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Neues Volksblatt: "Wiener Bräuche" (von Markus Ebert)

Ausgabe vom 3. März 2012

Linz (OTS) - Es gab Zeiten, in denen kein Mensch daran dachte, sprachlich zu gendern - sprich eine geschlechteradäquate Begrifflichkeit zu verwenden.
Es gab auch Zeiten, in den selbstverständlich überall und zu jeder Zeit geraucht wurde, selbst in Spitalszimmern.
Und es gab Zeiten, in denen es das größte Glück des Menschen schien, möglichst früh und jung in Pension zu gehen. Aber man weiß ja: die Zeiten ändern sich.
Geschlechtergerechte Sprache, auch wenn sie mitunter daherholpert, ist ziemlich selbstverständlich geworden, das öffentliche Rauchen hat einen ziemlichen Akzeptanzknick hinnehmen müssen, und auch bei den Pensionen gibt es ein Umdenken.
Dass der Weg aber kein leichter und ein weiter ist, zeigt ein aktuelle Beispiel aus Wien. Erst vor wenigen Tagen ließ sich SPÖ-Bürgermeister Häupl in einer Zeitung dafür rühmen, dass er das durchschnittliche Pensionsalter der städtischen Mitarbeiter auf 60 Jahre anheben will. Freilich: Noch kollidiert dieser vermeintliche Herkulesakt mit den tatsächlichen Gebräuchen - und die lauten: man schicke pumperlgsunde Beamte vorzeitig in Pension, weil es ihre Jobs aufgrund von Umstrukturierungen nicht mehr geben wird. Rechtlich mag alles seine Ordnung haben, aber realpolitisch sind solche Wiener Bräuche ein fatales Signal.

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