• 04.03.2012, 04:32:31
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Faymann in ÖSTERREICH: "Krise ist noch nicht überstanden"

Kanzler über Griechenland: "Jeder, der behauptet, er wisse, dass Hilfe ausreicht, dem würde ich nicht über den Weg trauen"

Wien (OTS) - Im großen Sonntags-Interview mit der Tageszeitung
ÖSTERREICH spricht Bundeskanzler Werner Faymann über den EU-Gipfel,
die Griechenland-Krise und das Sparpaket.

ÖSTERREICH: Das Sparpaket wird bald in Kraft treten, Sie haben den
neuen EU-Fiskalpakt unterschrieben. Aber ist damit die Krise wirklich
vorbei?
WERNER FAYMANN: Der EU-Fiskalpakt war ein wichtiger Schritt. Wir
bekennen uns zum Sparen - in der EU, wie auch hier. Aber das kann nur
ein erster Schritt sein. Wir mussten einen Boden einziehen, damit die
EU-Hilfen kein Fass ohne Boden werden, wo das Geld dann herausrinnt.
Wir in Österreich haben die Krise bislang gut gemeistert. Diese
Wirtschaftskrise ist mit jener der 1930er-Jahre vergleichbar. Sie ist
noch nicht überstanden.

ÖSTERREICH: Wenn Sparen nur der erste Schritt ist, was ist der
zweite?
FAYMANN: Nachhaltiges Wirtschaften und Investitionen in Wachstum und
Beschäftigung. EU-Kommissionspräsident Barroso ist am Montag mein
Gast in Wien. Wir werden gemeinsam eine Lehrlingswerkstätte besuchen.
Denn der Kampf gegen Jugendarbeitslosigkeit muss in der EU eine
Priorität werden. Wir dürfen nicht jenen die EU überlassen, die
unsere Sozialwerte aufgeben und sich an China oder Indien ein Vorbild
nehmen wollen. Einseitiges Sparen wäre sehr gefährlich und würde das
Europa, das wir kennen, zerstören. Dagegen kämpfe ich an und deswegen
setze ich mich für die Finanztransaktionssteuer ein, denn für
Wachstum brauchen wir auch neue Einnahmen.

ÖSTERREICH: Glauben Sie, dass die neue Griechenland-Hilfe ausreichen
wird?
FAYMANN: Jeder, der behauptet, er wisse, dass dies ausreicht, dem
würde ich nicht über den Weg trauen. Bei Griechenland wird es davon
abhängen, ob sie über mehrere Wahlperioden hindurch wirklich diese
harten Sparmaßnahmen durchziehen können. Wir alle in der EU müssen
alles versuchen, um diesen Weg zu unterstützen. Das gilt auch für
Portugal, Spanien oder Italien, die uns immer wieder Sorgen machen.
Vergessen Sie nicht, dass unsere Wirtschaft etwa mit Italien stark
verwoben ist. Italien hat zwar bessere Voraussetzungen als
Griechenland, aber auch Italien muss über längere Zeit harte
Strukturmaßnahmen vornehmen.

ÖSTERREICH: Muss der Euro-Schutzschirm ausgeweitet werden?
FAYMANN: Auch hier wäre es unseriös das auszuschließen. Ja, das
könnte notwendig sein.

ÖSTERREICH: Die EU-Skepsis in Österreich steigt wieder. 42 % der
Österreicher sind EU-skeptisch.
FAYMANN: Ich verstehe die Sorgen. Aber: Alleine hätten wir uns in
dieser Krise nicht erwehren können. Viele Herausforderungen wird man
künftig nur gemeinsam lösen können.

Rückfragehinweis:
ÖSTERREICH, Chefredaktion
Tel.: (01) 588 11 / 1010
mailto:[email protected]

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