- 08.03.2012, 08:30:31
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Ungleich unter Gleichen? Österreichische Männer überschätzen Chancengleichheit von Frauen im Beruf
Wien (OTS) -
Accenture-Studie zum Internationalen Frauentag:
- Kinder bremsen Frauen-Karrieren
- Frauen managen Karriere passiver als sie denken
- Job-Zufriedenheit in Österreich insgesamt hoch
Sechsmal so viele Männer wie Frauen in Österreich glauben, dass
Frauen in der Arbeitswelt gleich behandelt werden. Das zeigt die
aktuelle Ausgabe einer Studie, die der Managementberatungs-,
Technologie- und Outsourcing-Dienstleister Accenture jedes Jahr zum
Internationalen Frauentag veröffentlicht.
40 Prozent der berufstätigen befragten Männer stimmen der Aussage
zu: "Am Arbeitsplatz sind Frauen und Männer gleich". Dieser Meinung
sind nur sechs Prozent der befragten Frauen. Dafür kommt fast die
Hälfte (48%) zu der Einschätzung, bis zur tatsächlichen
Gleichbehandlung sei es noch ein langer Weg in Österreich.
"Frauen müssen heute im Berufsleben immer noch viele Steine aus
dem Weg räumen, bei allen Fortschritten der letzten Jahrzehnte", sagt
Catrin Hinkel, Geschäftsführerin bei Accenture und verantwortlich für
den Bereich Human Capital & Diversity. "Ein besonders großer Brocken
in Österreich ist der Glaube vieler Männer, dass die
Chancengleichheit mittlerweile besteht oder so gut wie erreicht ist."
Diese Wahrnehmung berge die Gefahr für Arbeitgeber, nicht immer
die optimale Personalentscheidung zu fällen. Arbeitet eine Frau zum
Beispiel Teilzeit, weil sie Kinder hat, zieht ein Vorgesetzter sie
oft aus falsch verstandener Rücksichtnahme nicht in Betracht für eine
Position mit mehr Verantwortung - selbst wenn sie die beste
Kandidatin dafür ist.
"Kein Arbeitgeber gesteht sich gerne ein, dass bei ihm keine
Chancengleichheit herrscht. Das entspricht nicht der gesellschaftlich
akzeptierten Meinung", sagt Catrin Hinkel. "Es ist einfacher zu
glauben, das Problem der Chancenungleichheit sei behoben, als eine
Lösung dafür zu finden."
Immerhin 44 Prozent der befragten berufstätigen Frauen in
Österreich sagen, dass ihr berufliches Fortkommen gelitten hat, seit
sie Mütter sind (Väter: 20%). Nur 17 Prozent können auf Voll- oder
Teilzeitkinderbetreuung zurückgreifen - gravierend weniger als zum
Beispiel in Deutschland (50 Prozent).
21 Prozent der berufstätigen Mütter können laut eigenen Angaben
auf den (Ehe-)Partner zählen, wenn es um die Betreuung der Kinder
geht, jedoch 52 Prozent der Männer. Familiäre Verpflichtungen
allgemein hindern 40 Prozent der Frauen daran, beruflich
weiterzukommen (M: 10%).
"Viele Frauen steigen nach der Geburt ihrer Kinder nicht auf ihren
vorherigen Positionen wieder ein und erreichen später nicht die
Positionen, die sie von ihrer Qualifikation her bekleiden könnten",
sagt Catrin Hinkel. "Dieser "Brain Drain" wirkt schwerer als alle Ab-
und Auswanderung. Arbeitgeber sollten sich das nicht länger leisten."
Verbreitet ist eine andere Praxis. Die befragten Frauen und Männer
geben an, der Arbeitgeber unterstütze Frauen beim beruflichen
Fortkommen vor allem in fachlicher Hinsicht, durch Fortbildungen und
andere Lernangebote (56%). Maßnahmen für eine bessere Vereinbarkeit
von Beruf und Familie bietet dagegen nach Angabe der Befragten nur
eine von vier Organisationen an (23%).
"Dass es an vielen Stellen in Berufsleben keine Chancengleichheit
gibt, liegt nicht allein an der Sichtweise von Männern und
gewachsenen Strukturen", sagt Franzeska Papargyropoulou, Leiterin des
Frauennetzwerks bei Accenture in Österreich. "Für verpasste
Karrierechancen müssen sich Frauen auch an die eigene Nase fassen."
So geben nur 40 Prozent der befragten Frauen an, ihre Karriere
aktiv zu managen (M: 54%). Doch tatsächlich spricht jede dritte nie
oder selten mit ihrem Vorgesetzen darüber, wie es im Job weitergehen
könnte (M: 40%).
Laut Franzeska Papargyropoulou ist das das Äußern der eigenen
Wünsche eine zentrale Voraussetzung für das Vorwärtskommen: "Viele
Frauen glauben, dass Arbeit und Einsatz für sich sprechen, und
automatisch belohnt werden", sagt Franzeska Papargyropoulou. "Das
allein reicht in den meisten Fällen jedoch nicht. Man muss klare
Signale setzen, dass man weiterkommen will."
Mehr Männer als Frauen holen sich zum Beispiel Rat für die eigene
Karriere von Vorgesetzten (M: 32%, F: 20%) und signalisieren so ihren
Aufstiegswillen. 36 Prozent tauschen sich über Karriereperspektiven
im Kollegenkreis aus (F: 30%).
"Das Potenzial, das Österreich durch ungenutztes Talent von Frauen
verloren geht, ist enorm", sagt Klaus Malle, Country Managing
Director Accenture Österreich. "Wir brauchen mehr Frauen in
Führungspositionen, und wir brauchen mehr Ingenieurinnen und Frauen
in IT- Jobs. Gerade in technischen Berufen haben Frauen beste
Karriereperspektiven. 1.000 neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
stellt allein Accenture dieses Jahr im deutschsprachigen Raum ein,
vor allem im Bereich Technologie, zum Beispiel SAP."
Aber es zeigt sich auch ein Silberstreifen am Horizont: Der Anteil
der Frauen, die ihren Arbeitgeber auf eine Beförderung angesprochen
haben, hat sich gegenüber dem Vorjahr fast verdoppelt, von 18 Prozent
auf 32 Prozent. 63 Prozent waren damit erfolgreich, ebenfalls fast
doppelt so viele wie im Jahr davor (33%).
Insgesamt, so die Erhebung, ist die Job-Zufriedenheit unter
Männern und Frauen in Österreich gleichermaßen hoch. 64 Prozent der
befragten Männer und 68 Prozent der Frauen waren 2011 zufrieden mit
ihrer beruflichen Situation, ähnlich wie im Jahr davor (M: 58%, F:
58%). Allerdings hatten 2011 mehr Berufstätige das Gefühl,
unterbezahlt zu sein: 26 Prozent der Männer gegenüber 22 Prozent
2010, 26 Prozent der Frauen gegenüber 18 Prozent 2010.
Über die Untersuchung
Die Untersuchung umfasst 3900 Personen (Männer und Frauen) in 31
Ländern. In Österreich wurden 50 berufstätige Frauen und 50
berufstätige Männer in mittelgroßen bis großen Unternehmen befragt,
mit dem Schwerpunkt auf Angestellten mit im weitesten Sinne
Bürotätigkeit. Die Befragung fand im November und Dezember 2011
statt.
Über Accenture
Accenture ist ein weltweit agierender Managementberatungs-,
Technologie- und Outsourcing-Dienstleister mit mehr als 244.000
Mitarbeitern, die für Kunden in über 120 Ländern tätig sind. Das
Unternehmen bringt umfassende Projekterfahrung, fundierte Fähigkeiten
über alle Branchen und Unternehmensbereiche hinweg und Wissen aus
qualifizierten Analysen der weltweit erfolgreichsten Unternehmen in
eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit seinen Kunden ein.
Accenture erwirtschaftete im vergangenen Fiskaljahr (zum 31. August
2011) einen Nettoumsatz von 25,5 Mrd. US-Dollar. Die Internetadresse
lautet www.accenture.at.
Rückfragehinweis:
Mag. Peter Auer
Marketing & Communications
Accenture GmbH
Tel.:+43 1 20502 33142
E-Mail:[email protected]
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