- 22.03.2012, 11:54:46
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Leitl: SVA startet erste Urbefragung aller Versicherten in der Geschichte der Sozialversicherung
Beiträge minus 30 Prozent umgesetzt, Krankengeld für Selbständige bis Sommer
Wien (OTS) - "Uns geht es um die soziale Absicherung von
Selbständigen - sie leisten viel und dürfen nicht alleine dastehen,
wenn es einmal hart auf hart kommt", sagte SVA-Obmann Christoph Leitl
heute, Donnerstag, bei einer Pressekonferenz, bei der ein weiteres
Novum in der österreichischen Sozialversicherung vorgestellt wurde.
Seit Jänner 2012 setzt die SVA als erste Sozialversicherung auf
Prävention und Vorsorge, nun ist sie der erste Versicherungsträger,
der aktiv auf die Versicherten zugeht und nach den Anforderungen an
die soziale Absicherung von morgen fragt.
"Das österreichische Unternehmertum entwickelt sich jeden Tag
weiter - genauso dynamisch muss deren Sozialversicherung folgen. Neue
Formen der Selbständigkeit verlangen neue Formen der sozialen
Absicherung und hier ist der Gesetzgeber gefordert. Wir brauchen
nichts von der Politik, was Geld kostet - die SVA finanziert sich
selbst und will nicht am Tropf hängen wie andere Träger. Aber wir
brauchen die gesetzliche Rahmenbedingungen, um handeln zu können",
so Leitl, und weiter: "Wir sehen uns als Interessenvertreter unserer
Versicherten, stehen im Dialog mit verschiedenen Initiativen und wir
wollen noch einen Schritt weitergehen - indem wir als erste
Sozialversicherung eine Befragung aller Versicherten durchführen."
Peter McDonald, stv. Obmann der SVA, skizzierte, in welche
Richtung es geht. In den vergangenen Jahren habe die SVA viel für die
Versicherten erreicht, u.a. eine Senkung der Beiträge um 30 Prozent
für Unternehmer mit kleinen Einkommen, die freiwillige
Arbeitslosenversicherung, die Einrichtung eines Unterstützungsfonds
oder die Umsetzung einer Steuerbegünstigung des 13. und 14. Gehalts
aus dem Bereich der Unselbständigen, die seit 2010 auch für
Selbständige gilt.
"Der nächste Meilenstein ist die Einführung eines
Krankengeld-Modells für Selbständige." Dieses Modell solle schon bis
zum Sommer umgesetzt werden. Die weiteren Themen, die man gerade mit
Gesundheits- und Sozialministerium verhandelt seien vielfältig: "Wir
brauchen flexiblere Regelungen, um im Fall von
Zahlungsschwierigkeiten unnötige Härten vermeiden zu können. Derzeit
sind unsere gesetzlichen Vorgaben sehr rigoros und bedeuten vor allem
für kleine und kleinste Unternehmen eine große Belastung", so
McDonald. "Die nächsten Meilensteine sind für uns die Einrichtung
eines Härtefonds, die Angleichung des Wochengeldes an das von
Arbeitnehmerinnen sowie eine Wahlmöglichkeit in der Berechnung der
Beiträge."
Eine völlige Abkehr von Selbstbehalten als Teil der
Finanzierungsbasis wäre hingegen verbunden mit einer 20-prozentigen
Anhebung der Krankenversicherungsbeiträge. McDonald: "Bei allen
Forderungen, die nun diskutiert werden, ist zu beachten, dass die
nachhaltige Finanzierbarkeit der sozialen Leistungen für
Selbständigen durch die SVA gesichert bleiben muss. Man kann nicht
mehr ausgeben, als man hat, ohne ins Finanzdebakel zu schlittern wie
das einige Gebietskrankenkassen vorgemacht haben." Der
stellvertretende SVA-Obmann rechnete vor, dass allein die
Budgetbeschlüsse 2011 und 2012 der SVA 135 Mio Euro entziehen würden.
Die Versicherten treffe das Konsolidierungspaket der Bundesregierung
mit 380 Mio Euro vor allem durch Erhöhung des Beitragssatzes in der
Pensionsversicherung. "Wir haben deshalb eine Alternative erarbeitet,
die als Kern eine Flexibilisierung der Befreiungs- und
Reduzierungsmöglichkeiten für Selbständige mit geringen Einkünften
hat."
Die Befragung sei nun wichtig, um zu hören, wo die Unternehmer der
Schuh noch drückt und wo Reformbedarf besteht. In den kommenden
Wochen bis April werde die Fragestellung mit allen politischen
Fraktionen, bis November sollen die Ergebnisse vorliegen und die
Umsetzung noch Ende des Jahres starten.
Obmann-Stellvertreter Wilhelm Turecek skizzierte abschließend
Daten und Fakten zur Struktur der SVA Versichertengemeinschaft.
"Derzeit sind 315.721 Kammermitglieder bei der SVA versichert, davon
42.609 neue Selbständige und 21.220 Freiberufler. Insgesamt stellen
EPU's (Ein-Personen-Unternehmen) mit 56 Prozent bereits die größte
Versichertengruppe", so Turecek. "Bei einem Viertel der EPU's machte
der Umsatz 2010 zwischen 10.000 und 30.000 Euro aus, 14 Prozent
konnten einen Jahresumsatz von mehr als 100.000 Euro erwirtschaften.
Ein Fünftel aller befragten hauptberuflichen EPU's erzielte im Jahr
2010 einen Jahresumsatz von weniger als 10.000 Euro. Hier gibt es
jedoch in vielen Fällen zusätzliche Einkünfte." 43 Prozent der EPU's
seien weiblich, das Durchschnittsalter liege bei 43,9 Jahren und für
die Mehrheit der EPU stehe Selbstverwirklichung und das Streben nach
flexiblen Arbeitszeitmodellen im Vordergrund.
Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft
Die Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft (SVA)
ist der Sozialversicherungsträger für Österreichs Unternehmerinnen
und Unternehmer. In ihrer Zuständigkeit für die gesetzliche
Krankenversicherung der Selbständigen betreut die SVA rund 700.000
Anspruchsberechtigte (davon 340.000 Aktive, 130.000 Pensionisten und
230.000 Angehörige), in ihrer Zuständigkeit für die gesetzliche
Pensionsversicherung 360.000 Anspruchsberechtigte (300.000
Gewerbetreibende und 60.000 Freiberufler).
Als modernes Dienstleistungsunternehmen setzt die SVA auf
Kundennähe, effiziente, schlanke Verwaltung und Aktionen wie "Fit zu
mehr Erfolg" und den einzigartigen "SVA-Gesundheitshunderter", welche
den Versicherten Motivation zur aktiven Prävention geben.
Rückfragehinweis:
Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft
Maria-Anna Helmy, MAS
Tel. Nr. (01) 546 54/3452 DW
e-mail: [email protected]
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