• 16.03.2012, 19:05:03
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "So gibt sich die ÖVP nur der Lächerlichkeit preis" (von Christian Weniger)

Ausgabe vom 17.03.2012

Graz (OTS) - Der gestandene ÖVP-Mandatar Werner Amon ist nicht
nur ein blindwütiger Kämpfer, sondern auch ein unverbesserlicher
Anhänger von Verschwörungstheorien. Vielleicht lässt es sich so
leichter leben, wenn man in eine Schlacht zieht, die sich einfach
nicht gewinnen lässt.

Denn, dass Amon bei seinem Kreuzzug gegen die Staatsanwaltschaft den
Sieg davontragen könnte, glaubt wohl kaum jemand. Zu lächerlich ist
die Argumentation des stellvertretenden Klubobmannes der Volkspartei.

Da beschwert sich Amon, die Staatsanwaltschaft würde gegen ihn nur
deshalb ermitteln, weil er die Anklagebehörde bei der Aufklärung des
"Falls Kampusch" öffentlich schwerer Ermittlungsfehler zieh. Eine
Verschwörung gegen den wackeren Aufdecker, der natürlich zuvor schon
in der Causa Kampusch ein verschwörerisches Netzwerk von Zudeckern
geortet haben will. Ein Netzwerk, das jetzt Rache übt, will Amon
glauben machen.

Wären da nicht die 10.000 Euro, die der Arbeitnehmerbund der ÖVP von
der Telekom für seine Zeitung einstreifte, als gerade Amon
Generalsekretär des Öaab war. Ein Betrag, der, gemessen an anderen
Summen in dieser Affäre, einen Klacks darstellt. Doch er gewinnt
wieder als Baustein des "Systems Telekom" an Bedeutung, als weiteres
Beispiel dafür, wie sich verschiedenste Mandatare und
Parteiinstitutionen nähren ließen. Nur dieses nüchterne Detail passt
nicht in die Verschwörungstheorie des ÖVP-Abgeordneten.

Man könnte trotzdem daraus ein feines Komplott zimmern, das freilich
Amon nicht gefallen würde. Der schwarze Fraktionsführer im
Korruptionsausschuss wusste natürlich, dass diese 10.000 Telekom-Euro
die Staatsanwaltschaft beschäftigen. Also preschte er mit Attacken in
der "Causa Kampusch" vor, um dann die Ermittlungen gegen ihn als
Racheakt böswilliger Staatsanwälte darzustellen. Der Wahrheitsgehalt
dieser Version dürfte so groß sein, wie jener des Ex-Öaab-Generals.

Tatsache aber ist: Amon kann für eine finanzielle Zuwendung der
Telekom keine Gegenleistung vorweisen. Statt beschämt zu schweigen,
schlägt er um sich, flüchtet mit krausem Verschwörungsgeplapper in
eine Opferrolle, wettert über eine "Politjustiz" - und erhält
unbeholfenen Flankenschutz von Klubobmann Karlheinz Kopf.

So setzt sich die Volkspartei der Lächerlichkeit, ja der
Erbärmlichkeit aus. Dass Kopf trotzdem noch Klubobmann in einer
Partei ist, die Regierungsverantwortung trägt, ist schwer erträglich.
Dass aber Amon weiter im Untersuchungsausschuss sitzt, das ist
unerträglich.****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at

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