- 05.03.2012, 12:15:38
- /
- OTS0119 OTW0119
AK zur Anerkennung ausländischer Abschlüsse: Es geht nicht nur um Hochschul-Diplome
Tumpel: Auch Annerkennung informeller Kompetenzen für ÖsterreicherInnen und MigrantInnen vorantreiben
Wien (OTS) - "Österreich ist bei der Anerkennung von non-formal
und informell erworbenen Kompetenzen und von im Ausland erworbenen
Abschlüssen noch Entwicklungsland", sagt AK Präsident Herbert Tumpel.
"Wenn jetzt die Anerkennung ausländischer Hochschulabschlüsse
erleichtert werden soll, ist das ein Schritt in die richtige
Richtung. Wichtig ist es, rasch eine zentrale Anlaufstelle zu
schaffen. Sie soll die ZuwanderInnen bei den Anerkennungsverfahren
beraten und ihnen helfen, die für ihre Ausbildung und Kenntnisse
angepassten fehlenden Kenntnisse zu erwerben. Das ist auch eine
Kostenfrage: Oft sind die nötigen Zusatzschulungen zu teuer. Sie
müssen bezahlbar werden. "Hier müssen nicht nur der
Integrationsstaatssekretär und der Wissenschaftsminister, sondern
auch die Länder und Gemeinden, der Sozial- und der
Wirtschaftsminister und die Unterrichtsministerin eingebunden
werden", so Tumpel. Und es geht bei weitem nicht nur um akademische
Abschlüsse. Auch Fachkräfte aus Handwerk und Gewerbe, beispielsweise
aus dem nichtakademischen Heil- und Pflegebereich stehen oft vor
unübersichtlichen bürokratischen Hürden, weil die Zuständigkeiten und
Anforderungen schwer zu durchschauen sind. Oft scheitert eine
Anerkennung, nur weil ein Teil der in Österreich notwendigen
Ausbildung nicht mitgebracht und eine passende Nachschulung am Markt
nicht angeboten wird. "Außerdem gibt es viel informelles Wissen, das
nicht genutzt wird. Auch dafür muss es rasche Anerkennungs- und
Ergänzungsverfahren geben", so Tumpel. "Die Initiative des
Sozialministers, informelle Kompetenzen leichter anerkennen zu
lassen, die auch viele ÖsterreicherInnen nützen können, spielt daher
ebenfalls eine unverzichtbare Rolle."
Nach dem Beispiel des am 1. April 2012 in Deutschland in Kraft
tretenden Anerkennungsgesetzes sollten alle in Österreich bestehenden
Anerkennungsvorschriften zusammengefasst und vereinheitlicht werden.
Für MigrantInnen und auch österreichische StaatsbürgerInnen sollen
Verfahren zur Anerkennung von non-formalen und informellen Komptenzen
eingeführt werden.
Eine kürzlich veröffentlichte AK Studie zur Lage von MigrantInnen am
Arbeitsmarkt hat gezeigt: 33 Prozent der in Österreich Beschäftigten
mit Migrationshintergrund werden weit unter ihrem
Qualifikationsniveau eingesetzt. Zwei Drittel der MigrantInnen, die
nach Österreich zum Arbeiten kommen, haben eine Ausbildung im Ausland
abgeschlossen. Aber weniger als ein Fünftel der MigrantInnen mit
Bildungsabschluss im Ausland beantragt die Anerkennung oder
Nostrifikation der Ausbildung. Und auch eine Nostrifizierung führt
nur in praktisch jedem zweiten Fall zu tatsächlich
ausbildungsadäquatem Einsatz auf dem Arbeitsmarkt in Österreich.
"Hier sind auch die Unternehmen gefragt: Sie müssen die Menschen auch
entsprechend ihrer Kenntnisse einsetzen und bezahlen", so Tumpel.
Die AK fordert Bund, Länder und Gemeinden sowie die Unternehmen zu
mehr Anstrengungen in der Integrationspolitik auf und fordert:
+ Etwa 20 Prozent der MigrantInnen in Wien bringen akademische
Abschlüsse mit, können diese aber oft nicht verwerten, da ihre
Abschlüsse nicht anerkannt werden oder die Anerkennung, insbesondere
die Nostrifikation akademischer Abschlüsse ein komplizierte
Hürdenlauf durch verschiedene Behörden und Ministerien ist. Deshalb
muss ähnlich wie schon in Deutschland oder den Niederlanden eine
zentrale Anlaufstelle für Anerkennung und Nostrifikation
ausländischer Abschlüsse geschaffen werden. Für informelle
Kompe-tenzen braucht es ein Zertifizierungssystem, das Kenntnisse und
Fähigkeiten anerkennt und dazu ergänzende Wege zu den in Österreich
anerkannten Berufen aufzeigt. Das hilft MigrantInnen und
NichtmigrantInnen.
+ Mit maßgeschneiderten "Integrationspaketen" sollte jede ZuwanderIn
ein für sie passendes individuelles Beratungspakt erhalten mit
Information über Österreich, eine indivi-duelle Kompetenzenanalyse
und einen Qualifikations-und Eingliederungspfad in den Arbeitsmarkt.
Vorbildlich ist hier die Gemeinde Wien. Auch der Österreichische
Integrati-onsfonds bietet viele Hilfen, aber die ist bis jetzt nicht
flächendeckend standardisiert und akkordiert.
+ Bei der umfassenden Neugestaltung und Vereinheitlichung der
österreichischen Anerkennungslandschaft müssen die zuständigen
Behörden, die erfahrenen Beratungsstellen für MigrantInnen und die
Interessenvertretungen der ArbeitnehmerInnen einbezogen werden.
+ Wenn fast jeder dritte Beschäftigte mit Migrationshintergrund unter
der von ihm erworbenen Qualifikation eingesetzt wird, führt das zu
Lohndumping. Denn von vielen wird eine höherwertige Leistung
gefordert, aber nicht bezahlt. Um Lohn- und Sozialdumping zu
verhindern, muss das bestehende Lohn- und Sozialdumpinggesetz
konsequent angewandt werden. Unterentlohnung durch Betriebe ist kein
Kavaliersdelikt.
Rückfragehinweis:
AK Wien Kommunikation
Ute Bösinger
Tel.: (+43-1) 501 65-2779
mailto:[email protected]
wien.arbeiterkammer.at
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | AKW






