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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Mobiles Business abseits von Effekthascherei - von Peter Sempelmann

41 Megapixel sind ebenso sinnlos wie 450 PS

Wien (OTS) - Handyherstellern und Netzbetreibern fällt es oft
schwer, ihre Produkte und Angebote von den Mitbewerbern abzugrenzen. Wenn aber ein Hersteller ein Smartphone mit einer 41-Megapixel-Kamera aus dem Hut zaubert, dann ist ihm die Aufmerksamkeit sicher. So geschehen gestern am Mobile World Congress in Barcelona, dem wichtigsten jährlichen Stelldichein der Mobilfunkbranche, wo Nokia das Modell 808 PureView mit besagter Kamera vorgelegt hat.
Dem ersten Staunen folgte umgehend Rätselraten. Ein Smartphone mit einer 41-Megapixel-Kamera ist wie ein Supersportwagen mit 450 PS. Wer braucht den und wozu? Die Antwort ist schnell gefunden - Nokia selbst. Der finnische Handyhersteller hat das schwierigste Jahr seiner Geschichte hinter sich. Dem Wechsel an der Unternehmensspitze folgten ein radikaler Strategieschwenk und die Allianz mit Microsoft. Ein ganzes Jahr lang konnte Nokia nur zusehen, wie die Mitbewerber, allen voran Apple und Samsung, Marktanteile gewannen, während Nokia selbst mit keinem eigenen Produkt kontern konnte. Das gestern präsentierte Smartphone mit der Superlinse ist also nichts als ein lauter Aufschrei des nach verkauften Geräten gezählt immer noch größten Handyherstellers der Welt.

Abseits davon gibt es am Mobile World Congress aber auch ernstere Themen. Smartphones und Tablet-PCs haben die Kommunikation, das Internet und die Art, wie wir es nutzen, verändert. Eine Folge ist die aufblühende App-Economy. Neue, innovative Unternehmen, deren Lösungen Smartphones und Tablet-PCs zu vielseitigen, in allen Lebenslagen einsetzbaren Werkzeugen machen, sind am Markt aufgetreten. Und die Entwicklung bleibt nicht stehen. Der UMTS-Nachfolger LTE wird das mobile Breitband-Internet, das für die Nutzung der Smartphones eine Grundvoraussetzung ist, hoffentlich bald auch in bisher nur schlecht versorgte Regionen bringen. Mit Near Field Communication (NFC), das nach einer langen Anlaufphase nun eine entsprechende Dynamik bekommt, wird der Austausch von Daten zwischen den Geräten einfacher, und gleichzeitig eröffnen sich neue Einsatzmöglichkeiten für Smartphones, etwa im mobilen Zahlungsverkehr.

Die daraus folgenden gesellschaftlichen Auswirkungen sind ebenso wenig absehbar wie die wirtschaftlichen. Die Mobilfunkbranche aber muss die Weichen stellen, um die zukünftigen Entwicklungen zu ermöglichen. Das ist Mobile Business. Die Diskussion darf nicht um Smartphone-Kameras und deren Megapixel geführt werden.

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