• 22.02.2012, 18:15:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Schluss mit der Schwarz-Weiß-Malerei - von Ingrid Krawarik

Haben Sie ein schlechtes Gewissen? Machen Sie reinen Tisch!

Wien (OTS) - Es ist schon richtig: An dem Geschäft mit
Steuersündern hat die Schweiz jahrelang beträchtliche Scherflein
verdient. Schließlich konnten Privatbanken ihren angstvollen Kunden
doppelte und dreifache Margen verrechnen. Der plötzliche Aufbruch
Richtung Weißgeld-Strategie ist gelinde gesagt überfällig und lange
noch nicht ausreichend. Die jüngste Diskussion um Steuersünder und
Weißgeld hat aber wieder eines trefflich gezeigt: Alle, die ein nicht
deklariertes Konto in der Schweiz haben, sind böse
Steuerhinterzieher, die mit betrügerischer Absicht ihr Vermögen im
Ausland horten, um der österreichischen Steuer zu entgehen.

Liebe Leser: Es gibt auch grau! Diese ewige Schwarz-Weiß-Malerei ist
wirklich gestrig. Der Großteil des Kapitals, das in der Schweiz
lagert, wurde in den 1960er-Jahren meist von industriellen Familien
transferiert. Nicht etwa aus steuerlichen Überlegungen. Sondern aus
der Angst heraus, dass die Russen wiederkommen, und weil die Schweiz
damals wie heute einer der wenigen sicheren Häfen war. Die jüngere
Generation kann mit dieser Angst heute wenig anfangen. Wir haben
keinen Krieg erlebt. Aber verstehen kann man die Beweggründe allemal.
Entschuldigen lässt sich Steuerhinterziehung deshalb aber nicht. Auch
der naive Glaube, wer Quellensteuer entrichtet, sei aus dem
Schneider, darf an dieser Stelle eines Besseren belehrt werden:
Schließlich wurde auf die Ertragssteuer vergessen.

Deshalb heißt es jetzt Handeln. Spätestens, wenn der automatische
Informationsaustausch über Auslandskonten in Kraft tritt, hat das
Kavaliersdelikt ausgedient. Im schlimmsten Fall droht sogar eine
Gefängnisstrafe, nämlich dann, wenn Abgabenbetrug nachgewiesen wird.
Und das ist schnell passiert, vor allem dann, wenn die Politik die
Hetzjagd auf Steuersünder ernsthaft eröffnet.

Was ist zu tun? Machen Sie gegebenenfalls eine Selbstanzeige. In
Österreich kommt das einer Vollamnestie der Missetaten gleich, da es
zu einer Steuer- und Abgabenbefreiung kommt und man hinterzogene
Steuern rückwirkend nur bis zum 1.1.2003 zurückzahlen muss. Der Staat
bekommt fünf bis acht Prozent des nicht deklarierten Vermögens - aber
ehrlich, das ist nun mal der Preis für jahrelangen Saus und Braus.
Und immer noch niedriger, als die Abgabensteuer! Ein weiterer
Vorteil: Die Finanz sieht solche Selbstanzeigen intern als Fair Play
an. Tipp: Nehmen Sie nicht ihren eigenen Steuerberater in den
Beichtstuhl. Bei der Selbstanzeige sollte kein Fehler unterlaufen -
sie sollte besser Experten aus großen Kanzleien überlassen werden.

Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]

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