• 29.02.2012, 09:32:19
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Oesterreichs Energie Trendforum diskutierte Zukunft der Stromnetze

Verursachergerechte Finanzierung wird zentrale Frage für den Netzausbau

Wien (OTS) - Wie kann die Energiewende gelingen, und welche Rolle
spielen dabei die Stromnetze? Diese Fragen standen am 28. Februar im
Mittelpunkt des Trendforums von Oesterreichs Energie, das unter dem
Motto "Erneuerbare Energien, ja bitte! - Netze, nein danke?" stand.
Die enorme Bedeutung der aktuellen Fragen der Verteilnetze
dokumentierte sich auch im hohen Interesse des Fachpublikums, denn
mit über 150 Gästen übertraf die Veranstaltung bei weitem die
Erwartungen.

Auf die großen Herausforderungen, vor denen die Netzbetreiber durch
die Integration der erneuerbaren Energien stehen, verwies Peter Layr,
Präsident von Oesterreichs Energie und Vorstandsdirektor der EVN in
seinem Eingangsstatement anhand aktueller Zahlen aus Österreich: Um
die anstehenden Aufgaben zu bewältigen, müsse die E-Wirtschaft
mittelfristig eine Investitionssumme von rund 13 Milliarden Euro
aufwenden.

Deutsche Erfahrungen zeigen Herausforderungen der Energiewende

Über die aktuellen Fragen, die der komplette Umbau der
Energieversorgung in Deutschland aufwirft, berichtete Hans-Joachim
Ziesing, Mitglied der Expertenkommission zur Überprüfung der
deutschen Energiewende, in seiner Keynote-Speach. Man sei, so der
Experte, "ziemlich einäugig in die Energiewende hineingestolpert und
komme nun zur Erkenntnis, dass die bestehende Netzinfrastruktur für
den rasanten Ausbau der erneuerbaren Energien gar nicht gerüstet
ist". Massivste Anstrengungen seien vonnöten, um in einem knappen
Zeitfenster die Versäumnisse nachzuholen.

Genehmigungsverfahren verkürzen, Investitionsanreize schaffen

Auf die inneren Zusammenhänge des Systems der Stromversorgung und die
daraus entstehenden Anforderungen verwies Prof. Günther Brauner,
Vorstand des Instituts für Energiesysteme und Elektrische Antriebe an
der TU Wien. Der Umstieg auf erneuerbare Energiesysteme erfordere
nicht nur einen signifikanten Ausbau der Netzinfrastruktur, sondern
auch entsprechende Stromspeichermöglichkeiten. Diese seien für
Deutschland aber derzeit nicht absehbar.

Martin Graf, Vorstandsdirektor der Energie-Control Austria, sieht
Österreich in dieser Hinsicht dank der existierenden hohe Kapazität
der Pumpspeicherkraftwerke besser gerüstet. "Hierzulande besteht die
Notwendigkeit eher darin, Genehmigungsverfahren für den Netzausbau
zügiger durchzuziehen, die nötigen finanziellen Anreize für die
Netzbetreiber seien durch die aktuellen regulatorischen
Rahmenbedingungen gegeben", so Graf.

Diese Ansicht des Regulators teilen Österreichs Netzbetreiber nicht.
Sie sehen sich im Gegensatz dazu vor Unsicherheiten bezüglich der
langfristigen Finanzierung und Regulierung, erklärte Reinhard
Brehmer, Spartensprecher Netze von Oesterreichs Energie und
Geschäftsführer Wien Energie Stromnetz GmbH. Brehmer verwies darauf,
dass die Netztarife durch Effizienzabschläge im letzten Jahrzehnt
drastisch gesunken seien und regte zur Finanzierung des Netzausbaus
eine jährliche Erhöhung der Netztarife um zwei bis drei Prozent an.
"Eine solche Erhöhung würde für einen Haushalt nur eine Belastung von
rund einem bis 1,5 Cent pro Tag bedeuten", so Brehmer.

Umfangreicher gesellschaftlicher Diskurs erforderlich

Für einigen Diskussionsstoff sorgte der Hinweis Ziesings, dass man
sich in der Kostenverteilungsdiskussion auch Gedanken über Fragen der
gerechten Finanzierung und Energiearmut machen müsse. Ziesing schlug
vor, Alternativen zu überlegen, statt alles den Marktmechanismen zu
überlassen. Einig waren sich hingegen alle Diskutanten darüber, dass
sich gangbare Lösungen nur in einem umfangreichen Diskurs unter
Einbeziehung aller Gruppen finden lassen würden.

Dieser Sicht schloss sich auch Barbara Schmidt, Generalsekretärin
Oesterreichs Energie an. Schmidt verwies darauf, dass der Staat die
Interessen der Kunden während des Jahrzehnts seit Beginn der
Liberalisierung bisher zu wenig beachtet habe. Zwar seien die
Energiekosten und Netztarife im vergangenen Jahrzehnt teilweise stark
gesenkt worden, davon sei insbesondere bei den Haushalten aber nur
wenig angekommen, weil im Gegenzug Steuern und Abgaben erhöht wurden.
Jetzt benötigten die Netze mehr Geld für Investitionen, die durch
eine moderate Steigerung der Netztarife finanzierbar wären. Es gebe
aber keinen Raum mehr für höhere Steuern und Abgaben, wenn man die
Belastung in Grenzen halten wolle. Schmidt: "Das Verständnis für die
notwendigen Maßnahmen können wir bei den Konsumenten nur mit
gezielter Aufklärung und den Verzicht auf neue Zusatzbelastungen
erreichen."

Über Oesterreichs Energie

Oesterreichs Energie vertritt seit 1953 die gemeinsam erarbeiteten
Brancheninteressen der E-Wirtschaft gegenüber Politik, Verwaltung und
Öffentlichkeit. Als erste Anlaufstelle in Energiefragen arbeiten wir
eng mit politischen Institutionen, Behörden und Verbänden zusammen
und informieren die Öffentlichkeit über Themen der
Elektrizitätsbranche.

Die rund 140 Mitgliedsunternehmen erzeugen mit knapp 21.000
Mitarbeitern mehr als 90 Prozent des österreichischen Stroms und
betreiben die Transport- und Verteilnetze Österreichs. Die
Stromproduktion der Mitglieder von Oesterreichs Energie erreichte
2010 rund 60 Milliarden Kilowattstunden, davon 60 Prozent aus
nachhaltiger Wasserkraft.

Rückfragehinweis:

Oesterreichs Energie
   Ernst Brandstetter
   Pressesprecher
   Tel.: 0043 1 50198 - 260; Mobil: 0043 676 845019260
   mailto:[email protected]
   www.oesterreichsenergie.at

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