- 28.02.2012, 13:08:22
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Schiefergasförderung: (volks)wirtschaftlicher Unsinn
Experten und Betroffene warnen vor Schäden an Gesundheit, Eigentum und Umwelt
Wien (OTS) - Die geplante Schiefergasförderung im Weinviertel ist
mit zahlreichen Fragezeichen und Risiken behaftet: umstrittene
"saubere" Fördermöglichkeit sowie Wirtschaftlichkeit, überschätzte
Schiefergasvorkommen inklusive Gefahr für Mensch und Umwelt. Diese
Schlussfolgerungen ziehen Werner Zittel vom deutschen
Ludwig-Bölkow-Institut, Borislav Sandov, Mitglied der "Climate Action
Coalition Bulgaria" sowie Calvin Tillman, ehemaliger Bürgermeister
der texanischen Kleinstadt Dish, im Rahmen der Veranstaltung
"Schiefergas - Methoden und Risiken" am 28. Februar in der Akademie
der Wissenschaften.*)
Schiefergas-Vorrat für wenige Jahre
"Was der Öffentlichkeit als technischer Fortschritt verkauft wird,
belegt genauer betrachtet die Verzweiflung der Unternehmen, noch
möglichst lange das 'alte' Geschäft der Gasförderung
aufrechtzuerhalten", so Zittel. "Die Äußerung, dass mit den
geschätzten Schiefergasmengen im Weinviertel Österreich für etwa 30
Jahre von Erdgasimporten unabhängig wäre, ist deutlich übertrieben.
Anhand einer Modellrechnung mit typischen Förderprofilen kann man
abschätzen, dass der Beitrag zur Erdgasversorgung Österreichs im
günstigsten Fall für einige Jahre etwa 10 % betragen könnte." Der
Förderaufwand für Schiefergas sei wesentlich größer und der Ertrag
pro Kubikmeter Gestein geringer als bei konventionellen Bohrungen,
wodurch an der Wirtschaftlichkeit gezweifelt werden muss. Ein "Clean
Fracturing"-Verfahren wird laut Zittel in den USA schon seit Jahren
ohne nennenswerte Markterfolge angeboten. Die österreichischen
Schiefergas-Investitionen wären sinnvoller angelegt, würden sie in
den Umbau der Energieversorgung in Richtung erneuerbarer Energien
gelenkt.
Gefahr für die Wasserversorgung
Nach einer sechsmonatigen Anti-Schiefergas-Kampagne wurde im
Jänner 2012 die "Hydraulic Fracturing"-Fördermethode in Bulgarien
verboten. "Die größte Gefahr bestand in der Verseuchung des
Wasserbeckens 'Malm-Valange' - der wichtigsten Trinkwasserreserve für
das gesamte Balkan-Gebiet", erklärt Sandov. Ferner ist es die einzige
Quelle für das landwirtschaftlich geprägte Landesinnere - "Die
Kornkammer Bulgariens".
Studien beweisen negative Auswirkungen
Dish vereint alles, was im Zusammenhang mit der
Schiefergasförderung steht: Aufbereitungsanlagen,
"Fracturing"-Bohrungen samt Lärm, Pipelines sowie Gaskompressoren.
Die Folgen: Eingriffe in das Eigentum sowie Umwelt- und
Gesundheitsschäden. Eine unabhängige Luftgütestudie identifizierte
Grenzwertüberschreitungen für 16 verschiedene Chemikalien. Zahlreiche
darauf folgende Studien bestätigten das Vorkommen derselben
Risikostoffe nahe Schiefergas-Aufbereitungsanlagen und die damit
verbundenen negativen Auswirkungen auf die Gesundheit. "Auch die
Gesundheit meiner Kinder litt darunter", erklärt Tillman. "Daraufhin
entschieden wir uns, der Gesundheit Vorrang zu geben und Dish im März
2011 zu verlassen." (Über ein weiteres Beispiel mit
Bodenverseuchungen berichtet Tillman in der Langfassung.)
*)Organisatoren der Veranstaltung: Austria Solar, Österreichischer
Biomasse-Verband, Kleinwasserkraft Österreich, Photovoltaic Austria,
Umweltdachverband und IG Windkraft. Die Verbände fordern in einem
"offenen Brief" von der Bundesregierung ein generelles
Schiefergas-Förderverbot und den weiteren Ausbau der Nutzung von
erneuerbaren Energien.
Die Langversionen der Vorträge, der "offene Brief" an die
Bundesregierung sowie Abbildungen sind unter
http://www.ots.at/redirect/biomasseverband1 downloadbar. Die
Powerpoint-Präsentationen werden am 29. Februar hinzugefügt.
Rückfragehinweis:
Österreichischer Biomasse-Verband, Antonio Fuljetic
Tel: 0660 855 6804, Mail: [email protected]
IG Windkraft, Martin Fliegenschnee-Jaksch, Mobil: 0699 188 77 855
Mail: [email protected]
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