• 28.02.2012, 13:24:22
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ORF zu TV-Programmanalyse 2011 im Auftrag der RTR

Wien (OTS) - Zu der heute, Dienstag, den 28. Februar 2012,
präsentierten "TV-Programmanalyse - Fernsehvollprogramme in
Österreich 2011" im Auftrag der Rundfunk und Telekom
Regulierungs-GmbH (RTR-GmbH) stellt ORF-Generaldirektor Dr. Alexander
Wrabetz fest:

"So erfreulich einige Punkte der Studie für den ORF sind und im
Grunde die Qualität seiner Sendungen bestätigen, so wird die
vorliegende 'TV-Programmanalyse' in ihrer Methode und ihren
Ergebnissen der öffentlich-rechtlichen Medienproduktion in keiner
Weise gerecht. So wird vernachlässigt, dass 'Unterhaltung'
unverzichtbarer Bestandteil des Programmauftrags ist, der qualitative
Unterschied zwischen öffentlich-rechtlichen und kommerziellen
Programmen findet in unzureichender Weise Berücksichtigung.
Wesentliche Programmelemente, wie etwa Sonderberichterstattungen,
Programmschwerpunkte oder die Sport-Live-Übertragungen, werden ebenso
wie die Lokalberichterstattung in den Bundesländern nicht ausreichend
berücksichtigt. Die Zuordnung einzelner Sendungen zu Kategorien ist
nicht nachvollziehbar. Die Tatsache, dass ORF eins und ORF 2 als
unabhängige Sender gewertet werden, missachtet die seit 30 Jahren
bestehende, ebenso gesetzeskonforme wie angesichts der Mediennutzung
sinnvolle Komplementärprogrammierung. Die 'TV-Programmanalyse' hat
also aus Sicht des ORF methodische Grundlagen, die zu hinterfragen
sind und die Aussagekraft der Ergebnisse zuungunsten des ORF
beeinflussen. Die ORF-eigene Programmstrukturanalyse, die nicht nur
eine Ausschnittswoche, sondern das ganze Jahr betrachtet, kommt
jedenfalls zu grundlegend anderen Aussagen als die vorliegenden
Programmanteilsberechnungen!"

"Unterhaltung" ist öffentlich-rechtlicher Auftrag

Die "Darbietung von Unterhaltung" ist laut Gesetz
öffentlich-rechtlicher Kernauftrag, den der ORF mit einer Vielzahl
österreichischer Eigenproduktionen von österreichischer
Serienunterhaltung über TV-Movies, Comedy- und Talk-Formaten bis zu
innovativen TV-Events für die ganze Familie erfüllt. Der
Unterhaltungsanteil ist in ORF eins primär deshalb höher als bei
kommerziellen Sendern, weil diese bis zu 40 % ihrer täglichen
Sendezeit mit Werbung, Teleshopping und Promotion füllen. In dieser
Zeit läuft im ORF hochwertiges Unterhaltungsprogramm. Alle
Unterhaltungsformate des ORF erfüllen durch die
Qualitätssicherungssysteme des ORF hohe Standards: von der Auswahl
und Programmierung über die Kennzeichnung und
Unterbrecher-Werbefreiheit bis zu den Produktionsstandards. Als
größter heimischer Produzent investiert der ORF knapp 100 Millionen
Euro pro Jahr in die österreichische Produktionswirtschaft und sorgt
damit für Wertschöpfung für den Film- und TV-Standort Österreich wie
kein anderer heimischer Sender.

Frage der Programmqualität wird vollkommen vernachlässigt

Die rein quantitative Analyse ist in Bezug auf öffentlich-rechtliche
Programmproduktion nur bedingt aussagekräftig und vernachlässigt die
qualitativen Unterschiede zwischen Kommerziellen und
Öffentlich-Rechtlichen vollkommen. So liefert das ORF-Fernsehen mit
seinen Fachredaktionen, seinem Korrespondentennetz und vielfach
preisgekrönten Topjournalistinnen und -journalisten und den
umfassenden Richtlinien und Regulativen für Unabhängigkeit und
Objektivität eine unterscheidbare Informationsqualität, die mit jener
von kommerziellen Sendern in keinster Weise vergleichbar ist - von
den "ZiB-Flashes", der "ZiB 20" und "ZiB 24" über die "Zeit im Bild"
um 19.30 Uhr, die "ZiB 2", die Magazine, Reportagen, Dokumentationen
etc.

ORF eins und ORF 2 sind g e m e i n s a m zu betrachten

ORF eins und ORF 2 als je eigenständige Sender zu betrachten und
auszuwerten ist kein korrekter Ansatz, da der ORF seinen
umfangreichen gesetzlichen Programmauftrag (d. h. "differenziertes
Gesamtprogramm aus Information, Kultur, Unterhaltung und Sport für
alle") in all seinen Kanälen erfüllt, sind ORF eins und ORF 2 daher
als ein Programm auf zwei Kanälen (plus den Spartenprogrammen) zu
beurteilen. Die vollkommen getrennte Betrachtung ist methodisch nicht
korrekt.

Wesentliche ORF-Programmelemente wie Sonderberichterstattungen,
Schwerpunkte oder Sportübertragungen vernachlässigt

Mit der Beschränkung auf nur eine Programmwoche werden wesentliche
Programmelemente, die das ORF-Fernsehen - im Gegensatz zu den
kommerziellen Sendern - charakterisieren wie Programm- und
Themenschwerpunkte, Sondersendungen, aktuelle
Schwerpunkteberichterstattung und das große Programmsegment der
Sport-Live-Übertragungen aus der Erhebung völlig ausgeblendet. Einige
Beispiele:

Allein 2011 sendete der ORF aus aktuellem Anlass rund 97
"ZiB"-Spezial- und -Sondersendungen sowie "Runde Tische" im Ausmaß
von rund 34 Programmstunden zu Themen wie "Erdbeben in Japan",
"Arabischer Frühling" oder der "Euro-Krise", die in der Auswertung
vernachlässigt werden.

Live-Sport-Events wurden aus der Stichprobe offenbar entfernt. Legt
man die ausgewiesenen 2,5 % an Sportsendungen auf das Ganzjahr 2011
um, ergibt das lediglich 219 Stunden. Tatsächlich hat der ORF laut
TELETEST aber 980 Stunden Sportberichterstattung gesendet.

Geringe Datenbasis nicht aussagekräftig

Die geringe Datenbasis von nur einer Woche mit 2.905 Sendungen macht
die vorliegende "TV-Programmanalyse" hinsichtlich ORF eins und ORF 2
wenig aussagekräftig. Die ORF-Programmstrukturanalyse wertet dagegen
das gesamte TV-Jahr mit 168.000 Sendungen aus. Die aktuelle Analyse
weist für den ORF folgende Programmstruktur aus:

Information: 21 %
Kultur und Religion: 6 %
Wissenschaft, Bildung und Lebenshilfe: 10 %
Sport: 7 %
Unterhaltung: 44 %
Familie: 13 %

ORF-Lokalberichterstattung ausgeblendet

Die umfangreiche ORF-Lokalberichterstattung, als eine der
wesentlichen Stärken der ORF-Programme, wird nicht entsprechend
berücksichtigt. Es wird lediglich ORF 2 Niederösterreich ausgewertet,
wodurch 1.550 Stunden Regionalinformation pro Jahr, die nur der ORF
bietet, vernachlässigt werden.

Sendungszuordnung nicht nachvollziehbar

Die Zuordnung von Sendungen zu einzelnen Kategorien wird im Anhang
der Studie nicht offengelegt und ist nicht nachvollziehbar. Sie
widerspricht teilweise sogar den Ergebnissen des von allen
österreichischen TV-Sendern in Auftrag gegebenen TELETESTS. Einige
Beispiele:

So wird ORF 2 etwa ein täglicher Nachrichtenanteil von 89,2 Minuten
ausgewiesen, laut TELETEST sind es aber im Jahresschnitt 172 Minuten
täglich.

Die "TV-Programmanalyse" weist dem ORF-Fernsehen einen Anteil an
"Religionssendungen" von vier Stunden pro Jahr aus, tatsächlich sind
es 186 Stunden.

Renommierte und mehrfach preisgekrönte Dokureihen wie "Universum"
oder "kreuz und quer" scheinen sich in derselben Kategorie zu finden
wie Formate wie etwa "Ein Leben für die Schönheit", das
eigenproduzierte, gewalt- und werbefreie ORF-Kinderprogramm, das
ebenfalls nur der ORF anbietet, wird in den Programmprofilen der
Analyse der Kategorie "Unterhaltung" zugerechnet.

"Parallel-Programmierung" für ORF irrelevant

Zu diskutieren ist auch die Bewertung des Themas
"Parallel-Programmierung". Der ORF hat in Umsetzung seines Auftrags
seinem Publikum das bestmögliche Programmangebot in allen Bereich zu
machen, dazu gehört auch, Programme, seien es Dokumentationen,
eigenproduzierte oder internationale Filme und Serien, Sportevents
etc., zum ehestmöglichen Zeitpunkt zu senden. Wann Kommerzielle
welche Programme ausstrahlen, ist für den ORF dabei irrelevant. Der
ORF orientiert sich am österreichischen Publikum.

Überhaupt nicht nachvollziehbar ist der Vorwurf der
"Parallel-Programmierung" im Falle von Koproduktionen. Dass der ORF
versucht, die mit Partnern koproduzierten Programme seinem Publikum
zuerst oder zumindest gleichzeitig anzubieten, ist im Sinne des
österreichischen Publikums selbstverständlich.

Würde der ORF dies unterlassen, wäre er demnächst ein "Nischensender"
und die deutschen Kommerziellen die Programmversorger des
österreichischen Fernsehmarktes.

Abschließend stellt ORF-Generaldirektor Wrabetz fest: "Herr Woelke
hat wieder einmal eine einseitige, methodisch fragwürdige und über
weite Strecken inhaltlich falsche Studie abgeliefert. Es ist
unverständlich, dass die RTR zum wiederholten Mal Herrn Woelke mit
Gutachten beauftragt. Die Studie ist daher ausschließlich als aus
öffentlichen Mitteln finanziertes Lobbying-Instrument zur Förderung
von Interessen deutscher Medienkonzerne zu betrachten und keinesfalls
als taugliche Grundlage weiterführender Diskussion."

Rückfragehinweis:
ORF-Marketing und Kommunikation
(01) 87878 - DW 12228

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