- 28.03.2012, 15:45:07
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KMU-Gipfel mit Bürgermeister Michael Häupl: "EPU und KMU sind nicht die kapitalistischen Ausbeuter!"
GR Katharina Schinner: "Wir glauben an die Generation Wirtschaft!"
Wien (OTS) - Im Designtower "Stilwerk Wien" fand der 33.
KMU-Gipfel mit Bürgermeister Michael Häupl statt, moderiert von LAbg.
GR Katharina Schinner, Vize-Präsidentin des Sozialdemokratischen
Wirtschaftsverbandes (SWV Wien). Rund 300 Unternehmerinnen und
Unternehmer folgten der Einladung des Jungen SWV Wien. Katharina
Schinner:"Auf den KMU-Gipfeln wollen wir den Selbstständigen die
Möglichkeit zur Vernetzung und neueste Informationen, z.B. über
passende Förderungen bieten. Diesmal gab es aber auch die
Gelegenheit, von Bürgermeister Häupl direkt Antworten auf brennende
Fragen zu bekommen. Ich freue mich sehr, dass so viele das Angebot
angenommen haben und unsere Gäste waren!"****
Rekord bei internationalen Ansiedlungen
Trotz der angespannten Wirtschaftsituation ist Wien noch immer ein
guter Standort für internationale Betriebsansiedlungen. 2011 konnte
Wien mit 126 Betrieben, 13 mehr als 2010, einen Rekord bei den
internationalen Betriebsansiedlungen vermelden. "52% aller
Auslandsinvestitionen in Österreich werden in Wien getätigt", brachte
der Wiener Bürgermeister die Sache auf den Punkt. Für internationale
Manager seien im Wesentlichen zwei Kriterien wichtig: die
betriebswirtschaftlichen "hard facts" wie Steuern oder
Personalkosten, aber auch die Verlässlichkeit. "Einige Unternehmen,
die in Ungarn investiert hatten, kommen wieder nach Österreich
zurück, weil in unserem Land Rechtssicherheit herrscht", erklärt
Michael Häupl. Und da seien auch noch die "soft facts", immerhin sei
Wien zum dritten Mal Weltmeister in Bezug auf Lebensqualität
geworden. "Trotzdem befinden wir uns in einem Wettbewerb, wir haben
uns jeden Tag um Investoren zu bemühen", so Häupl.
Europäische Städte stehen vor neuen Herausforderungen
Wien stehe trotz Sparkurs im Vergleich mit anderen Städten gut da.
"Wenn wir vom sparen reden, heißt das beispielsweise im Spitalswesen,
dass wir statt des prognostizierten Leistungszuwachses von 7% nur
3,5% haben werden. Sofern die Prognosen stimmen, können wir 2016 260
Mio Euro weniger ausgeben." In Rom, Mailand oder Madrid hingegen
ginge es um ein Minus von bis zu 20%.
Intelligentes Sparen ist gefragt
Die Stadt tut sehr viel, um die Auswirkungen des Sparpakets
abzumildern und gleichzeitig die Folgen für die Wienerinnen und
Wiener und damit natürlich auch für die Wiener Unternehmen möglichst
gering zu halten. "Wir müssen uns das im Detail anschauen, wo wir
höhere Effizienz erreichen können, z.B. sollte nur eine Stelle
bestimmte Förderungen machen und nicht drei", erklärt Häupl. Zum
Thema Gebührenerhöhung findet der Bürgermeister ganz klare Worte:
"Kein Mensch freut sich über Gebührenerhöhungen, aber da geht es den
Wiener Stadtwerken genauso wie jedem anderen Unternehmen. Wir müssen
betriebswirtschaftlich denken. Ich lasse es aber nicht zu, dass wir,
wenn wir keine Preiserhöhungen machen, den Vorwurf bekommen, wir
wären nicht in der Lage, ein Unternehmen zu führen und man daher
privatisieren müsse." Am Beispiel U - Bahn Steuer erläutert Katharina
Schinner, dass viele Menschen nicht wüssten, dass diese Steuer 100%
zweckgebunden ist und damit dem U - Bahnausbau voll und ganz zu Gute
kommt. "Die Investitionen lohnen sich, wie man z.B. in Ottakring
sieht. Dort sind viele neue Unternehmen rund um die
Infrastrukturmaßnahmen entstanden", ergänzt Häupl.
Veränderung der Arbeitswelt
Die Arbeitswelt von heute hat sich sehr verändert:
Einpersonenunternehmen, Bürogemeinschaften, Co-Working-Spaces sind
Alltag geworden. Oft stecken EPU in vergleichbar schlechten
Verhältnissen wie unselbständig Beschäftigte. "Es spricht viel für
die EPU als neue Kernklientel der Sozialdemokratie. Die alten
Vorstellungen vom armen Unselbständigen auf der einen Seite und dem
kapitalistischen Ausbeuter auf der anderen Seite haben sich durch
gesellschaftliche Realitäten überholt. Wir müssen vielmehr darauf
achten, wie die realen sozialen Verhältnisse eines Individuums
aussehen", zeigt Häupl Verständnis für die Situation vieler KMU und
EPU.
Bekämpfung der Wirtschaftskrise - Konjunktur beleben
Für die Bekämpfung der Wirtschaftskrise gäbe es kein Allheilmittel.
Es bedürfe der Zusammenarbeit aller in Europa, um die Krise
nachhaltig zu bekämpfen. Österreich hätte rechtzeitig Maßnahmen
ergriffen, um den öffentlichen Haushalt in Ordnung zu bringen. Jetzt
bräuchte es wirtschaftsfördernde Maßnahmen: "Wenn wir den Wohlstand
und die Arbeitsplätze erhalten wollen, dann dürfen wir die Konjunktur
nicht abwürgen, weil es das Wachstum hemmt und wir sonst niemals aus
der Spirale herauskommen. Wir brauchen nachhaltige Investitionen in
den Bereichen Bildung, Forschung und Wissenschaft", so Häupl. Es gehe
auch darum, klare politische Signale zu setzen, z.B. beim Ausbau des
öffentlichen Verkehrs als Alternative zum Individualverkehr, wo
25.000 Arbeitsplätze gesichert würden. Das unterstütze nicht nur
Großbetriebe, sondern auch KMU und EPU.
Bildung als entscheidender Faktor für die Zukunft
In Wien hätte man bereits mit der Einführung des Gratiskindergartens
begonnen, die Bildung aus einer neuen Perspektive zu betrachten.
Kindergärten seien "die ersten Bildungseinrichtungen und keine
Kindergarderobe", formuliert Häupl. Die gemeinsame Schule der 10 bis
14-jährigen sei ein wichtiger Schritt, der heute schon Realität sei.
Es werden 18 neue Ganztagsschulen gebaut, 11 davon mit einem Campus.
Dazu seien aber auch Veränderungen in der Lehrerausbildung und eine
Weiterentwicklung der Lehrpläne notwendig. Sprachkenntnisse, und
nicht nur Englisch, seien unerlässlich: "Wir leben in einem neuen
Mitteleuropa, Bratislava liegt so nahe bei Wien wie St. Pölten. Wir
brauchen bestausgebildetes Personal sowohl für die
Wirtschaftsentwicklung als auch für die Menschen selbst. Bildung ist
mehr als nur wissen, nämlich das Wissen darüber, wie bewältige ich
mein Leben!" schloss Bürgermeister Michael Häupl. (Schluss)
Rückfragehinweis:
Dr.Ursula Scheidl Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Sozialdemokratischer Wirtschaftsverband Wien Mariahilfer Straße 32, 1070 Wien Tel.:+43(1)525 45 42 [email protected]
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