• 03.04.2012, 11:26:25
  • /
  • OTS0069 OTW0069

Milchwirtschaft: 2011 war Jahr der Stabilisierung

Umsatzplus von 2,2 Prozent aber Halbierung des EGT - neuer Export-Rekordwert

Wien (OTS/PWK225) - "2011 war für die österreichische
Milchwirtschaft ein Jahr weiterer Stabilisierung. Aufgrund der festen
Vorgaben vom EU- und Weltmarkt konnten die Molkereien die
Milchauszahlungspreise in Österreich bei gestiegener Anlieferung
erhöhen und damit zu einer notwendigen Verbesserung der bäuerlichen
Einkommen beitragen", betonte heute, Dienstag, der Direktor der
Präsident der Vereinigung der Österreichischen Milchverarbeiter,
Helmut Petschar, im Rahmen der Jahrespressekonferenz in Wien. Der
Wehrmutstropfen: Die Molkereien selbst verdienten deutlich weniger.
Bei den Exporten konnte ein Rekordwert erzielt werden, gleichzeitig
stiegen die Importe. Zuletzt erfolgten bei den internationalen
Notierungen einige Preiskorrekturen, die auch in Österreich
Auswirkung zeigten. Für 2012 rechnet die VÖM mit weiteren
Preiskorrekturen. Angesichts der nach wie vor fundamental guten
Absatzlage in Europa und auf den internationalen Märkten ist derzeit
die weitere Marktentwicklung spannend. Ziel ist es, den
Durchschnittspreis für Erzeugermilch aus 2011 zu halten. Die
Erzeugerpreise lagen in der ersten 2 Monaten 2012 bei
durchschnittlich 41,58 Cent/kg (natürliche Inhaltsstoffe, inkl.
Steuern) und damit um 6,7 Prozent über dem Niveau von 2011.

Konkret erreichten die Umsätze der österreichischen
Milchverarbeiter im Jahr 2011 mit 2,2 Milliarden ein Plus von ca. 6
Prozent, dies zum einen aufgrund des gestiegenen Preisniveaus bei
Milchprodukten als auch aufgrund der höheren Verarbeitungsmenge. Das
bereinigte EGT des Umsatzes im Durchschnitt der österreichischen
Molkereien ging jedoch von 1,2 Prozent auf nur mehr 0,5 Prozent
zurück. "Die Ursache dafür ist vor allem, dass es nicht möglich war,
die notwendigen Preisanpassungen beim Handel, die aufgrund der
gestiegenen Rohstoffkosten zu vermerken waren, entsprechend
umzusetzen", so Petschar. Der durchschnittliche Verwertungserlös
konnte je Kilogramm Milch im Jahr 2011 von 69,51 Cent auf 73,00 Cent
gesteigert werden, so die Ergebnisse einer Hochrechnung des
Raiffeisenverbandes Oberösterreichs für die Österreichische
Milchwirtschaft. Dies zeigt, dass in den Molkereien äußert knapp
kalkuliert wird.

Deutlich gesteigerte Milchanlieferung

Die Milchanlieferung selbst lag 2011 mit 2,9 Mio. t um 4,4 Prozent
über dem Wert des Vorjahres. Die Erzeugerpreise sind 2011 von 35,53
Cent auf 39,62 Cent um 11,5 Prozent gestiegen (Milch mit natürlichen
Inhaltsstoffen, ab Hof, inkl. MwSt). Die österreichischen
Erzeugerpreise lagen im 2011 mit 35,4 Cent/kg (exkl. MwSt) laut
EU-Berechnungsmethode um 4,1 Prozent über dem EU-Durchschnitt von
34,0 Cent/kg (Quelle: EU-Kommission). "Wir müssen uns dabei aber
immer vor Augen halten, dass die österreichische Milchwirtschaft mit
flächendeckender Gentechnikfreiheit, hohen Umweltstandards und
kleinen Strukturen, zum Großteil in Berg- und benachteiligten
Gebieten und damit mit deutlich höheren Kosten produziert. Daher ist
es auch notwendig, dass diese erhöhten Kosten auch entsprechend
abdeckt werden", unterstrich der VÖM-Präsident.

Das durchschnittlich ausbezahlte Milchgeld österreichischer Bauern
konnte von 29.366 Euro auf 34.246 Euro um 16,6 Prozent erhöht werden,
damit erfolgte ein notwendiger Beitrag zur Stabilisierung der
bäuerlichen Einkommen. Die Zahl der Milchlieferanten ging 2011 von
36.583 auf etwa 35.400 neuerlich um 3,2 Prozent zurück. Die
durchschnittliche Milchanlieferung stieg hingegen von 76 auf 82 t pro
Jahr und Milchbauer um 7,9 Prozent recht deutlich.

VPI-Entwicklung zeigt: Milchprodukte nach wie vor günstig

Bei den Milchprodukten zeigt sich, dass trotz einzelner moderater
Preiserhöhungen bei einzelnen Milchprodukten im Jahr 2011,
Milchprodukte in Österreich nach wie vor günstig sind. Dies zeigt ein
Vergleich der Entwicklung des Verbraucherpreisindexes 1986,
demzufolge der Gesamtindex in diesem Zeitraum um 74 Prozent gestiegen
ist, Nahrungsmittel um 59 Prozent, aber Milchprodukte nur um 34
Prozent, während hingegen Wohnung, Wasser und Energie um 112 Prozent
und die Lohnentwicklung sich um 119 Prozent erhöhte. "Von teuren
Lebensmitteln kann daher keine Rede sein, auch ist der Anteil des
durchschnittlich für Lebensmittel ausgegeben Einkommens laufend
zurückgegangen und beträgt derzeit ca. 12,1 Prozent, 1,64 Prozent
werden für Milchprodukte ausgegeben. Die Preise für Standardprodukte
bei Butter und Käse liegen zurzeit deutlich unter den Preisen vor 30
Jahren", so Petschar.

Preisvergleiche müssten auch den Fokus auf die Ausrichtung der
heimischen Milchwirtschaft auf höchste Qualitätsstandards beinhalten
(Heumilchprodukte, hoher Biomilchanteil und regionale Spezialitäten).
"Klar ist, dass derartige Produkte somit nicht die billigsten
innerhalb der EU sein können, wie dies z.B. von der Arbeiterkammer
vorgehalten wird, zumal gentechnikfreie Produktion und höhere
Qualitätsniveaus bei diesen Preisvergleichen nie erwähnt werden",
unterstrich Petschar. In Hinblick auf den heimischen
Lebensmitteleinzelhandel sei man mit einer laufenden Erweiterung der
Eigenmarken des Lebensmitteleinzelhandels konfrontiert. Gleichzeitig
würden vor allem im Preiseinstieg Billigstprodukte aus dem Ausland
platziert. Diese wurden in weiterer Folge über "Bestpreisgarantien"
mit heimischen Produkten verglichen, die auf deutlich höheren
Standards basieren, so der VÖM-Präsident.

Neuer Rekordwert im Milch-Außenhandel, Käse ist Exportkaiser

Im Jahr 2011 erreichte der milchwirtschaftliche Außenhandel neue
Rekorde: Die Exporte stiegen vom 908 Mio. Euro auf 970 Mio. Euro um
62 Mio. Euro (plus 6,8 Prozent), gleichfalls stiegen die Importe von
534 Mio. Euro auf 584 Mio. Euro um 50 Mio. Euro (plus 9,4 Prozent).
Dies bedeutet auch ein höheres positives Außenhandelssaldo von 386
Mio. Euro (plus 3 Prozent) sowie eine Exportquote von 44,1 Prozent
und eine Importquote von 26,5 Prozent (Quelle: Statistik Austria).
Die gestiegenen Exporte resultieren aus der Mehrlieferung in
Österreich, gleichfalls kam es zu steigenden Importen, die vor allem
vom Handel für den Preiseinstieg bei Handelsmarken genutzt werden,
teilweise auch für die Weiterverarbeitung bzw. Weiterverbringung in
das Ausland. Für die österreichische Milchwirtschaft ist jedenfalls
die hohe Abhängigkeit von den Auslandsmärkten sehr wichtig, gerade
auch im Hinblick auf die Entwicklung nach Quotenende. Wichtigstes
Exportprodukt ist Käse. Erstmals konnten 102.000 t exportiert werden,
importiert wurden 89.000 t. Die Exporte beliefen sich wertmäßig auf
415 Mio. Euro, die Importe auf 351,5 Mio. Euro. Wichtigste
Exportländer sind nach wie vor Deutschland und Italien, importiert
wird vor allem aus Deutschland und anderen EU-15-Ländern. (us)

Die Charts zur Jahrespressekonferenz finden Sie unter wko.at

Rückfragehinweis:
Wirtschaftskammer Österreich, Stabsabteilung Presse
Mag. Ulrike Sangeorzan-Sporer
Tel.: (+43) 0590 900-4161, F:(+43) 0590 900-263
mailto:[email protected]
http://wko.at/Presse

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PWK

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel