• 02.03.2012, 13:59:15
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WKÖ-Vize Römer: Bildungspolitik entscheidend für Zukunft des Wirtschaftsstandorts

Tertiärer Bildungssektor erfordert künftig differenziertere Bildungsangebote - Felderer und Badelt vermissen klare Zielvorgaben der Politik bei Bildungsthemen

Wien (OTS/PWK152) - "Gerade in Zeiten der Krise braucht es
politische Verantwortung und klare Worte sowie Ziele. Das betrifft
insbesondere bildungspolitische Themen, denn in einer hervorragend
ausgebildeten Bevölkerung liegt die Zukunft auch des
Wirtschaftsstandorts Österreich", betonte Renate Römer,
Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), in ihrer Rede
zur Eröffnung der "Wirtschaftspolitischen Gespräche" zum Thema
"Tertiäre Bildung in Zeiten der Krise", heute, Freitag, im Haus der
Wirtschaft in Wien. Die politische Planung beschränke sich leider zu
oft nur auf den nächsten Wahltermin, so Römer: "Ich vermisse gerade
bei diesen essentiellen Themen, die für die Wettbewerbsfähigkeit
unseres Landes im globalen Wettbewerb mitentscheidend sein werden,
eine vorausschauende, längerfristige Planung." Die Aufforderung an
die Politik, sich zukunftsweisende Entscheidungen zuzutrauen, wurde
auch von Bernhard Felderer, Direktor des Instituts für Höhere Studien
(IHS), und Christoph Badelt, Rektor der Wirtschaftsuniversität Wien,
geteilt, die beide meinten, dass in der Bildungspolitik klare
Zielvorgaben fehlen, Europa sich aber künftig stark anstrengen müsse,
um im internationalen Wettbewerb mitzukommen.

Daran anschließend, wies Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der
Bertelsmann Stiftung und Geschäftsführer des Centrums für
Hochschulentwicklung CHE, darauf hin, dass "Europa nicht mehr die
natürliche Führungsrolle in der Wissenschaft inne habe." Alleine in
China werden jährlich mehr Absolventen die Universitäten verlassen
als in Europa und den USA gemeinsam. Der Weg gehe auch weg von den
klassischen Universitäten hin zu einer diversifizierten
Bildungslandschaft im tertiären Sektor. Dräger: "Das zeigt sich unter
anderem darin, dass sich der Studententypus ändert. In den USA etwa
sind nur noch 28% der Studierenden junge Vollzeitstudenten, die
direkt an einem Uni-Campus vor Ort studieren." Der Rest der
Studierenden ist über 25 Jahre alt, betreibt ein Fernstudium und/oder
ist berufstätig. Dieser Trend kommt auch nach Europa und erfordere
verschiedene Hochschultypen und andere Studienmodelle: angefangen von
der klassischen Forschungsuniversität über Ausbildungsuniversitäten
bis zu weiterbildenden Hochschulen, Online-Unis, international
orientierten Hochschulen, regional vernetzten Unis, dualen
Hochschulen oder Berufsakademien.

Friedrich Faulhammer vom Wissenschaftsministerium bekräftigte,
dass "Hochschulen nicht die einzige Möglichkeit sind, um hohe
Qualifizierung zu erlangen", und wies auf das ausgezeichnete duale
System in Österreich hin. Faulhammer: "Es reicht nicht, bloß viele
Hochschulabsolventen zu haben." Das zeige das Beispiel Spaniens, wo
die Akademikerquote sehr hoch ist, ebenso aber die
Jugendarbeitslosigkeit. Dementsprechend solle die Stärke des dualen
Systems im tertiären Bereich fortgeführt werden. Als gutes Beispiel
wurden in diesem Zusammenhang von Jörg Dräger die von der
Wirtschaftskamer Österreich propagierten "Berufsakademien"
hervorgehoben.

Ziel dieser Berufsakademien ist, angesichts des drohenden
Fachkräftemangels, die Attraktivierung der Lehrausbildung, indem
durch sie weiterführende Ausbildungen angeboten werden. Der Zugang
steht vor allem beruflich Qualifizierten - Lehrabsolventen, Meistern,
Fachwirten - offen. Voraussetzung ist die erfolgreich absolvierte
Lehrabschlussprüfung. Universitäten und Fachhochschulen sollen durch
die Berufsakademien aber nicht belastet werden. Die Berufsakademien
werden jedoch eine gleichwertige "Dritte Säule" im tertiären
Bildungsbereich, die von bestehenden Einrichtungen, etwa der
Erwachsenenbildung, angeboten werden. (BS)

Rückfragehinweis:
Wirtschaftskammer Österreich, Abteilung für Bildungspolitik
Dr. Michael Landertshammer
Tel.: (+43) 0590 900-3573, F:(+43) 0590 900-261
mailto:[email protected]
http://wko.at/bp

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