliches Plus verzeichnet die Industrie im Bereich der
Lehranfänger. Bereits zum zweiten Mal in Folge konnte deren Zahl
gesteigert werden, heuer um exakt 10,8 Prozent. "Wir wissen, dass
eine wesentliche Herausforderung in der Zukunft die Sicherstellung
des Fachkräftebedarfs insbesondere in technisch-handwerklichen bzw.
technisch-naturwissenschaftlichen Berufen ist. Deshalb haben wir
unsere Anstrengungen verstärkt, um das Fachkräftepotential von Morgen
zu heben", so Engelmann.

Die Gesamtzahl der Lehrlinge beträgt über alle Sparten lt.
offizieller Lehrlingsstatistik der WKÖ (zum Zeitpunkt 31.12.2011)
128.078, das ist gegenüber dem Vorjahr ein Rückgang um 1,3 %. Zurück
gegangen ist auch die Gesamtzahl der Lehranfänger um etwa 0,7 %.
Ausnahme von dieser Entwicklung ist die Sparte Industrie mit einem
Zuwachs von 10,8 %, gefolgt von Handel (+ 3,6 %) und Gewerbe (+ 1,1
%). Den größten Rückgang bei den Lehranfängern verzeichneten die
Überbetrieblichen Ausbildungseinrichtungen (ÜBA) mit fast 18 %. Nach
der Neuordnung der Lehrberufe im Metall- und Elektrobereich zu
Modul-Lehrberufen zählen diese Lehrberufe nun zu den beliebtesten bei
der männlichen Jugend. Metalltechnik scheint erfreulicherweise auch
noch unter den Top 10-Lehrberufen bei Mädchen auf.

Gesamtjahr 2011: Starker Produktionswert und leichtes Personalplus

Mit einem Produktionswert von 143,9 Mrd. EUR konnte die heimische
Industrie 2011 den 2008 erzielte Wert von 138,6 Mrd. EUR nominell
erstmals wieder übertreffen. Im Vergleich zu 2010 vergrößerte sich
die Produktion im vergangenen Jahr um nominell 13,0 %. Real bedeutet
dies ein Plus von 9,1 %. Betrachtet man die einzelnen
Industrie-Branchen, so zeigt sich, dass 2011 neben den Branchen
Gas/Wärme und Mineralöl, die taditinell stark von den
Rohstoffpreisentwicklungen abhängen, die Industriezweige Bergbau und
Stahl, Fahrzeuge, Maschinen & Metallwaren sowie NE-Metall ihr
Produktionsniveau überdurchschnittlich steigern konnten. Die
geringsten Produktionszuwächse erzielten hingegen die Branchen Glas,
Stein/Keramik und Textil/Bekleidung/Schuh/Leder.

Gesamt gesehen konnten rund die Hälfte der Industriefachverbände
den starken Konjunktureinbruch im Jahr 2009 wieder ausgleichen. Im
Durchnschnitt lag der Produktionswert 2011 nominell nur um 3,8 % über
dem Ergebnis 2008 - dem Jahr vor dem Einbruch. Die um Storni
bereinigten Auftragseingänge der Industriebetriebe betrugen im
Gesamtjahr 2011 nach den vorläufigen Ergebnissen 85,7 Mrd. EUR. Damit
lagen sie um nominell 6,15 % bzw. um 5 Mrd. EUR über den Werten des
Jahres 2010, jedoch immer noch um 1,6 Mrd. EUR unter dem bisherigen
Höchststand des Jahres 2007! Während die inländischen
Auftragseingänge, die rund ein Viertel der gesamten Eingänge
ausmachen, mit 23,3 Mrd. EUR um 4,6 % über dem Wert von 2010 lagen,
konnten die ausländischen Auftragseingänge der Industriebetriebe 2011
mit 62,4 Mrd. EUR um 6,8 % zulegen. Im Verlauf des Jahres 2011
verlangsamte sich von Quartal zu Quartal jedoch die Entwicklung der
Auftragseingänge. Vor allem die ausländischen Auftragseingänge
brachen im Schlussquartal 2011 um 6,7 % zum Vorjahresquartal ein
(November 2011: - 7 %, Dezember 2011: - 15,6 %).

Die Anzahl des Eigenpersonals in den österreichischen
Industriebetrieben erhöhte sich im abgelaufenen Jahr um 1,71 % auf
insgesamt 404.456 Arbeitnehmer und lag damit um 6.811 Beschäftigte
über dem Jahresdurchschnitt 2010. Zählt man zum Eigenpersonal das in
der Industrie tätige Fremdpersonal hinzu, so wies der
Gesamtbeschäftigtenstand 2011 insgesamt 429.225 Arbeitnehmer aus, ein
Plus von 2,69 % zum Stand des Jahres 2010.

Im Export konnte die Industrie 2011 in der mit großem Abstand
bedeutendsten Produkt-gruppe punkten: Maschinenexporte nahmen mit
einem Wert von fast 22 Mrd. Euro 18 % der Gesamtexporte ein. Ihr
Exportvolumen wuchs gegenüber dem Vorjahr um 13,2 %. Dahinter folgten
"Elektrische Maschinen und Apparate" (Anteil von 10 %) sowie
"Kraftfahrzeuge (Anteil von 9 % an Gesamtexporten; + 18 % gegenüber
dem Vorjahr)". Die 5 größten Exportwarengruppen machen zusammen rund
die Hälfte der österreichischen Ausfuhren aus. (us)

Rückfragehinweis:
Wirtschaftskammer Österreich, Bundessparte Industrie
Dr. Manfred Engelmann
Tel.: (+43) 0590 900-3422, F:(+43) 0590 900-273
mailto:[email protected]
http://wko.at/industrie

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