• Nachrichten-
    agentur
  • Bildagentur
  • Informations-
    management
  • Informations-
    technologie

Message delivered APA-OTS Originaltext-Service

Greenpeace-Studie zu Fukushima: Millionen Menschen leben in Gefahr

Wissenschaftlicher Bericht zeigt Versagen der japanischen Institutionen auf

Tokio/Wien (OTS) - Die Umweltschutzorganisation Greenpeace veröffentlichte heute in Tokio den wissenschaftlichen Bericht "Lehren aus Fukushima" (engl.: "Lessons Learned"), der die Geschehnisse nach der Reaktorkatastrophe am 11. März 2011nachvollzieht und aufzeigt, dass nicht die Naturkatastrophe für das Ausmaß des Unglücks verantwortlich war, sondern das institutionelle Versagen der japanischen Regierung, der Aufsichtsbehörden und der Atomindustrie. Die wichtigste Erkenntnis aus dem Bericht: Diese von Menschen und Institutionen verursachte Katastrophe könnte sich in dieser oder ähnlicher Form an jedem AKW-Standort der Welt wiederholen. Damit leben hunderte Millionen Menschen in permanenter Gefahr.

"Das tragische Erdbeben und der Tsunami am 11. März haben zwar den Reaktorunfall ausgelöst, aber erst indem die japanischen Behörden das Risiko heruntergespielt haben und zu wenig auf den Schutz der Bevölkerung geachtet haben, kam es zu einer Katastrophe dieses Ausmaßes", erklärt Jan Van de Putte, Atomexperte von Greenpeace International. "Dieser Bericht zeigt, wie unsicher die Kernenergie an sich ist. Die Regierungen sind schnell darin, Reaktoren zu genehmigen. Treten jedoch Probleme im Atomkraftwerk auf, sind sie ganz schlecht vorbereitet. Das hat sich seit der Fukushima Katastrophe nicht verändert. Aus diesem Grund werden de facto Millionen von Menschen dem Risiko eines Atomunfalls ausgesetzt."

Greenpeace hat für die wissenschaftliche Studie "Lehren aus Fukushima" Dr. David Boilley, einen Kernphysiker des unabhängigen französischen Radiation Laboratory ACRO, Dr. David McNeill, Japans Korrespondent für The Chronicle of Higher Education und andere Publikationen, und Arnie Gundersen, einen Nukleartechniker der Fairewinds Associates, gewinnen können. Der Bericht, dessen Peer Review von Dr. Helmut Hirsch, dem europäischen Experten für nukleare Sicherheit, geleitet wurde, zeigt drei zentrale Erkenntnisse:

1) Die japanischen Behörden und TEPCO, der Betreiber der Anlage Fukushima, lagen in ihren Einschätzungen und Prognosen über die Risiken eines ernsthaften Unfalls deutlich falsch. Die zentralen Gefahren waren ihnen vor dem Unfall bereits bekannt, wurden aber heruntergespielt und ignoriert.

2) Selbst Japan, das als eines der am besten vorbereiteten Länder der Welt im Umgang mit großen Katastrophen gilt, konnte nicht ausreichend mit der Reaktorkatastrophe und ihren Folgen umgehen. Die Notfall- und Evakuierungspläne sind völlig daran gescheitert, die Bevölkerung adäquat zu schützen.

3) Hunderttausende Menschen wurden durch die notwendigen Evakuierungen, um einer radioaktiven Verstrahlung zu entkommen, aus ihrem Leben gerissen. Sie haben aufgrund mangelnder Unterstützung und finanzieller Entschädigung keine Möglichkeit, ihr Leben wieder neu aufzubauen. Das Haftungsrecht und die Entschädigungs-regelungen sind selbst in Japan, aber auch in nahezu allen Staaten der Welt, unzureichend. Auch ein Jahr nach der Katastrophe sind die betroffenen Menschen weitestgehend sich selbst überlassen. Und am Ende wird der japanische Steuerzahler für einen Großteil der Kosten aufkommen müssen.

"Diese Katastrophe war vorhersehbar und wurde auch vorhergesagt.
Sie konnte aufgrund der ewig gleichen Geschichte passieren: die Minimierung des Risikos war einfach weniger wert als die Geschäfte der Atomindustrie", so Kazue Suzuki, Atomsprecher von Greenpeace Japan. "Die Behörden haben jedoch nichts daraus gelernt und drängen bereits darauf, die Reaktoren wieder zu starten."

Derzeit laufen nur noch drei der ursprünglich 54 Reaktoren in Japan. Trotz dieser Einschränkung der Leistung und trotz des starken Winters ist es bisher zu keinen Stromausfällen oder Versorgungsengpässen gekommen. Greenpeace fordert die japanische Regierung auf, die Reaktoren nicht neu zu starten, sondern in die Steigerung der Energieeffizienz und erneuerbarer Energien zu investieren. Greenpeace fordert einen globalen Ausstieg aus der Atomenergie bis zum Jahr 2035.

Report unter:
www.greenpeace.at/fukushima

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | GRP0001