- 03.04.2012, 18:15:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Warum die US-Wirtschaft nicht umzubringen ist... - von Hans Weitmayr
...und insbesondere Europa vorerst darüber froh sein sollte
Wien (OTS) - Diesmal blieb der Aufschrei aus dem Rest der Welt
aus, als die USA einen Anstieg des Jänner-Handelsbilanzdefizits um
mehr als vier Prozent meldeten. Steigende Ungleichgewichte aus der
Handels- und der daraus hergeleiteten Leistungsbilanz galten die
längste Zeit als Zeichen dafür, dass die USA auf Kredit leben. Dabei
handle es sich um eine Art postimperiale Steuer, wurde kritisiert,
denn aufgrund der Dollar-Vormacht sei der Rest der Welt dazu
verdammt, US-Schulden zu kaufen und so ad infinitum die US-Wirtschaft
aufgrund der niedrigen Zinsen mehr oder weniger profitfrei zu
finanzieren. Das würde zu Ungleichgewichten führen und die Welt
irgendwann in den Abgrund stürzen. Die geplatzte US-Immo-Blase gilt
als Beweis dieser These.
So weit, so richtig.
So weit, so obsolet.
Denn dieser Tage bedeutet ein steigendes US-Handelsbilanzdefizit
genau eines: Der US-Konsument kauft ein. Vielleicht auf Pump, aber er
kauft ein. Und zwar aus Ländern wie China, Deutschland und
Österreich. Getrieben wird die Importwut einmal mehr vom totgesagten
US-Konsumenten. Die USA übernehmen damit von China wieder ihre
traditionelle Rolle als globale Konjunkturlokomotive.
Derzeit - und nur derzeit - kann man zu dieser Situation nur sagen:
Gott sei Dank.
Denn die Befürchtung, dass Emerging Market-Volkswirtschaften nach wie
vor nicht über die nötige Zugkraft verfügen, um die Welt aus einer
Rezession zu holen, bewahrheitet sich dieser Tage. Brasiliens BIP ist
2011 um weniger als drei Prozent gewachsen, Chinas Dynamik tendiert
gegen acht Prozent - für das Schwellenland werden damit Kräfte frei,
denen man sich im Westen nur in einem rezessiven Umfeld stellen muss.
All das darf eigentlich niemanden überraschen, leben diese
Volkswirtschaften doch vor allem von einem: dem Export. Eine
Exportwirtschaft ohne Exportmarkt kann aber letzten Endes nur eines:
absaufen.
Deshalb ist es unter den aktuellen Umständen so wichtig, dass den USA
erlaubt wird, ihre imperialen Steuern einzuheben - denn was beim
Hinweis auf die Ungleichgewichte oft und gerne vergessen wird, ist
die geschilderte Umwegrentabilität. Diese ist in Boom-Zeiten für den
Rest der Welt natürlich marginal - wenn überhaupt vorhanden. In
Krisenzeiten ist sie jedoch enorm. Das Lamento, es seien doch die USA
gewesen, die uns die Krise eingebrockt hätten, und es erscheine
irgendwie pervers, genau dieses Versagen noch zu unterstützen, ist
auch wieder richtig.
Und auch wieder obsolet.
Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
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