- 07.03.2012, 08:44:22
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SOS Mitmensch: Beleidigende Speisen und Getränke haben bitteren Nachgeschmack
Gastronomiefachverband unterstützt die Aufklärungsarbeit von SOS Mitmensch über diskriminierende Speisenamen
Wien (OTS) - SOS Mitmensch ist sehr erfreut darüber, dass der
Gastronomiefachverband der Wirtschaftskammer die
Sensibilisierungsarbeit der Menschenrechtsorganisation zur
Problematik diskriminierender Speisenamen unterstützt. SOS Mitmensch
setzt sich gemeinsam mit anderen zivilgesellschaftlichen AkteurInnen
bereits seit längerem dafür ein, dass Speise- und
Getränkebezeichnungen sowie Firmenlogos, die Menschen herabwürdigen
und beleidigen, abgeändert werden.
Im Zuge der im Wien Museum gezeigten Ausstellung über den
"Hofmohren" Soliman ist SOS Mitmensch an den Fachverband Gastronomie
herangetreten, um für Unterstützung bei der Aufklärungsarbeit gegen
die weitere Verwendung von "Mohr" als Speise- oder
Getränkebezeichnung zu werben. Tragischer Held der Ausstellung ist
Angelo Soliman, der als Kind aus Afrika verschleppt und als schwarzer
Sklave nach Europa verkauft wurde. Er wurde an einen Wiener Fürsten
verschenkt und diente diesem als "Hofmohr". Später schaffte es
Soliman, sich freizulösen und unabhängig in Wien zu leben. Nach
seinem Tod holte ihn jedoch sein "Mohrendasein" ein. Soliman wurde
gehäutet, ausgestopft und für 10 Jahre ausgestellt, so als hätte er
nie unter Menschen gelebt und wäre nie ein Mensch gewesen. Angesichts
dieser geschichtlichen Tatsachen ist es nur zu verständlich, dass
sich Schwarze Menschen von der Wortwahl "Mohr" und von Speise- und
Getränkebezeichnungen mit diesem Begriff - wie z.B. dem "Mohr im
Hemd" - verletzt fühlen. Selbiges gilt auch für Speise- und
Getränkebezeichnungen, die andere diskriminierende Begriffe
enthalten, wie dies zum Beispiel beim "Zigeunerschnitzel" der Fall
ist.
Nach Besuch der Soliman-Ausstellung hat der Gastronomiefachverband
eine Aussendung an seine Mitglieder verfasst, in der empfohlen wird,
auf diskriminierende Bezeichnungen zu verzichten. Der Fachverband
schreibt: "Wir sind uns der Tatsache bewusst, dass sich die Figur des
Mohren in zahlreichen Firmenlogos und sich der Begriff "Mohr" auch in
Firmenbezeichnungen wieder findet. Die Gastronomie sollte als
Branche, die sich der Gastfreundschaft verschrieben hat, hier aber
mit gutem Beispiel vorangehen und auf derartige Bezeichnungen
verzichten. Es gibt bereits zahlreiche Betriebe, die diesen Schritt
gemacht haben und statt "Mohr im Hemd" Bezeichnungen wie z.B. "Kuchen
mit Schlag" oder "Schokokuchen mit Schlag" verwenden. Keiner dieser
Betriebe musste deswegen einen Einbruch bei der Nachfrage bzw.
Umsatzeinbußen hinnehmen. Daher möchten wir allen
Gastronomiebetrieben ausdrücklich empfehlen, ihre Speisekarten
dahingehend zu überprüfen, ob die Bezeichnung "Mohr" enthalten und
wirklich unverzichtbar ist. Machen wir es zu einem Gütesiegel
österreichischer Gastronomiebetriebe, dass keine beleidigenden
Speisebezeichnungen mehr verwendet werden."
"Bereits seit einigen Jahren setzen sich AkteurInnen aus dem
Menschenrechtsbereich, darunter auch viele Schwarze AktivistInnen,
gegen diskriminierende Speise- und Getränkebezeichnungen ein. In der
Vergangenheit sind Hinweise auf diese Problematik jedoch nicht immer
auf Verständnis gestoßen. Gerade Schwarze AktivistInnen mussten eine
Menge an Kritik, Häme und Angriffen einstecken. Oft wurde mit der
Begründung abgewunken, dass Bezeichnungen nur eine Bagatelle seien
und es im Übrigen um alte Traditionen gehe. Doch die Herabwürdigung
von Menschen ist niemals eine Bagatelle, auch dann nicht, wenn sie
unabsichtlich geschieht oder mit Traditionen in Verbindung steht.
Gerade eine traditionsbewusste Branche sollte sich nicht der
Geschichte verschließen, die hinter Speise- und Getränkebezeichnungen
sowie hinter Firmenlogos steckt. Wenn diese Geschichte eine des
Ausschlusses, der Herabwürdigung und der Diskriminierung ist, dann
sollte das zum Anlass genommen werden, um Bezeichnungen und Logos zu
ändern. Traditionen der Diskriminierung sind keine, die in
irgendeiner Form fortgeführt werden sollten.", betont Alexander
Pollak, Sprecher von SOS Mitmensch. Und Pollak weiter: "Wir sind
hocherfreut, dass der Gastronomiefachverband nun in einer Empfehlung
an seine Mitglieder zum Ausdruck bringt, dass es im Interesse einer
traditionsbewussten Gastronomie ist, auf herabwürdigende
Bezeichnungen und Firmenlogos zu verzichten. Damit wird ein wichtiges
Signal gesetzt, das unsere Bemühungen unterstützt."
SOS Mitmensch hofft, dass die Empfehlung des
Gastronomiefachverbands mit dazu beiträgt, dass sukzessive alle
Gastronomiebetriebe sowie alle Speise- und Getränkehersteller von
diskriminierenden Bezeichnungen und auch von herabwürdigen
Menschendarstellungen in Logos Abstand nehmen.
Rückfragehinweis:
Alexander Pollak
0664 512 09 25
[email protected]
www.sosmitmensch.at
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